Drugcom: Topthema: Hohes Suizidrisiko bei Konsum psychoaktiver Substanzen

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Topthema

Hohes Suizidrisiko bei Konsum psychoaktiver Substanzen

Mai 2013

Suizid ist die zweithäufigste Todesursache unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Europa. Es gibt verschiedene Ursachen dafür, dass sich ein junger Mensch umbringen will. Drogenkonsum ist einer der Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit für Suizid erhöhen. Oder gibt es womöglich sogar einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Drogenkonsum und Suizid?

Junger Mann sitzt auf Bordstein, sein Kopf ist in seinen verschränkten Armen versunken

Bild: Meikel.inSpirit / photocase.com

Vincent van Gogh, Robert Enke, Kurt Cobain und Hannelore Kohl haben vermutlich nicht viel gemeinsam, außer, dass sie ihr Leben selbst beendet haben. In ihrer Verzweiflung sahen sie den Tod offenbar als einzigen Ausweg oder als Erlösung. Jeder Mensch hat seine persönlichen Gründe für diese Entscheidung. Allerdings gibt es Risikofaktoren, die diese fatale Entwicklung begünstigen. Depressionen und psychische Probleme sind vor allem zu nennen. Studien weisen darauf hin, dass der Konsum von psychoaktiven Substanzen ebenfalls das Risiko für einen Suizid erhöht.

Drogenkonsum ist unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen weit verbreitet. Was wenig bekannt ist: Unter den 15- bis 20-Jährigen ist die Selbsttötung die zweithäufigste Todesursache. 2010 haben sich in Deutschland 189 Jugendliche und junge Erwachsene dieser Altersgruppe umgebracht. Das sind 4,5 junge Menschen auf 100.000. Männliche Jugendliche sind dreimal häufiger betroffen als Mädchen.

Wie hoch das Suizidrisiko ist, wenn Jugendliche Drogen konsumieren, wurde im Rahmen einer europaweiten Schülerbefragung untersucht. Über 45.000 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 16 Jahren haben an der ESPAD-Studie teilgenommen, dem European School Survey Project on Alcohol and Other Drugs. Schwerpunkt der Befragung war, wie der Name schon sagt, die Ermittlung des Alkohol- und Drogenkonsums in dieser Altersgruppe. Daneben wurden die Schülerinnen und Schüler danach gefragt, ob sie schon mal versucht haben, sich umzubringen.

Höchstes Suizidrisiko bei Medikamenten

Die nackten Zahlen können nicht ausdrücken, welche seelischen Probleme sich hinter den Antworten verbergen, doch das Ausmaß ist schockierend: 11 Prozent aller befragten Schülerinnen und Schüler haben nach eigenen Angaben bereits einen Suizidversuch hinter sich. Armenien hat die niedrigste Rate von 4 Prozent, während in Ungarn beinahe jeder vierte der Befragten schon einmal eine Selbsttötung versucht haben soll.

Die Auswertung ergab einen hohen Zusammenhang zwischen Substanzkonsum und Suizidversuchen. Jedoch waren es nicht die illegalen Drogen, sondern legale Medikamente, die den stärksten Zusammenhang zeigten. Wenn Jugendliche mindestens einmal in ihrem Leben mit verschreibungspflichtigen Schlaf- und Beruhigungsmitteln in Kontakt gekommen waren, war die Wahrscheinlichkeit für einen Suizidversuch 3,3-mal höher als bei Jugendlichen, die noch nie derartige Medikamente genommen hatten.

Das Experimentieren mit illegalen Drogen außer Cannabis steht mit einem 2,4-fach erhöhten Risiko für Suizidversuche in Zusammenhang. Die Raucherinnen und Raucher unter den 15- bis 16-Jährigen hatten ein doppelt so hohes Risiko für einen Suizidversuch. Regelmäßiger Alkoholkonsum in diesem Alter ließ das Risiko um das 1,5-fache steigen. Regelmäßiger Cannabiskonsum war mit einem 1,4-fach erhöhten Risiko für einen Suizidversuch verbunden.

Risiko verdoppelt sich bei jeder zusätzlichen Substanz

Oftmals konsumieren Jugendliche aber nicht nur eine, sondern mehrere Substanzen. Die Anzahl der Substanzen gibt ebenfalls Aufschluss über das Risiko für Suizidversuche. Nach Auswertung kommt das Forschungsteam zu der Schlussfolgerung, dass jede zusätzliche Substanz die Wahrscheinlichkeit für einen Suizidversuch etwa verdoppelt.

Bei einer Substanz ist die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit 2,4-mal höher, als wenn der Jugendliche gar keine Substanz bislang konsumiert hat. Bei zwei Substanzen ist das Risiko 4,5-mal höher, bei drei Substanzen 7,4-mal und bei vier Substanzen 11,6-mal höher. Bei fünf Substanzen gibt es einen dramatischen Sprung. Dann liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Suizidversuch gegenüber abstinenten Jugendlichen um das 31-fache höher.

