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26.10.2012

Ecstasy geht auf die Nerven

Zwei neue Studien geben Hinweise darauf, dass Ecstasykonsum besonders schädlich ist für Nervenzellen im Bereich des Hippocampus, einer Gehirnregion, die wichtig ist für das Gedächtnis.

Graphische Darstellung von Neuronen mit teils aufleuchtenden Nervenbahnen

Bild: ktsimage / iStockphoto.com

Wie wichtig der Hippocampus für unser Gedächtnis ist, zeigt der tragische Fall des Patienten H. M. 1953 wurden H. M. aufgrund immer stärker ausgeprägter epileptischer Anfälle, die sich nicht behandeln ließen, beide Hippocampi und umgebendes Nervengewebe chirurgisch entfernt. Die Epilepsie war anschließend tatsächlich verschwunden, seine Merkfähigkeit allerdings auch. H. M. litt unter einer so genannten anterograden Amnesie. Er konnte sich zwar an Vergangenes erinnern, jedoch war er nicht mehr in der Lage, neue Informationen dauerhaft zu speichern. Alles was er fortan erlebte, vergaß er umgehend wieder.

Ganz so schlimm ergeht es Ecstasykonsumierenden nicht. Es gibt aber Hinweise, dass Ecstasy die Merkfähigkeit beeinträchtigen kann. In zwei aktuellen Studien wurde untersucht, ob sich auch direkte Folgen für die Nervenzellen im Bereich des Hippocampus nachweisen lassen.

Zelltod in der Petrischale

Ein internationales Forschungsteam um Studienleiter João Capela hat einzelne Nervenzellen aus dem Hippocampus junger Ratten entnommen. Anschließend wurden die in einer Nährlösung kultivierten Zellen mit MDMA beträufelt. Die dabei verwendete Menge an MDMA entsprach der, die in Rattenhirnen nachgewiesen werden konnte, wenn den Tieren zuvor MDMA verabreicht wurde. Nach MDMA-Gabe konnte das Team beobachten wie ein biochemischer Prozess in den Nervenzellen in Gang gesetzt wurde, der schließlich zu einer signifikanten Zunahme des programmierten Zelltods führte.

In einer zweiten Studie hat ein deutsches Forschungsteam die Aktivität des Hippocampus bei Ecstasykonsumierenden untersucht - und zwar zwei Mal im Abstand von 12 Monaten. Die Personen wurden dazu allerdings nicht unters Messer gelegt, sondern in die „Röhre“ geschoben, genauer gesagt in einen Magnetresonanztomographen (MRT). Damit lässt sich sichtbar machen, welche Hirnareale gerade aktiv sind.

Aktivität im Hippocampus verringert

Teilgenommen hatten 40 Personen, die bislang maximal fünf Mal Ecstasy oder andere Amphetamine konsumiert hatten. Ein Jahr später ist ein Teil der Versuchspersonen aus dem Ecstasykonsum ausgestiegen, ein anderer hat weiter konsumiert. Von besonderem Interesse war, ob sich Unterschiede in der Hirnaktivität und den Gedächtnisleistungen beider Gruppen zeigen.

Die MRT-Aufnahmen offenbarten tatsächlich signifikante Unterschiede zwischen den Personengruppen, wenn dem Gehirn beim Einprägen neuer Informationen „zugeschaut“ wurde. Bei Personen, die weiter Ecstasy konsumierten, war der Hippocampus in der Nachuntersuchung weniger aktiv als zum ersten Messzeitpunkt. Hingegen hat die Aktivität der Nervenzellen im Hippocampus bei abstinenten Personen im Vergleich zur Ersterhebung zugenommen.

Allerdings konnte das Team keine tatsächlichen Leistungsunterschiede in den Gedächtnistests zwischen beiden Gruppen feststellen. Das Forschungsteam vermutet jedoch, dass dies auf die eher kleine Stichprobe zurückzuführen ist, da sich zumindest tendenziell abzeichnete, dass die zum zweiten Messzeitpunkt abstinenten Versuchspersonen besser abschnitten als die weiterhin Konsumierenden.

Erholung bei Abstinenz

Insgesamt liefern beide Studien somit weitere Indizien dafür, dass Ecstasy neurotoxisch wirkt und gezielt Nervenzellen im Hippocampus schädigen kann. Bei Abstinenz scheint sich der Hippocampus aber wieder zu erholen.

Quellen:

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