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Im Kaufrausch: Wenn Alltägliches zur Sucht wird

Mai 2017

Arbeiten, Sport treiben, im Internet surfen oder Einkaufen sind scheinbar harmlose und alltägliche Handlungen. Doch für manche Menschen können sie zum Zwang werden. Sie entwickeln ein geradezu süchtiges Verhalten. Wie kann das passieren?

Oranges Schild mit schwarzer Aufschrift "Sonderangebot" vor Wolkenhimmel

Bild: himberry / photocase.de

Mit großen roten Lettern werben die Geschäfte im Einkaufscenter um Aufmerksamkeit: „Bis zu 60 % Rabatt“ oder „Nochmal 20 % auf alle runtergesetzten Artikel“. Manche Menschen finden Vergnügen darin, auf „Schnäppchenjagd“ zu gehen. Oder sie „Shoppen“, um sich die Zeit zu vertreiben. Sie schauen hier, sie schauen da und kaufen das eine oder andere. Solange die Ausgaben nicht Überhandnehmen, bleibt es meist ein harmloser Zeitvertreib. Es gibt allerdings auch Menschen, die ein geradezu zwanghaftes Kaufverhalten entwickeln.

Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts beschrieb der deutsche Psychiater Emil Kraepelin in einem medizinischen Lehrbuch einen krankhaften Kaufzwang, damals bekannt unter dem Fachbegriff Oniomanie. Mehr als 100 Jahre später streitet die Wissenschaft noch immer, ob es sich dabei tatsächlich um eine eigenständige Krankheit handelt oder ob die Kaufsucht nicht vielmehr ein Symptom anderer psychischer Erkrankungen ist.

Das gleiche Schicksal teilen andere sogenannte Verhaltenssüchte wie Sexsucht, Sportsucht, Arbeitssucht, Internet- oder Smartphonesucht. Die Liste ließe sich fast beliebig um weitere Verhaltensweisen verlängern. Allen gemein ist ihre Alltäglichkeit: Die Mehrzahl der Menschen geht einkaufen, treibt Sport oder nutzt das Internet, ohne dass dabei Probleme auftreten.

Akt des Kaufens als Stimmungsaufheller

Bei Betroffenen nimmt das Verhalten jedoch extreme Formen an. Bei einer Kaufsucht ist das Kaufverhalten nicht bestimmt von einem tatsächlichen Bedarf. Nicht die Benutzung oder der Besitz der Produkte steht im Vordergrund, sondern allein der Akt des Kaufens. Das Kaufverhalten wird vor allem durch negative Stimmungen wie Angst, Unruhe oder Langeweile ausgelöst. Das Aussuchen, Bestellen oder Kaufen von Produkten wird hingegen als anregend, entspannend oder befriedigend empfunden. Die Stimmung wird besser, Probleme werden ausgeblendet - zumindest kurzfristig.

Dennoch geht es Betroffenen nicht gut dabei. Denn sie leiden unter den negativen Konsequenzen. Sie beschäftigen sich immer wieder in Gedanken mit dem Kaufen und erleben einen starken inneren Zwang, Waren zu kaufen. Meist verfallen Betroffene kurz nach dem Kauf wieder in eine negative Stimmung und verspüren erneut den Drang zu kaufen. Dieser Kreislauf führt mittelfristig zu psychischen und sozialen Problemen. Zu den Konsequenzen des pathologischen Kaufverhaltens zählen unter anderem eine hohe Verschuldung sowie mitunter auch Beschaffungskriminalität wie Diebstahl, das Vortäuschen von Zahlungsfähigkeit oder das Bestellen auf fremde Namen.

Laut repräsentativen Umfragen ist bei etwa 7 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland von einem pathologisches Kaufverhalten auszugehen. Es zeigte sich, dass junge Erwachsene signifikant häufiger exzessiv einkaufen. Der Anteil Kaufsüchtiger ist unter Frauen und Männern gleich groß.

Häufig zusätzlich andere psychische Erkrankungen

Weil das exzessive Verhalten häufig gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen auftritt, ist seitens der Wissenschaft noch nicht geklärt, ob es sich bei Verhaltenssüchten tatsächlich um eigenständige Krankheiten handelt. So leiden Betroffene mit einem pathologischen Verhalten wie exzessives Kaufen oder Computerspielen häufig noch unter anderen psychischen Problemen wie Angststörungen oder Depressionen. Lediglich die Glücksspielsucht wird in offiziellen medizinischen Diagnosekatalogen als Krankheit aufgeführt.

Exzessives Verhalten könne daher auch als eine Art Selbstmedikation verstanden werden. Das Verhalten dient dann dazu, andere Probleme zu lindern. Die Kaufsucht wäre dann nur das Symptom einer anderen zugrundliegenden Erkrankung. Ebenso können die negativen Folgen des pathologischen Kaufverhaltens auch zur Entwicklung einer Depression oder einer Angststörung beitragen oder diese verstärken.

Vielleicht ist exzessives Verhalten in vielen Fällen auch nur eine vorübergehende Erscheinung. So würde das pathologische Verhalten nach einer Weile häufig von allein verschwinden. Deshalb kritisieren einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch die vorschnelle Benennung von neuen Verhaltenssüchten. Wendet man die Kriterien für eine Abhängigkeit auf verschiedene Verhaltensweisen an, so könne letztlich jedes exzessiv und mit Begeisterung ausgeführte Hobby als eine Sucht angesehen werden, sei es intensives Tangotanzen oder der Bau einer Modelleisenbahn.

Fazit

Es steht außer Frage, dass scheinbar harmlose Verhaltensweisen wie Kaufen sich zu Verhaltenssüchten entwickeln können und mitunter gravierende negative Auswirkungen auf die Betroffenen und ihr soziales Umfeld haben. Allerdings ist es nicht immer leicht und eindeutig zu unterscheiden, ob es sich um eine eigenständige Erkrankung handelt oder dem exzessiven Verhalten nicht doch andere Probleme zugrunde liegen.

Vielleicht handelt es sich auch nur um eine vorübergehende Erscheinung. Wenn sich aber negative Folgen einstellen oder es begleitende psychische oder soziale Probleme gibt, so ist es sinnvoll, eine persönliche Beratung aufzusuchen. Dies kann eine Beratungsstelle vor Ort sein oder auch die Online-Beratung, um das weitere Vorgehen abzuklären.

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