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15.06.2012

Fehlgeschlagene Studie mit Hawaiianischer Holzrose

Ein deutsches Forschungsteam hatte sich vorgenommen, die Auswirkungen der als „Legal High“ vermarkteten Hawaiianischen Holzrose auf die Fahrtüchtigkeit zu untersuchen. Aufgrund schwerer Nebenwirkungen bei drei von vier Untersuchungspersonen musste der Versuch jedoch vorzeitig abgebrochen werden.

Mann sitzt auf einem auf der Straße aufgemaltem Auto und hält imaginäres Lenkrad in der Hand

Bild: suze / photocase.com

Testperson D hatte es am heftigsten erwischt. Fünf Stunden nach Einnahme der Droge erschien dem 25-Jährigen alles unwirklich. Er fühlte sich „wie in einem Film“. Zunächst erinnerte er sich noch daran, dass er eine psychoaktive Substanz eingenommen hatte. Augenblicke später war er sich jedoch nicht mehr so sicher. Als man ihm erklärte, dass er Teil eines Versuchs ist, schien er es erst zu glauben. Doch wenig später war er davon überzeugt, keinerlei Drogen genommen zu haben. Vielmehr bezichtigte er die Versuchsleiter, dass sie ihn glauben machen wollen, eine Droge genommen zu haben. Seine Wahrnehmung und seine Gedanken nahmen immer mehr paranoide Züge an. Ein Mobiltelefon beispielsweise identifizierte er als ein Abhörgerät.

Offenkundig hatte Testperson D eine starke psychoseähnliche Reaktion nach Einnahme der Hawaiianischen Holzrose. Zwei weitere Testpersonen zeigten keine vergleichbaren psychischen Wirkungen, reagierten aber mit zum Teil starker Übelkeit und heftigem Erbrechen. Nur eine Testperson fühlte sich lediglich etwas müde, zeigte darüber hinaus jedoch keine bedeutsamen Beeinträchtigungen. Aufgrund der starken Reaktionen der übrigen Versuchspersonen musste der Versuch dennoch vorzeitig abgebrochen werden.

Ursprünglich wollten Christian Kremer und sein Team von der Universität Frankfurt am Main untersuchen, wie sich die als „Legal High“ vermarktete Hawaiianische Holzrose auf die Fahrtüchtigkeit auswirkt. Bereits eine halbe Stunde nach Einnahme der Droge fühlten sich die Versuchspersonen jedoch außerstande irgendeinen Test durchzuführen. Alle vier Testpersonen rekrutierte das Forschungsteam unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des eigenen Labors. Keiner hatte Erfahrung mit der Droge.

Die Forscherinnen und Forscher erwarben die Droge über verschiedene Headshops in Frankfurt und im Internet. Jede Versuchsperson hat etwa vier gemahlene Samen mit einem Glas Wasser zu sich genommen. Vier bis acht Samen der Pflanze würden üblicherweise einer mittleren Dosis entsprechen. Der Wirkstoff der Hawaiianischen Holzrose (Agyreia nervosa) ist das Alkaloid LSA, das zwar schwächer, aber ähnlich wirkt wie LSD. Die Pflanze wird auch als Hawaiian Baby Woodrose bezeichnet.

Wirkung nicht vorhersehbar

Analysen der in Headshops gekauften Samen offenbarten jedoch eine stark schwankende Wirkstoffkonzentration. Aufgrund ihrer Erfahrungen und nach Sichtung der Forschungsliteratur zur Hawaiianischen Holzrose kommt das Forschungsteam zu dem Schluss, dass es für Konsumierende unmöglich sei, die Dosis richtig einzuschätzen. Doch selbst wenn die Wirkstoffmenge bekannt wäre, berge die Droge unvorhersehbare Effekte, wie die unterschiedlichen Reaktionen der Testpersonen gezeigt hätten.

Alle Versuchspersonen erholten sich übrigens wieder vollständig, auch Testperson D. Etwa 9 Stunden nach der Einnahme endete seine paranoide Phase abrupt. Wer die Droge im privaten Rahmen konsumiert, könne im Zweifelsfalle aber nicht auf psychologisch-medizinische Hilfe setzen, betont das Forschungsteam. So sei es nach der Einnahme der Pflanze auch schon zu Todesfällen durch Leichtsinnigkeit bzw. Fehleinschätzungen gekommen.

Quelle:
Kremer, C., Paulke, A., Wunder, C. & Toennes, S. (2012). Variable adverse effects in subjects after ingestion of equal doses of Argyreianervosa seeds. Forensic Science International, 214, e6-e8.

1 Kommentar

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Zimmerit, 17. Januar 2015 12:54 Uhr
Rausgeschmissenes Geld. Dass nach Einnahme auch nur eines Samens Schluss mit jeglicher Beteiligung am Straßenverkehr ist, sollte jedem klar sein. Um dies zu untersuchen müssen keine Steuergelder verwendet werden.

Weitere Aussagen über die Wirkung von LSA auf Körper und Geist kann die Studie nur bezogen extrem schlechtes Set und Setting machen. Die Versuchspersonen waren aus dem Personal gewählt und nicht frei entschlossen sowie mental vollständig bereit, wie es ein privat aus eigenem Antrieb Handelnder sein KANN. Zudem hat der Versuch unter Beobachtung und vermutlich in laboränlicher Umgebung stattgefunden. Wie würde es euch da gehen? Jeder billige Tripbericht ist wertvoller als die Studie. Trotzdem seht ihr, was unter sehr ungünstigen Umständen passieren kann, wenn auch nicht muss. Passt auf euch auf, wenn nicht alles zu 100% passt, lasst es bleiben.

Interessant wäre es die schwankenden Wirkstoffgehalte zu veröffentlichen. Harte Fakten können überzeugen und die ein oder andere Überdosis verhindern. Den Todesfallberichten aus der öffentlichen Forschung gaubt seit den erfundenen LSD-Stories aus den USA doch ohnehin kaum jemand. Das hat man sich einst selber eingebrockt, sehr ärgerlich. Schade, dass die wirklich interessanten Dinge in der ohnehin unvollständigen Quelle nicht nachgelesen werden können.

Warum ist der Autor des obenstehenden Textes anonym? Für einen guten Artikel müsste sich niemand schämen.

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