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Alkohol und Cannabis am Steuer erhöhen Unfallgefahr

Juli 2016

Alkohol ist an vielen Unfällen beteiligt. Das ist bekannt. Doch wie steht es um die Risiken durch Cannabis im Straßenverkehr, vor allem wenn Alkohol noch hinzukommt?

Langzeitbelichtung durch Frontscheibe Auto auf dunkle Straße mit Lichtern

Bild: Patrick90 / photocase.com

Für Yvonne gab es erst einmal ein paar Flaschen Starkbier. Danach ging es los. Die scheinbar einfache Aufgabe bestand darin, mit dem Auto im Slalom um mehrere Kegel herumzufahren. Doch mit 0,9 Promille schien dies fast unmöglich. In einem Film des WDR sieht man wie Yvonne fast alle Kegel umfährt. Kontrolliertes Fahren sieht anders aus. Ihre Zwillingsschwester hatte mehrere Joints geraucht, bevor sie den gleichen Test absolvierte. Zwar fuhr sie nicht so viele Kegel um wie ihre Schwester, sie berichtet hinterher aber, dass sie sich sehr stark konzentrieren musste und die Fahrt sie unter extremen Stress setzte.

Im kurzen Film der Sendung Quarks & Co. wurde deutlich: Alkohol und Cannabis können sich massiv auf die Fahrtüchtigkeit auswirken. Yvonne hatte schon bei 0,3 Promille mehrere Kegel umgefahren, obwohl sie sich sicher fühlte. Ihre Schwester Mira wirkte unter dem Einfluss von Cannabis zwar sicherer, jedoch fiel auf, dass sich ihr Fahrstil veränderte: Sie fuhr deutlich vorsichtiger und vor allem langsamer. Offenbar war sie sich ihrer Einschränkungen stärker bewusst als ihre Schwester.

Der Test des WDR erfüllt sicherlich nicht die Kriterien eines wissenschaftlichen Experiments. Wie riskant Alkohol am Steuer ist, zeigen aber nicht nur Tests, auch die jährlichen Unfallstatistiken sprechen eine deutliche Sprache. Denn ein verhältnismäßig großer Anteil an tödlichen Unfällen geht auf das Konto von Alkohol.

Cannabis und Alkohol wird häufig gemischt

Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge, und der Konsum wird von typischen Ausfallerscheinungen begleitet wie eine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit oder die Verlängerung der Reaktionszeit. Viele Cannabiskonsumentinnen und -konsumenten trinken jedoch zusätzlich auch Alkohol. Stellt sich die Frage, wie sich Cannabis und der Mischkonsum mit Alkohol auf die Fahrtüchtigkeit auswirken.

Ein US-amerikanisches Forschungsteam um Marilyn Huestis hat Tests in einem Fahrsimulator durchgeführt, um die Wirkung von Alkohol und Cannabis sowie den Mischkonsum beider Substanzen auf die Fahrtüchtigkeit zu untersuchen. Die Testpersonen saßen in einem Auto, das von einem 360 Grad Bildschirm umgeben war. Ein aufwändiges System aus Schienen und beweglichen Stelzen vermittelten das Gefühl, tatsächlich zu fahren. Nach Angaben des Forschungsteam ist der Fahrsimulator der größte seiner Art in den USA und der zweitgrößte weltweit.

18 Testpersonen mussten jeweils 45 Minuten lang eine bestimmte Route und nach bestimmten Anweisungen fahren. Gemessen wurde, wie gut die Fahrerinnen und Fahrer in der Spur bleiben und wie genau sie einen bestimmten Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug halten können.

Vorab haben die Testpersonen entweder Alkohol oder ein Placebogetränk ohne Alkohol erhalten und zusätzlich Cannabis mittels eines Vaporisators inhaliert. In einem Vaporisator wird Cannabis nicht verbrannt, sondern elektrisch erhitzt bis er verdampft. Es gab zwei Sorten von Cannabis: Mit und ohne den Wirkstoff THC. Einige Testpersonen bekamen nur Alkohol, andere nur THC und eine dritte Gruppe Alkohol und THC. Die Testpersonen wussten nicht, was sie jeweils bekommen haben.

Bekiffte Testpersonen können Spur nicht halten

Die Fahrsimulationen machten deutlich, dass sich charakteristische Veränderungen im Fahrverhalten bei Alkohol und Cannabis zeigen. Personen unter dem Einfluss von Alkohol neigten dazu, schneller zu fahren und weniger Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug einzuhalten. Testpersonen, die Cannabis mit THC inhaliert hatten, zeigten ein eher vorsichtiges Fahrverhalten: Sie fuhren langsamer und ließen mehr Abstand nach vorne.

Klingt als würde sich Cannabis positiv auf die Fahrweise auswirken. Aber den bekifften Testpersonen fiel es schwer, die Spur zu halten. Bei Blutkonzentrationen von etwa 8 Mikrogramm THC pro Liter Blut - die hierfür notwendige Dosis Cannabis wurde als niedrig bezeichnet - entsprachen die Ausfallerscheinungen denen, die bei 0,5 Promille Alkohol auftreten.

