Drugcom: Topthema: Feiern bis der Arzt kommt

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Topthema

Feiern bis der Arzt kommt

März 2013

Wenn Ecstasy konsumiert wird, kommen in der Regel noch weitere Substanzen wie Alkohol oder Cannabis hinzu. Besonders auf Partys ist der Mischkonsum verbreitet. Der gleichzeitige Konsum verschiedener Drogen ist allerdings mit Risiken verbunden, die über das Gefahrenpotential der Einzelsubstanzen hinausgehen. Konsumierende spüren die Auswirkungen bis in ihren Alltag. In einem neuen drugcom-Video berichten zwei Partydrogenkonsumenten von ihren Erfahrungen.

Partydrogen

Bild: BZgA

Am Anfang war es für Florian noch ein „Riesenerlebnis“, Ecstasy zu nehmen. Doch schon innerhalb eines halben Jahres war es absolut normal, am Wochenende auf „chemischen Drogen“ zu feiern, Mischkonsum inklusive. „Ich habe exzessiv Mischkonsum betrieben“, berichtet Florian im drugcom-Video. „Also, es kann sehr gut vorkommen, dass man bis zu zehn verschiedene Drogen in einer Nacht, auf einer Party konsumiert hat.“

Für Lars war es ebenfalls völlig normal, beim Feiern Ecstasy und andere Drogen durcheinander zu werfen. Ecstasy, Kokain, LSD … Jede Droge hatte für ihn eine bestimmte Funktion, um wach zu bleiben, glücklich zu sein oder um noch mehr „grelle Farben“ zu sehen. „Ich konnte mir die Zustände aussuchen, die ich wollte“, erzählt Lars im Interview.

Depression in der Woche

Es sei wie eine Sucht gewesen, am Wochenende auf Drogen zu feiern, „weil ich eben happy war ohne Ende“, erklärt Lars. Sowohl Lars als auch Florian haben allerdings auch die Schattenseiten erlebt, die ausschweifendes Feiern mit chemischer Unterstützung mit sich bringt.

Bei Florian folgte auf das Hoch am Wochenende meist ein Tief in der Woche. Er fühlte sich niedergeschlagen, antriebslos und unausgeglichen. Lars ist nach einer Nacht mit Mischkonsum einmal im Krankenhaus aufgewacht. Damals hatte er sich eingeredet, dass er nur Pech mit verunreinigten Pillen hatte. Möglicherweise hatte er sogar Glück, denn der Cocktail aus verschiedenen Substanzen kann auch tödlich enden. Florian hat auch schon mal erlebt, wie jemand im Club gestorben ist.

Mischkonsum in der Forschung ein Störfaktor

Die gesundheitlichen Auswirkungen des Ecstasykonsums gelten inzwischen als gut belegt. Vor allem bei höheren Umgebungstemperaturen kann Ecstasy den Körper in gefährlicher Weise überhitzen. So sind zahlreiche Todesfälle dokumentiert, die auf Überhitzung zurückgeführt werden. In der Wissenschaft galt Mischkonsum dabei meist als „Störfaktor“, weil es den „reinen“ Effekt von MDMA, dem Wirkstoff der Ecstasypillen, verschleiert. Doch wenn Mischkonsum die Normalität ist, dann sind es nicht nur die Risiken der Einzelsubstanzen, sondern vor allem die Wechselwirkungen, die den Organismus belasten.

Zelltod durch Mischkonsum von Alkohol und Ecstasy

Eine besonders häufige Form des Mischkonsums dürfte der Konsum von Ecstasy und Alkohol sein. Alkohol ist legal erhältlich und viele Konsumierende scheinen Alkohol durchaus gezielt einzusetzen, um die euphorischen Effekte von MDMA zu verlängern.

Doch das Stimmungsdoping schlägt auf die Leber. Eine Forschungsgruppe aus Portugal hat nachweisen können, dass Ecstasy und Alkohol zusammen in stärkerem Maße zum Absterben von Leberzellen führen als die Einzelsubstanzen. Unter erhöhten Temperaturbedingungen hatte der Zelltod nach Angaben der Autorinnen und Autoren sogar „dramatisch“ zugenommen. Wer Alkohol und Ecstasy zusammen konsumiert und sich bei schweißtreibendem Tanzen verausgabt, riskiert somit in besonderem Maße, seine Leber dauerhaft zu schädigen.

Ecstasy und Alkohol bereits bei niedrigen Dosierungen giftig

Das Mischen von Alkohol und Ecstasy schädigt nicht nur die Leber, sondern auch das Gehirn. Ein spanisches Forschungsteam hat im Tierexperiment herausgefunden, dass die Kombination aus Alkohol und Ecstasy bereits bei niedriger Dosierung Nervenschäden im Bereich des Hippocampus hervorruft. Weder Alkohol noch Ecstasy alleine hätten bei dieser Dosierung Effekte gehabt. Die Auswirkungen zeigten sich auch im Verhalten der Tiere. Sie zeigten deutlich schlechtere Lernleistungen als Tiere einer Kontrollgruppe. Und wie ist es beim Menschen?

Die britische Forscherin Catharine Montgomery und ihr Kollege John Fisk konnten nachweisen, dass sich die Auswirkungen von Mischkonsum auch im Alltag der Betroffenen bemerkbar machen. Das Forschungsteam hat dazu zwei unterschiedliche Personengruppen in die Studie einbezogen, eine mit und eine ohne Ecstasyerfahrung. Sie sind der Frage nachgegangen, ob sich Gedächtnisprobleme und andere kognitive Fehlleistungen im Alltag von Konsumierenden bemerkbar machen. Zur Überprüfung der Selbstaussagen wurden zusätzlich noch Freunde und Angehörige der Versuchspersonen befragt.

