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Drogenlexikon

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Verhaltenssucht

Begriff

Von einer Verhaltenssucht oder Verhaltensabhängigkeit spricht man, wenn ein bestimmtes stoffungebundenes Verhalten exzessive Formen angenommen und den Charakter einer Abhängigkeit entwickelt hat. Seit langem ist bekannt, dass exzessives Glücksspielen zu einer Glücksspielsucht führen kann. In Zusammenhang mit dem Spielen von Computerspielen oder dem Gebrauch des Internets werden ebenfalls teils extreme Nutzungsmuster beobachtet, die die Kriterien einer Abhängigkeit erfüllen. Darüber hinaus werden viele andere Verhaltensweisen in extremer Ausprägung als Sucht oder Abhängigkeit bezeichnet. So sind beispielsweise Kaufsucht, Arbeitssucht, Sexsucht oder Sportsucht bekannt.

Die Begriffe Abhängigkeit bzw. Sucht sind allerdings streng genommen auf die stoffgebundenen Abhängigkeiten wie Opiatabhängigkeit oder Alkoholabhängigkeit beschränkt. In den offiziellen Diagnosesystemen wie dem ICD-10 oder dem DSM-IV werden die Verhaltenssüchte nicht als eigenständige Störungsbilder anerkannt. Lediglich das pathologische Glücksspiel wird unter „Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle“ aufgelistet, hat aber nicht den Status einer eigenständigen Abhängigkeitserkrankung.

Unklar ist bislang, ob den Verhaltenssüchten nicht doch andere Erkrankungen zugrunde liegen und das vordergründige exzessive Verhalten nur ein Symptom dessen ist. Unabhängig von der akademischen Diskussion über die Existenz von Verhaltenssüchten haben sich allerdings zahlreiche Selbsthilfegruppen zu unterschiedlichen Verhaltenssüchten gegründet. So listet beispielsweise der Fachverband Glücksspielsucht e. V. über 100 Selbsthilfegruppe zum Thema Glücksspielsucht auf.

„Wirkung“ des abhängig machenden Verhaltens

Zwar werden keine bewusstseinsverändernden Substanzen konsumiert, Studien konnten jedoch aufzeigen, dass im Gehirn ähnliche physiologische Prozesse stattfinden wie bei der Einnahme von Alkohol oder anderen Drogen. Es sind die Bereiche des Gehirns betroffen, in denen vor allem der Neurotransmitter (Botenstoff) Dopamin eine Rolle spielt. Dopamin wird beispielsweise verstärkt beim Sex ausgeschüttet und bei anderen emotionalen Erlebnissen, die mit Freude und Ekstase zusammenhängen, weshalb man auch vom Belohnungssystem spricht. Drogen, aber auch bestimmte Verhaltensweisen, können ebenfalls zu einer vermehrten Dopaminausschüttung in den Belohnungszentren unseres Gehirns führen und ekstatische Gefühle erzeugen.

Abhängigkeitsentwicklung

Das perfide an den „belohnenden“ Verhaltensweisen ist, dass sich unser Organismus meist schnell daran gewöhnt und die übliche Dosis nicht mehr reicht. Man spricht dann von einer Toleranzentwicklung. Das Leben findet dann fast nur noch vor der Spielekonsole oder dem Computer statt oder der Einsatz beim Glücksspiel muss noch weiter erhöht werden, nur um den gleichen Kick zu erzeugen. Dies bildet sich ebenfalls im Erregungsniveau des Gehirns ab. Untersuchungen mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) haben gezeigt, dass die Belohnungszentren in den Gehirnen von Spielsüchtigen sich verändern und weniger erregbar werden, als die anderer Personen. Sie werden vor allem unempfindlicher gegenüber dem möglichen Verlust, wenn der Einsatz steigt.

Wie stark der Organismus an das jeweilige Konsumverhalten gewöhnt ist, zeigt sich vor allem dann, wenn es ausgesetzt wird. Dann können sich auch bei Computer- oder Glücksspielsüchtigen Entzugserscheinungen zeigen, die sehr stark sein können und wiederum ein heftiges Verlangen erzeugen, um den Mangelzustand zu beenden. In der Wissenschaft spricht man dann auch vom „Craving“, dem intensiven Verlangen nach weiteren Konsum.

Konsequenzen von Verhaltenssüchten

Verhaltenssüchte haben oftmals zerstörerische Tendenzen für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Im Falle der Glücksspielsucht können sich hohe Schulden aufsummieren, wodurch auch die Existenzgrundlage der Angehörigen gefährdet wird. Glücksspielsüchtige müssen Lügen und Ausreden erfinden, um die unangenehme Tatsache zu verbergen, dass sie z. B. einen ganzen Monatslohn „verzockt“ haben. Glücksspielsüchtige sind daher häufig suizidgefährdet, wenn sie keinen Ausweg mehr aus der finanziellen und sozialen Misere sehen. Vor finanziellen Problemen stehen auch Kaufsüchtige, die sich mehr Dinge kaufen, als sie sich leisten können und sich häufig dabei verschulden.

Andere Verhaltenssüchte wie Computerspielsucht oder Internetsucht können ebenfalls psychische, körperliche und soziale Folgen für die Betroffenen haben. So ist leicht nachvollziehbar, dass aufgrund des hohen Zeitaufwands alle anderen Aktivitäten stark eingeschränkt werden. Das immer stärkere „Abtauchen“ in virtuelle Welten hat oft die Vernachlässigung anderer sozialer Kontakte in der realen Welt zur Folge. Wegen des stundenlangen Sitzens vor dem Bildschirm hinterlassen Bewegungsmangel und häufig eine schlechte Ernährung durch Junk-Food ebenfalls ihre Spuren.

Behandlung

Bei den Verhaltenssüchten ist anders als bei den substanzgebundenen Süchten eine Abstinenz kaum umsetzbar. Zwar kann ein Verzicht auf Computerspiele und Glücksspiele sinnvoll sein, eine vollständige Abstinenz vom Computer oder dem Internet lässt sich aber bei vielen Menschen nicht mit dem Alltag vereinbaren. Ebenso wäre Abstinenz bei Kaufsucht, Arbeitssucht, Sportsucht oder Sexsucht vermutlich nicht realisierbar.

In der Behandlung von Verhaltenssüchten haben sich daher verhaltenstherapeutische und kognitive Ansätze bewährt, in denen die Betroffenen einen kontrollierten Umgang mit den Tätigkeiten erlernen. Wichtig ist es bei diesen Behandlungsformen, die auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen zu analysieren. Das können Gedanken und Gefühle (innere Reize) oder bestimmte Umweltbedingungen (äußere Reize) sein, die das Verhalten hervorrufen. In der Therapie kommt es darauf an, Kontrollstrategien und alternative Aktivitäten zu entwickeln, um das vormals exzessive Verhalten zu kontrollieren.


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