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Drogenlexikon

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Ketamin

Ketamin ist ein Narkosemittel, das überwiegend in der Tiermedizin und unter bestimmten Bedingungen auch beim Menschen Anwendung findet. Es kann das Schmerzempfinden stark mindern und Bewusstlosigkeit hervorrufen.

Geschichte

Ketamin wurde erstmals 1962 synthetisiert. Ein Pharmakonzern war auf der Suche nach einem Narkosemittel, das Herzfrequenz und Atmung nicht beeinträchtigt. Dadurch sollten schmerzfreie Operationen ohne Beatmungsgeräte möglich sein.

Eine Substanz, die zuvor diesen Zweck erfüllen sollte, war Phencyclidin (PCP). PCP musste allerdings aufgrund massiver halluzinogener Nebenwirkungen vom Markt genommen werden. Das neu entwickelte Ketamin ist strukturell verwandt mit PCP und hat ähnliche, aber im Vergleich zu PCP abgeschwächte Nebenwirkungen. Patientinnen und Patienten erleben nach dem Aufwachen aus der Ketamin-Narkose Halluzinationen, sind desorientiert oder haben Wahnvorstellungen. Aufgrund dieser Nebenwirkungen beschränkt sich der Einsatz von Ketamin in der Regel auf die Notfallmedizin und meist in Kombination mit einem Benzodiazepin.

Aufgrund seiner speziellen Eigenschaften war Ketamin eines der wichtigsten Narkosemittel für US-Soldaten während des Vietnam-Kriegs. Heute wird es insbesondere in Ländern und Situationen eingesetzt, in denen das notwendige technische Equipment für eine anderweitige Narkose nicht zur Verfügung steht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt Ketamin deshalb auf der Liste der unverzichtbaren Arzneimittel.

Gerade wegen seiner halluzinogenen Nebenwirkungen wird Ketamin auch als Rauschdroge missbraucht. Erste Berichte stammen aus den 1970er Jahren. Auf dem illegalen Markt wird es als Special K, Vitamin K, Kate oder K gehandelt.

Konsumform und Wirkung

Beim Konsum als Rauschdroge wird Ketamin meist in Form eines weißen, kristallinen Pulvers gesnieft. Dabei wird es mit Hilfe eines Röhrchens oder eines zusammengerollten Geldscheins durch die Nase gezogen. Auch das Rauchen der Kristalle und das Spritzen der Flüssigkeit gehören zu den Konsumformen. Die Einnahme als Flüssigkeit oder in Form von Tabletten ist hingegen eher selten, da bei dieser Konsumform Ketamin schnell zu Norketamin umgewandelt wird und die Wirkung weniger halluzinogen ist.

Abhängig von der eingenommenen Menge und der Konsumform kann direkt nach dem Konsum Bewusstlosigkeit eintreten. Wird Ketamin gespritzt setzt die Narkose innerhalb von 30 Sekunden ein und hält etwa 5-10 Minuten an. Beim Sniefen tritt die Wirkung meist nach ein paar Minuten ein und dauert ein bis zwei Stunden. Allerdings ist der Wirkstoffgehalt bei illegal erworbenem Ketaminpulver in der Regel nicht bekannt, weshalb immer auch die Gefahr einer Überdosierung besteht.

Bei niedrigen Dosierungen stellen sich Halluzinationen ein und die Wahrnehmung von Zeit und Raum ist verzerrt. Höhere Dosierungen können so genannte Nahtoderlebnisse zur Folge haben. Konsumierende werden in Zustände versetzt, die dem Sterben ähnlich sein sollen: Es entsteht das Gefühl, den eigenen Körper zu verlassen oder mit der Umwelt zusammenzufließen, was als Ich-Auflösung oder Ich-Entgrenzung bezeichnet wird. Konsumierende kommen an einen Punkt, an dem sie sich völlig losgelöst fühlen von der Realität. Für diesen Zustand wurde der Begriff „K-Hole“ geprägt.

Akute psychische Risiken

Die starken Bewusstseinsveränderungen ähneln den Symptomen einer schizophrenen Psychose. Unter kontrollierten Bedingungen wurden sogar Experimente durchgeführt, um die durch Ketamin hervorgerufenen psychotischen Effekte zu untersuchen. Für manche Konsumierende liegt der Reiz der Droge vermutlich gerade in den halluzinogenen Effekten und dem Abtauchen in die „K-Hole“. Diese extremen Zustände können allerdings auch Angst und Panikattacken auslösen.