Die Autorinnen und Autoren der Studie geben allerdings selbst zu bedenken, dass ihre Ergebnisse aufgrund des Studiendesigns keinerlei Aussagen über die Richtung des Zusammenhangs erlauben. Eine einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung sei aus ihrer Sicht zudem nicht wahrscheinlich. Denkbar sei hingegen, dass andere Faktoren wie eine depressive Störung oder belastende Lebensereignisse sowohl die Wahrscheinlichkeit für Substanzkonsum als auch für Suizidversuche erhöhe.

Ebenso ist es möglich, dass Substanzkonsum und die Gedanken an Selbsttötung sich gegenseitig verstärken. Hierbei stellt sich die Frage, was überwiegt. Fördert der Einstieg in den Konsum von psychoaktiven Substanzen das Grübeln über die Selbsttötung oder verleitet letzteres eher zum Konsum?

Kausaler Zusammenhang überprüft

Ein Forschungsteam aus Neuseeland und Australien hat sich dieser Frage angenommen und sie auf der Grundlage einer Langzeitstudie überprüft. 1.265 Personen, die 1977 im neuseeländischen Christchurch geboren wurden, sind über einen Zeitraum von 30 Jahren wiederholt untersucht und befragt worden. Für die Studie wurden die Daten herangezogen, die zwischen dem Alter von 15 und 30 Jahren erhoben wurden.

Dabei ging es jedoch ausschließlich um den Konsum von Cannabis. Untersucht wurde die Frage, ob Cannabis die Gedanken an Suizid fördert oder umgekehrt. Dabei wurden auch Faktoren statistisch berücksichtigt, die sich möglicherweise ungünstig auf beide Aspekte auswirken. Das sind persönliche oder familiäre Faktoren wie Angststörungen, Missbrauchserfahrungen oder der Tod von Angehörigen.

Suizidgedanken nach regelmäßigem Cannabiskonsum

Nach Analyse der umfangreichen Daten kam das Forschungsteam zu folgendem Schluss: Täglicher oder fast täglicher Cannabiskonsum erhöht die Wahrscheinlichkeit für Suizidgedanken bei Männern, aber nicht bei Frauen. Je früher bereits regelmäßig gekifft wird, umso früher beschäftigen sich Personen gedanklich mit der Selbsttötung. Die Wahrscheinlichkeit für Suizidgedanken ist dabei umso höher, je stärker der Konsum ist.

Die Forscherinnen und Forscher fanden Belege dafür, dass die ersten Gedanken an eine mögliche Selbsttötung in der Regel erst dann aufkommen, nachdem der Cannabiskonsum bereits einen regelmäßigen Rhythmus angenommen hat. Hingegen konnte das Forschungsteam keinen Hinweis dafür finden, dass Suizidgedanken den Cannabiskonsum fördern, weder bei Männern noch bei Frauen.

Die Tatsache, dass für Frauen keine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Suizidgedanken nach dem Beginn des regelmäßigen Cannabiskonsums nachgewiesen werden konnte, ist nach Meinung des Forschungsteam möglicherweise auf ein statistisches Problem zurückzuführen. Denn generell würden weniger Frauen in den Cannabiskonsum einsteigen als Männer. Um die statistische Bedeutsamkeit berechnen zu können, braucht es aber eine gewisse Mindeststichprobe. Das bedeutet: Es sei denkbar, dass der kausale Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Suizidgedanken auch für Frauen gefunden worden wäre, wenn die Stichprobe größer gewesen wäre.

Fazit

Erschreckend viele junge Menschen versuchen, sich das Leben zu nehmen oder spielen ernsthaft mit dem Gedanken, es zu tun. In einer Längsschnittstudie konnte nachgewiesen werden, dass Cannabiskonsum die Wahrscheinlichkeit für die gedankliche Beschäftigung mit dem Suizid erhöht und nicht umgekehrt. Je früher Jugendliche in den regelmäßigen Cannabiskonsum einsteigen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit.

Das höchste Risiko besteht für Jugendliche allerdings nicht bei Cannabiskonsum, sondern wenn sie bereits Erfahrung haben mit verschreibungspflichtigen Schlaf- und Beruhigungsmitteln, gefolgt von illegalen Drogen außer Cannabis sowie regelmäßigem Zigarettenrauchen und Alkoholkonsum. Das Risiko für Suizidversuche steigt vor allem dann, wenn Jugendliche schon Erfahrung mit mehreren psychoaktiven Substanzen gemacht haben.

Der Weg zum Suizid ist in der Regel kein abrupter, sondern nur der Endpunkt einer Kette von negativen Entwicklungen. Meist gehen persönliche Krisen voraus, die sich so weit verschlimmern, bis der Gedanke an den Tod immer mehr zunimmt und konkreter wird. Bei Notlagen oder seelischen Problemen ist es daher ratsam, sich möglichst frühzeitig jemanden anzuvertrauen oder professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Unter anderem stehen folgende Beratungsmöglichkeiten zur Verfügung:


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