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Ecstasy kann langfristig Depressionen und Schlafstörungen nach sich ziehen

August 2016

Gut drauf mit Ecstasy? Für die Dauer des Konsums mag das stimmen. Doch was kommt danach? Folgt man den zahlreichen Studien zu diesem Thema, so können die Nachwehen des Konsums langfristig sein, mit Auswirkungen auf den Alltag der Betroffenen.

Junger Mann schaut müde nach unten

Bild: d+d / photocase.com

„Man öffnet sich nach außen hin, wird sehr extrovertiert, hat alle lieb, alle haben einen lieb“, erzählt Florian im drugcom-Video. Im Ecstasyrausch fühlte er sich glücklich. Er habe das Gefühl gehabt, wie auf einer Wolke zu schweben. „Aber die Woche drauf holt einen das eben ein“, ergänzt er. „Das Glück, das man am Wochenende verbraucht hat, das fehlt einem dann irgendwo und man ist depressiv, niedergeschlagen, unausgeglichen, müde, antriebslos.“

Was Florian erlebt hat, ist durchaus typisch für Ecstasykonsumierende. Erst kommt das Hoch, dann das Tief. Wenn am Wochenende im Exzess gefeiert wird und aufputschende Drogen konsumiert werden, wird der Körper einem enormen Stress ausgesetzt. Denn Ecstasy fügt dem Körper keine Energie zu, sondern bringt ihn dazu, seine Energiereserven auszubeuten.

Ecstasy leert Serotoninspeicher

Unter der akuten Wirkung von Ecstasy wird insbesondere der Hirnbotenstoff Serotonin verstärkt ausgeschüttet. Serotonin wird aus den Speichern der Nervenendigungen in den so genannten synaptischen Spalt frei gesetzt. Serotonin wandert in der Synapse zur nächsten Nervenzelle und löst dort einen elektrischen Impuls aus.

Nach der Signalübertragung wird Serotonin normalerweise wieder in seinen vorherigen Speicher aufgenommen, doch Ecstasy hemmt gleichzeitig die Wiederaufnahme. Serotonin ist somit viel länger im synaptischen Spalt aktiv. Die Nervenzelle, die das Serotoninsignal empfängt, feuert besonders intensiv. Konsumierende fühlen sich aktiviert und glücklich.

Ecstasy und Nervenschäden

Studien zufolge kann häufiger Ecstasykonsum jedoch Nervenschäden verursachen. Ein Forschungsteam der Universität Köln hat Ecstasykonsumierende zwei Mal im Abstand von einem Jahr untersucht. Wie sich zeigte, war das Gedächtnis der Konsumierenden schon ab etwa 10 Ecstasypillen im Jahr merklich verschlechtert.

Zusätzlich hat das Forschungsteam die Gehirne der Teilnehmenden mit Hilfe der Magnetresonanztomographie durchleuchtet. Eine bestimmte Hirnregion, die als Hippocampus bezeichnet wird, war bei den Ecstasykonsumierenden sichtbar weniger aktiv, als bei einer Vergleichsgruppe mit nur minimaler Ecstasyerfahrung. Der Hippocampus ist ein Areal, das für die Gedächtnisbildung eine wichtige Rolle spielt.

Große Studie zu Langzeitfolgen bei Ecstasykonsumierenden

Ecstasykonsum schlägt sich jedoch nicht nur in schlechteren Gedächtnisleistungen nieder, sondern hat auch Auswirkungen auf das Gemüt der Konsumierenden. Es braucht eine Weile, bis die Serotoninspeicher wieder aufgefüllt sind. Oft dauert es bis zu einer Woche, bis der Körper sich wieder erholt hat. Daher fühlen sich Konsumierende wie Florian nach dem Konsum auch eine Weile müde und antriebslos. Bei häufigem Konsum kann sich die Gemütslage jedoch dauerhaft verschlechtern, wie eine Studie der London Metropolitan University gezeigt hat.

An der Studie von Lynn Taurah und ihrem Team waren knapp 1.000 Personen beteiligt. Die Rekrutierung zur Studie war sehr aufwändig und hat fünf Jahre in Anspruch genommen. Die große Stichprobe war notwendig, weil das Team sechs unterschiedliche Gruppen gebildet hat, um den Einfluss von Ecstasy im Kontrast zu anderen Drogen ermitteln zu können.

