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11.01.2013

Magersüchtige Fliegen durch Methamphetamin

Der Konsum von Methamphetamin, auch bekannt als „Crystal Meth“, kann verheerende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Bilder von stark abgemagerten Menschen prägen beispielsweise Anti-Drogen-Kampagnen in den USA. Im Tierexperiment wurde nun untersucht, wie der Stoffwechsel auf Methamphetamin reagiert.

Makroaufnahme einer Fruchtfliege auf grünem Halm

Drosophila melanogaster
Bild: janeff / istockphoto.com

Küchenabfälle und vergammeltes Obst sind ihre Lieblingsspeise. Drosophila melanogaster, besser bekannt als Fruchtfliege, vermehrt sich immer dann, wenn die Bananen im Obstkorb langsam braun werden oder der Mülleimer zu lange nicht geleert wurde. In der Wissenschaft dienen die nur zwei Millimeter großen Insekten häufig als Forschungsobjekte, wenn die Untersuchung aus ethischen Gründen nicht am Menschen vorgenommen werden kann.

Der Organismus der Fruchtfliege stand auch im Mittelpunkt einer Untersuchung um Studienleiter Kent Walters. Das Forschungsteam der Universität in Illinois, USA, wollte herausfinden, welche Auswirkungen der Konsum von Methamphetamin auf den Stoffwechsel hat. Den Hintergrund bilden die teils gravierenden gesundheitlichen Auswirkungen des Konsums von Methamphetamin, das in den USA auch als „Crystal Meth“ bekannt ist.

Bislang war bekannt, dass Methamphetamin in den Energie-Stoffwechsel des Körpers eingreift, mit der Folge, dass Konsumierende teils stark abmagern. Unklar war bislang aber, welche Mechanismen dem zugrunde liegen. Um dies herauszufinden bekamen Fruchtfliegen Methamphetamin entweder mit oder ohne zusätzliche Gabe von Glucose, einer speziellen Sorte Zucker. Das Forschungsteam überprüfte anschließend sowohl den Energiehaushalt als auch das Verhalten der Fliegen.

Nahrungsaufnahme bis zu 80 Prozent reduziert

Als Folge der Stimulanziengabe nahmen die Fliegen bis 80 Prozent weniger Nahrung auf, während ihre motorische Aktivität um das 2-fache zunahm, sprich: Die Fliegen schwirrten hektisch hin und her und verweigerten weitere Nahrungsaufnahme. „Ein ähnlicher Effekt wurde bei Menschen beobachtet, bei denen Methamphetamin eine erhöhte physische Aktivität und verminderten Appetit erzeugen kann“, sagt Walters.

Gleichzeitig konnte beobachtet werden, dass die körpereigenen Energiedepots der Fliegen innerhalb von 48 Stunden nach dem Konsum von Methamphetamin kontinuierlich entleert wurden. Entgegen den Erwartungen war der allgemeine Energiestoffwechsel aber erniedrigt. Das Forschungsteam vermutet, dass der reduzierte Energiestoffwechsel eine Folge der verminderten Nahrungsaufnahme ist. Der Körper stellt sich um, weil er mit weniger Energie auskommen muss. Methamphetamin hat demnach zu einer negativen Energiebilanz geführt: Der Organismus der Fliege verbraucht mehr Energie als er aufnimmt. Das Insekt verhungert.

Bei Fliegen, die zusätzlich Glucose bekamen, war die Entleerung der Energiedepots hingegen deutlich verlangsamt, mit dem Effekt, dass weniger Fliegen nach Methamphetamin starben.

Magersucht die treibende Kraft

Die durch Methamphetamin verursachte negative Energiebilanz werde bei den Fliegen somit nicht durch einen beschleunigten Stoffwechsel verursacht, sondern ist vor allem Folge eines Verhaltens, dass der Magersucht (Anorexie) bei Menschen ähnelt. Dieser Effekt könne zumindest abgemildert werden, wenn stark kalorienreiche Nahrung aufgenommen wird. Dies können nach Ansicht des Forschungsteam auch erklären, warum Menschen, die Methamphetamin missbrauchen, häufig eine Vorliebe für stark gezuckerte Getränke entwickeln.

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