Heraus kam, dass vor allem die Personen der Mischkonsumgruppe mit Ecstasyerfahrung häufiger Dinge verlegen, Verkehrsschilder übersehen oder Schwierigkeiten haben, einer Fernsehsendung zu folgen. Erstaunlicherweise deckten sich die Selbsteinschätzungen mit denen anderer. Die Betroffenen sind sich ihrer Fehlleistungen also durchaus bewusst.

Ecstasy und Cannabis

Eine weitere häufige Kombination ist der Mischkonsum von Ecstasy und Cannabis. Cannabis wird in diesem Zusammenhang konsumiert, um die unangenehmen Gefühle beim „Runterkommen“ abzumildern. Die Wissenschaft liefert sogar Hinweise, dass Cannabis das Gehirn in gewissem Umfang vor der giftigen Wirkung von Ecstasy schützen kann, da es die Überhitzung abmildern würde. Studien hatten aufgezeigt, dass Ecstasy vor allem bei hohen Temperaturen neurotoxisch wirkt.

In einem Laborversuch der Radboud Universität in den Niederlanden konnte jedoch nachgewiesen werden, dass die Körpertemperatur unter dem zusätzlichen Einfluss von THC - dem Hauptwirkstoff von Cannabis - langsamer wieder auf das Normalmaß zurückfällt, als wenn Ecstasy allein konsumiert wird. Beim Mischkonsum von THC und Ecstasy bleibt die Körpertemperatur also länger auf einem hohen Level. Die nervenschädigende Wirkung von Ecstasy hält länger an.

Letztendlich überwiegen die Risiken bei den Wechselwirkungen von Cannabis und Ecstasy, schlussfolgert eine Arbeitsgruppe um den renommierten Forscher Andy Parrot in einer Übersichtsarbeit zum Mischkonsum. Dies gilt vor allem dann, wenn exzessiv Mischkonsum betrieben wird.

So wird in Studien zu den Hirnleistungen deutlich, dass Konsumierende von Ecstasy und Cannabis stärker beeinträchtigt sind als jene, die nur Ecstasy oder nur Cannabis konsumieren. Dabei scheint es nicht unbedingt darauf anzukommen, welche Drogen konsumiert werden. Vielmehr scheint der Mischkonsum generell mit schlechteren kognitiven Leistungen zusammenzuhängen.

Hohe Belastung für den Kreislauf

Nicht nur das Gehirn ist betroffen. In der Studie der Radboud Universität hat sich gezeigt, dass der Puls beim Mischkonsum um durchschnittlich 60 Schläge pro Minute ansteigt. Dies könne für empfindliche Personen bereits riskant werden. Bei einer Versuchsperson wurde sogar ein kurzfristiger Anstieg auf über 180 Schläge pro Minute gemessen, was in etwa der Pulsfrequenz eines Tour-de-France-Fahrers beim Berganstieg entspricht.

Darüber hinaus belastet der kombinierte Konsum von Ecstasy und Cannabis stärker das Immunsystem. Der Körper wird somit anfälliger für Infektionskrankheiten.

Serotonin-Syndrom durch Stimulanzien

Der Organismus wird besonders stark belastet, wenn zusätzlich zum aufputschenden Ecstasy noch Stimulanzien wie Kokain oder Amphetamine konsumiert werden. Dabei kann sich ein so genanntes Serotonin-Syndrom entwickeln. Serotonin ist ein wichtiger Neurotransmitter mit vielfältigen Aufgaben. Die euphorischen Gefühle beim Ecstasykonsum werden vor allem auf die erhöhte Ausschüttung von Serotonin zurückgeführt.

Wenn die Serotoninausschüttung zu stark angeregt wird, fühlen sich Betroffene ruhelos, sind verwirrt oder desorientiert. Das Herz beginnt zu rasen, Blutdruck und Körpertemperatur steigen an. Die Betroffenen drohen ins Koma zu fallen. Im schlimmsten Falle kann ein Serotonin-Syndrom tödlich enden.

Der zusätzliche Konsum von Stimulanzien ist auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für psychotische Symptome wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen verbunden. Psychische Probleme wie Angststörungen und Depressionen sind ebenfalls weiter verbreitet bei Konsumentinnen und Konsumenten, die auf ein größeres Drogenrepertoire zurückgreifen.

Fazit

Wer Ecstasy mit anderen Drogen wie Alkohol, Cannabis oder Stimulanzien kombiniert, geht ein hohes gesundheitliches Risiko ein. Studien legen nahe, dass sich die Risiken der Einzelsubstanzen nicht einfach nur addieren, sondern es zu Wechselwirkungen kommt, die mitunter sogar tödlich sein können.

Dennoch ist der Mischkonsum in der Party-Szene häufig anzutreffen. Früher oder später bekommen die meisten Konsumierenden jedoch die Folgen exzessiven Mischkonsums zu spüren. Kognitive Probleme und Depressionen können den Alltag belasten. An diesem Punkt haben viele den Wunsch, aus dem Konsum wieder auszusteigen. Dies ist aber nicht immer leicht wie Lars im drugcom-Video feststellt: „Das ganz normale Leben, das kommt dir schwierig vor, du musst das wieder lernen.“

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