Das Forschungsteam kommt beim Mischkonsum von Alkohol und Cannabis zu der Schlussfolgerung, dass sich die Effekte addieren. Das bedeutet, wer zusätzlich Alkohol zum Joint trinkt, der- oder diejenige hat zusätzlich zu den Ausfallerscheinungen durch Alkohol noch die Beeinträchtigungen durch Cannabis zu erwarten.

Ein Forschungsteam von der Swinburne University of Technology in Australien hat zudem feststellen können, dass es einen Unterschied macht, ob es sich um erfahrene oder unerfahrene Kiffer handelt. Unter der Leitung von Con Stough wurde das Fahrverhalten von 80 Testpersonen ebenfalls mit einem Fahrsimulator getestet. Die Probandinnen und Probanden erhielten wie in der Studie aus den USA Cannabis mit oder ohne THC und Getränke mit oder ohne Alkohol, wobei den Personen nicht gesagt wurde, was sie bekommen.

Mehr Fahrfehler bei erfahrenen Kiffern

Wie sich zeigte, waren die Fahrleistungen der Testpersonen unter dem Einfluss von Cannabis und Alkohol deutlich schlechter als mit Cannabis oder Alkohol allein. Entgegen den Erwartungen des Forschungsteams zeigten erfahrene Kiffer mehr Fahrfehler als Personen, die wenig Konsumerfahrung aufwiesen. Die Blutuntersuchungen deckten zudem auf, dass der THC-Spiegel im Blut sich bei gleichzeitigem Alkoholkonsum erhöht hat. Dieser Effekt war bei den erfahrenen Kiffern stärker ausgeprägt als bei den unerfahrenen.

Wie schon in der US-Studie fuhren die Teilnehmenden unter dem Einfluss von THC vorsichtiger. Das Forschungsteam vermutet, dass die Personen sich ihrer Beeinträchtigungen - beispielsweise der verminderten Reaktionsgeschwindigkeit - bewusst waren und ihr vorsichtigeres Fahrverhalten dazu dient, diese Beeinträchtigung auszugleichen.

Erhöhtes Unfallrisiko bei Mischkonsum Cannabis und Alkohol

Generell haben Experimente in Fahrsimulatoren jedoch einen Nachteil: Die Testpersonen wissen, dass sie beobachtet werden und geben daher möglicherweise besonders auf ihre Fahrweise Acht. Unfallstatistiken liefern hingegen unverfälschte Zahlen. Und die machen deutlich: Wer sich unter dem Einfluss von Cannabis hinters Steuer setzt, erhöht die Unfallwahrscheinlichkeit. In einer Meta-Analyse sind zwei norwegische Forscher zu der Einschätzung gekommen, dass das Risiko zu verunglücken sich um 20 bis 30 Prozent erhöht, wenn die Fahrerin oder der Fahrer bekifft ist.

Eine andere Studie mit Unfalldaten von über 150.000 Autofahrerinnen und -fahrern hat nachweisen können, dass der Mischkonsum von Alkohol und Cannabis mit einer besonders hohen Unfallgefahr in Zusammenhang steht. In der Studie wurden alle Fälle schwerer Verkehrsunfälle mit Todesfolge untersucht, die sich in den Jahren 1991 bis 2008 in den USA ereignet haben und in denen sowohl auf Alkohol als auch auf Cannabis im Blut getestet wurde.

Es zeigte sich, dass sich schon bei geringen Mengen Alkohol der negative Effekt auf die Fahrtüchtigkeit deutlich verstärkt, wenn Cannabiskonsum hinzukommt. Bei größeren Alkoholmengen dominiert die Alkoholwirkung ohnehin das Geschehen, aber wenn zum Joint noch ein, zwei „Bierchen“ getrunken werden, kann das fatale und meist völlig unterschätzte Auswirkungen haben, wenn man sich ans Steuer setzt. Selbst bei Alkoholmengen, die unterhalb der gesetzlich erlaubten 0,5 Promille-Grenze liegen, ist die Wahrscheinlichkeit von Fehlern beim Fahren deutlich größer, wenn zusätzlich gekifft wird.

Fazit

Studien mit Fahrsimulatoren machen deutlich: Der Konsum von Alkohol und Cannabis ist jeweils mit charakteristischen Einschränkungen verbunden. Während Testpersonen unter Alkohol zu riskanterem Fahrverhalten neigen, ist es bei Cannabis genau umgekehrt. Unter dem Einfluss des Wirkstoffs THC fahren Probandinnen und Probanden langsamer und halten mehr Abstand. Diese scheinbar positive Wirkung ist aber letztlich nur eine Reaktion auf die eingeschränkte Fahrtüchtigkeit. Bekiffte Fahrerinnen und Fahrer scheinen sich bewusst zu sein, dass sie nicht mehr so gut reagieren können und passen ihre Fahrweise entsprechend an - zumindest in den Studien mit Fahrsimulatoren. Unfallstatistiken zeigen dennoch auf, dass der Konsum von Cannabis ein erhöhtes Unfallrisiko nach sich zieht, insbesondere wenn noch Alkohol hinzukommt.

Quellen:

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