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27.11.2003
Alcopops sind die neuen Verführer zum Alkohol
Im letzten Jahr hat sich der Umsatz von Alcopops nahezu verdoppelt. Ein Grund dafür ist vermutlich der zunehmende Konsum unter Jugendlichen.
Nach Ansicht des Jugendforschers Prof. Klaus Hurrelmann seien die bunten Trend-Getränke aus Schnaps und Limonade mit dafür verantwortlich, dass der Alkoholkonsum von Jugendlichen in der Bundesrepublik nach jahrelangem Abwärtstrend wieder steigt. "Wie in anderen europäischen Ländern haben die Getränke auch in Deutschland stark eingeschlagen", sagt der Experte von der Universität Bielefeld. Er betreut den deutschen Teil einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Alkoholkonsum von Jugendlichen.
Zwei Gründe werden in der Studie für den Anstieg des Alkoholkonsums genannt: Zum einen habe ein früheres Einstiegsalter eine leichte Steigerung des Konsums zur Folge. Als bedeutender wird jedoch das veränderte Angebot an alkoholischen Getränken eingestuft. Die neuen Mischgetränke Alcopops zielten zunehmend auf eine sehr junge Konsumentengruppe ab, die die Getränke gar nicht zu sich nehmen dürften. "Auffallend ist, dass bereits 3,6 Prozent der Elfjährigen angeben, regelmäßig Alcopops zu trinken", sagt Hurrelmann. Damit sei die Rate der Alcopop-Konsumenten doppelt so hoch wie die der gleichaltrigen Bierkonsumenten. Bei den männlichen 15-Jährigen griffen bereits 14,7 Prozent regelmäßig zu den Fertig-Cocktails.
"Diese Produkte sind von der Alkoholindustrie gezielt dazu entwickelt worden, um Jugendliche an Alkohol heranzuführen", kritisiert der Sprecher der Verbraucherorganisation Foodwatch, Carsten Direske. Die extrem aggressive Werbung, das Design und der Geschmack seien speziell auf Jugendliche abgestimmt. "Die Getränke sehen bunt und harmlos aus und schmecken wie Fruchtsaft wie zufällig sind fünf bis sechs Prozent Alkohol enthalten", sagt Direske von Foodwatch. "Alcopops sind darum die neuen Verführer zum Alkohol", urteilt Wolfgang Settertobulte, Mitarbeiter an der Universität Bielefeld.
Siehe auch News Strafsteuer auf Alcopops(vom 24.11.2003)
Quellen:
www.aerztezeitung.de
Berliner Zeitung
Originalliteratur:
Hurrelmann, K., Klocke, A., Melzer, W. & Ravens-Sieberer, U. (2003). Jugendgesundheitssurvey - Internationale Vergleichsstudie im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO. Weinheim: Juventa.