Eine Gruppe bestand aus Personen, die aktuell Ecstasy und andere Drogen konsumierte. Die Personen einer zweiten Gruppe hatten ihren Ecstasykonsum bereits vor mindestens vier Jahren eingestellt. Hinzu kamen vier Kontrollgruppen, darunter Personen, die bislang ausschließlich Erfahrung mit Alkohol und Nikotin hatten und solche, die noch nie Alkohol getrunken oder Zigaretten geraucht haben. Die fünfte Gruppe hatte Erfahrung mit Cannabis, und die sechste Gruppe bestand aus Personen, die zwar andere illegale Drogen neben Cannabis, aber noch nie Ecstasy konsumiert hatte.

Alle Teilnehmenden der Studie absolvierten eine Reihe von Tests. Nach Angaben des Forschungsteam sei dies die bislang größte Studie, in der ein breites Spektrum an psychischen Auswirkungen des Ecstasykonsums überprüft wurde.

Depressionen und Schlaflosigkeit bei Ecstasykonsum

Die Ergebnisse lieferten ein klares Bild: Ecstasykonsumierende waren im Vergleich zu allen anderen Personen mit oder ohne Drogenkonsum stärker von Depressionen und Schlafproblemen betroffen. Die ermittelten Werte lagen in einem klinisch bedeutsamen Bereich, also außerhalb der normalen Schwankungen. Insofern dürften sich die Folgen des Ecstasykonsums negativ im Alltag bemerkbar machen.

Gedächtnisprobleme traten zwar ebenfalls auf, sie zeigten sich allerdings auch bei drogenerfahrenen Personen ohne Ecstasykonsum. Das Forschungsteam vermutet, dass die Kombination mehrere Substanzen ausschlaggebend sind.

Bemerkenswert sind die Ergebnisse der ehemaligen Ecstasykonsumierenden. Die Personen dieser Gruppe waren zwischen vier und neun Jahre abstinent, hatten also ausreichend Zeit, um sich vom Ecstasykonsum zu erholen. Sie waren jedoch fast im gleichen Maße von Depressionen und Schlafproblemen betroffen wie aktuell Konsumierende.

Je mehr Ecstasy, desto stärker die Symptomatik

Aus Sicht des Forschungsteams sprechen diese Ergebnisse dafür, dass Ecstasy langfristig Depressionen und Schlafprobleme auslösen kann. Einen Beweis kann das Forschungsteam jedoch nicht vorlegen. Denn es besteht die Möglichkeit, dass Ecstasykonsumierende generell verstärkt zu Depressionen und Schlafproblemen neigen, also schon vor der ersten Ecstasypille entsprechende Symptome zeigten.

Für eine ursächliche Wirkung des Ecstasykonsums spricht hingegen, dass eine Dosis-Wirkungs-Beziehung gefunden wurde: Je mehr Ecstasy eine Person in ihrem Leben konsumiert hatte, desto stärker ausgeprägt waren depressive Symptome und Schlafstörungen. Das bedeutet auch: Je früher Konsumierende aus dem Konsum aussteigen, umso wahrscheinlicher ist es, dass sie sich wieder vollständig von den gesundheitlichen Folgen erholen können.

Auch Florian war irgendwann an einen Punkt gekommen, an dem er die Nachteile des Konsums nicht mehr in Kauf nehmen wollte: „Irgendwann war der Spaß, den ich am Wochenende hatte, nicht mehr die Depression wert, die ich die Woche drauf hatte. Dann habe ich mir gesagt: ‚Ich hör auf damit‘. Mir persönlich hat sehr geholfen, Sport zu machen, regelmäßig viel Sport zu machen, dass man sich einfach so verausgabt, dass man abends k.o. ins Bett fällt und keinen Gedanken daran verschwendet, irgendwie etwas verpasst zu haben. Ich merke auf jeden Fall, dass ich ausgeglichener bin, dass meine Laune nicht mehr so schwankt. Ich muss sagen, ich bin sehr froh drüber.“

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