Drugcom: Archiv: Rauschtrinken: Gehirn braucht mehr als vier Wochen Erholung

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Archiv Jahr 2014


12.12.2014

Rauschtrinken: Gehirn braucht mehr als vier Wochen Erholung

Ein Kater ist meist nach einem Tag überstanden. Doch das Gehirn leidet sehr viel länger, vor allem bei regelmäßigem Rauschtrinken. Einer aktuellen Studie zufolge erholt sich das Gehirn von Jugendlichen, die sich häufig betrinken, selbst nach vierwöchiger Abstinenz noch nicht vollständig.

Vier Jugendliche trinken Alkohol auf einem Spielplatz

Bild: © istock.com / sturti

„Sich öfter mal die Kante geben“ oder „einen über den Durst trinken“ sind nur zwei Beispiele für die vielfältigen Umschreibungen, die der deutsche Sprachgebrauch für ausschweifenden Alkoholkonsum kennt. Was dabei gerne vergessen wird: Im Übermaß getrunken kann Alkohol das Gehirn schädigen, vor allem bei Jugendlichen. Doch wie genau wirkt sich regelmäßiges Rauschtrinken auf die Hirnleistungen aus?

Ein US-amerikanisches Forschungsteam hat sich diese Frage gestellt und 65 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 16 und 18 Jahren zu umfangreichen Hirnleistungstest eingeladen. Eineinhalb Stunden lang mussten die Schülerinnen und Schüler Zahlenreihen und Wortlisten auswendig lernen, komplexe Figuren aus dem Gedächtnis nachzeichnen oder ihre Flexibilität im Denken unter Beweis stellen. Nach zwei Wochen folgte ein zweiter und nach vier Wochen ein dritter Testdurchlauf.

Vier Wochen Abstinenz

Zuvor wurden die Teilnehmenden in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe Jugendlicher betrieb regelmäßig Rauschtrinken, also mindestens einmal pro Monat, und hatte bislang schon mindestens 50 Rauscherfahrungen. Die andere Gruppe lebte überwiegend abstinent. Ein Vergleich der Schulleistungen stellte sicher, dass beide Gruppen in etwa das gleiche Leistungsniveau aufwiesen.

Das Forschungsteam wollte herausfinden, wie sich die kognitiven Leistungen innerhalb von vier Wochen verändern, wenn die Jugendlichen aus der Gruppe der Rauschtrinker auf jeglichen Alkoholkonsum verzichten. Mit Hilfe regelmäßiger Urinkontrollen wurde sichergestellt, dass beim Alkoholverzicht nicht geschummelt wird.

Bis zu 10 Prozent schlechtere Leistungen

Die Ergebnisse waren eindeutig: In fast allen Tests schnitten die Jugendlichen Rauschtrinker schlechter ab, als die Vergleichsgruppe. Zwar konnten sie ihre Leistungen innerhalb des vierwöchigen Testzeitraums verbessern, jedoch hatten sie bis zum Schluss nicht das Niveau der abstinenten Jugendlichen erreicht. Im Schnitt waren ihre Leistungen 5 bis 10 Prozent schlechter.

Die Untersuchung zeigte somit auf, dass sich das Gehirn von Jugendlichen, die sich regelmäßig betrinken, auch nach 4 Wochen Abstinenz noch nicht vollständig von den schädlichen Auswirkungen des Alkoholkonsums erholt. Viele der getesteten kognitiven Fähigkeiten würden nach Meinung des Forschungsteams auch im Alltag benötigt. Da Jugendliche meist noch zur Schule gehen, ist somit nicht auszuschließen, dass sich der schädliche Einfluss des Alkohols auch auf ihre Schulleistungen niederschlägt.

Quelle:
Winward, J. L., Hanson, K. L., Bekman, N. M., Tapert, S. F., & Brown, S. A. (2014). Adolescent heavy episodic drinking: Neurocognitive functioning during early abstinence. Journal of the International Neuropsychological Society, 20(02), 218-229.

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