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30.03.2012

Hirndoping unter Studierenden seltener als angenommen

Medienberichte vermitteln teilweise den Eindruck, als wenn das Hirndoping stark auf dem Vormarsch sei. Berufstätige und Studierende würden immer häufiger zu verschreibungspflichtigen Mitteln greifen. Eine repräsentative Untersuchung unter Studierenden liefert nun erstmals konkrete Zahlen. Demnach betreiben nur 5 Prozent der Studierenden gelegentlich Hirndoping.

Jalousie mit aufgesprayter Schrift "Nie wieder Prüfungen"

Bild: ts-grafik / photocase.com

Bereits 2011 hatte ein australisches Forschungsteam festgestellt, dass in den Medien oft unkritisch über das Thema Hirndoping berichtet wird. Die Medien selbst würden den Hype um das Hirndoping durch eine oftmals enthusiastische Darstellung der vermeintlich leistungssteigernden Mittel befeuern. Doch wie häufig diese Mittel in Deutschland tatsächlich eingenommen werden, dazu gab es bislang keine verlässlichen Zahlen.

Ein Forschungsteam des HIS-Instituts für Hochschulforschung hat nun im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums eine repräsentative Studie unter Studierenden durchgeführt. Für die Untersuchung wurden die Daten von knapp 8.000 Studentinnen und Studenten ausgewertet, die im Wintersemester 2010/11 an einer Onlinebefragung teilgenommen haben. Durch statistische Gewichtungen wird sichergestellt, dass die Daten über alle Studierende verallgemeinerbar sind.

Hirndoping kein „Massenphänomen“

Das wichtigste Ergebnis: Etwa 5 Prozent der Studierenden betreiben Hirndoping, nehmen also verschreibungspflichtige Medikamente, Schmerzmittel, Beruhigungsmittel, Psychostimulanzien oder Aufputschmittel, um die Studienanforderungen besser bewältigen zu können. Die meisten greifen allerdings selten zu derartigen Mitteln. Von einem „Massenphänomen“ wie das Online-Magazin Die Welt das Hirndoping 2011 in einem Artikel bezeichnet hatte, kann also keine Rede sein.

Offenkundig ist, dass Studierende teils unter hohem Stress in ihrem Studium leiden. 79 Prozent empfinden starken oder sehr starken Leistungsdruck. Die Bereitschaft zur Einnahme von leistungssteigernden Mitteln scheint aber von vielen Faktoren abzuhängen. So nimmt der Anteil der Hirndoper mit dem Alter und der Anzahl der Semester zu. Während in den Anfangssemestern 3 Prozent der Studierenden Hirndoping betreiben, fällt dieser Anteil ab dem 13. Semester mit 8 Prozent mehr als doppelt so hoch aus.

Zwischen den Studienfächern gibt es ebenfalls deutliche Unterschiede: Studierende der Veterinärmedizin und Sportwissenschaft weisen mit 18 und 14 Prozent den höchsten Anteil an Hirndopenden auf. In den Fächern Mathematik/Informatik und Geowissenschaften/Physik betreiben hingegen nur jeweils 3 Prozent der Studierenden Hirndoping.

Hirndoping zur Stressbewältigung

Generell werden leistungsbeeinflussende Mittel am häufigsten zur Vorbereitung auf Prüfungen eingesetzt. Für 55 Prozent der hirndopenden Studierenden ist das eine typische Anwendungssituation. Interessanterweise ist die reine Leistungssteigerung aber nicht der wichtigste Einnahmegrund. Auf die Frage, warum die Mittel eingenommen werden, wird als häufigste Antwort die Bekämpfung von Nervosität und Lampenfieber genannt. 53 Prozent nehmen leistungssteigernde Mittel bei generellem Stress. Erst an zweiter Stelle steht das Ziel, konkret die geistige Leistung zu steigern.

Quellen:

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