Erinnerungslücken und Blackouts können ebenfalls auftreten, weshalb Ketamin ebenso wie GHB auch unter dem Stichwort „K.O-Tropfen“ bekannt geworden sind.

Akute körperliche Risiken

In der medizinischen Anwendung gilt Ketamin als vergleichsweise sicher, da Überdosierungen in der Regel keine ernsthaften Probleme nach sich ziehen. Dennoch gibt es Berichte von Todesfällen, in denen Ketamin als alleinige Substanz bei Verstorbenen gefunden wurde. Die näheren Umstände dieser Fälle konnte jedoch nicht eindeutig geklärt werden.

Herzrasen, Übelkeit und zeitweilige Bewegungsunfähigkeit sind häufig berichtete Folgewirkungen. Die akuten körperlichen Risiken sind jedoch vor allem geprägt durch ein erhöhtes Unfallrisiko. Zum einen sind Konsumierende stark in ihrer Wahrnehmung und Bewegungsfähigkeit eingeschränkt, zum anderen mindert Ketamin das Schmerzempfinden. Beispielsweise hat sich in einem dokumentierten Fall eine Person Verbrennungen dritten Grades zugezogen, weil sie das Bewusstsein verlor und mit dem Gesicht auf einen elektrischen Grill zu Fall gekommen ist. In anderen Fällen kam es zu Todesfällen durch Ertrinken oder Unterkühlung.

Dass derartige Unfälle keine Seltenheit sind, zeigen auch Befragungen mit Konsumierenden. In einer Studie mit 90 Ketaminkonsumierenden gaben 13 Prozent an, als direkte Folge des Konsums in einen Unfall verwickelt worden zu sein. 83 Prozent von ihnen kannten eine Person, die sich unter dem Einfluss von Ketamin verletzt hat.

Oftmals wird Ketamin auch mit anderen Drogen zusammen konsumiert. Der Mischkonsum von Ketamin mit Alkohol, Heroin, GHB oder anderen dämpfenden Substanzen kann das Atemzentrum beeinflussen, was lebensbedrohliche Zustände nach sich ziehen kann.

Langfristige Risiken

Da es bei dem Konsum von Ketamin schnell zu einer Toleranzentwicklung kommt, ist bei wiederholtem Konsum eine Dosiserhöhung notwendig, damit der gewünschte Effekt einsetzt. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass vor allem tägliche Konsumentinnen und Konsumenten Probleme damit haben, ihr Konsumverhalten zu kontrollieren. Daher wird Ketamin ein relevantes Abhängigkeitspotential zugeschrieben, wenn es als Rauschmittel eingesetzt wird.

Je öfter diese Substanz konsumiert wird, desto bedenklicher sind die Folgen für Gedächtnis, Lernen und Wahrnehmung. In Folge von Langzeitkonsum hat man bei Usern Beeinträchtigungen der Gedächtnisleistung und neurologische Störungen beobachtet.

Der chronische Konsum von Ketamin verursacht teils irreparable Schäden am Harntrakt. Dazu gehören in erster Linie Erkrankungen der Blase und der Nieren. Warum der regelmäßige Ketaminkonsum den Harntrakt schädigt ist bisher unklar, allerdings haben Betroffene sehr ähnliche und für sie stark belastende Symptome. Dazu zählen der häufige Drang, Urinieren zu müssen, Schmerzen beim Wasserlassen und Blut im Urin.

Manche Betroffene leiden unter Inkontinenz, das heißt, sie nässen sich unkontrolliert ein. Während die Symptome in den meisten Fällen nach dem Absetzen des Konsums nachlassen, kann der Harntrakt auch irreversibel geschädigt werden. Selbst bei sehr jungen Patientinnen und Patienten musste in Einzelfällen die Blase operativ entfernt werden.

Berichten zufolge leiden einige chronische Konsumierende unter starken krampfartigen Bauchschmerzen. Dies führe dazu, dass die User mehr Ketamin nehmen, um sich Erleichterung von den Schmerzen zu verschaffen. Unklar ist noch, ob dies mit Leberschäden bei Ketaminkonsumierenden in Zusammenhang steht.

Da Ketamin das Herz-Kreislaufsystem belastet, sind Personen mit Herzproblemen und Bluthochdruck besonders gefährdet für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Dies gilt besonders dann, wenn noch weitere stimulierende Drogen wie Kokain oder Amphetamine konsumiert werden.

Rechtslage

In Deutschland gilt Ketamin als verschreibungspflichtiges Medikament. Somit gelten nicht die strengen Maßgaben des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG). Allerdings unterliegt der illegale Handel den Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes. Verstöße können mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Quellen:


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