Drugcom: Topthema: Trügerischer Weckeffekt

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Topthema

Trügerischer Weckeffekt

Juli 2013

Speed. Die Droge geht ab wie die Post. Puls und Blutdruck steigen, Hunger und Durst verschwinden, Müdigkeit verfliegt. Und wie sieht es mit der Fahrtüchtigkeit aus? Manche Konsumierende fühlen sich nach dem Konsum von Speed hellwach, obwohl sie schon die ganze Nacht getanzt und Alkohol getrunken haben. Doch die aufputschende Wirkung kann trügerisch sein.

Mann schüttet am Waschbecken Wasser ins Gesicht

Bild: chriskuddl | ZWEISAM / photocase.com

„Pille palle, alle pralle, druff, druff, druff, druff, druff“. Unzweideutig handelt der Song „3 Tage wach“ von Lützenkirchen vom Feiern auf Ecstasy, Speed & Co. Zweifelsohne haben Amphetamine je nach Dosierung einen erheblichen Weckeffekt auf den Organismus. Anregende Botenstoffe wie Dopamin oder Noradrenalin werden vermehrt ausgeschüttet. Der Körper wird auf eine erhöhte Leistungsfähigkeit vorbereitet.

Mitunter verleitet der Weckeffekt von Stimulanzien wie Speed, Crystal Meth oder MDMA Konsumierende dazu, sich nach der Party ans Steuer zu setzen, weil sie sich wach fühlen. Aber ist das tatsächlich so? Können Stimulanzien die durch Schlafmangel und Alkoholkonsum bedingte Müdigkeit völlig wettmachen?

Doping im Cockpit

Bekannt ist, dass sich Soldaten im Zweiten Weltkrieg mit Amphetaminen gedopt haben. 1991 erhielten US-Kampfflieger im Krieg gegen den Irak offiziell die Erlaubnis, sich mit Amphetaminen aufzuputschen. In einer Befragung gaben 65 Prozent von ihnen an, dies getan zu haben, und zwischen 58 und 61 Prozent bewerteten den Gebrauch als vorteilhaft für ihren Einsatz. Und was für Jet-Piloten gilt, kann doch für Autofahrerinnen und -fahrer nicht schlecht sein, oder?

Die gesetzlichen Vorgaben hierzu sind in Deutschland eindeutig: Generell ist das Fahren unter dem Einfluss von Amphetaminen laut § 24a des Straßenverkehrsgesetzes (StVG) verboten. Wer mit berauschenden Mitteln im Blut erwischt wird, muss damit rechnen, den Führerschein zu verlieren. Um den „Lappen“ wieder zu bekommen, muss in der Regel eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) erfolgreich absolviert werden. Diese ist allerdings mit hohen Kosten verbunden, und viele der Betroffenen fallen beim ersten Mal durch (siehe auch Video „Cannabis und Straßenverkehr“).

Europaweite Studie

Ob und wie sich Stimulanzien tatsächlich auf die Fahrtüchtigkeit auswirken, wurde im Rahmen einer groß angelegten europäischen Forschungsstudie unter dem Titel Driving under the Influence of Drugs, Alcohol and Medicines (DRUID) untersucht . In mehreren Einzelstudien wurde erforscht wie sich Amphetamine und der kombinierte Konsum von Stimulanzien und Alkohol auf die Fahrtüchtigkeit auswirken.

Eingeschränkt positive Wirkung

Eine Forschungsgruppe um Jan Ramaekers von der Universität Maastricht fanden Belege dafür, dass Stimulanzien die Leistungsfähigkeit beim Autofahren nur geringfügig verbessern konnten. Getestet wurden die Amphetamine Metylphenidat und MDMA. In dem Test wurden Versuchspersonen unter anderem instruiert, möglichst gleichmäßig einer Spur zu folgen. Beim Geradeausfahren pendelt das Auto meist ein wenig um die Ideallinie. Die Stärke der Pendelbewegung gibt Auskunft über das Fahrvermögen.

Typisch für den Konsum von Alkohol ist, dass betroffene Personen Schwierigkeiten haben, die Spur zu halten, sprich: sie fahren Schlangenlinien. Für den Konsum von MDMA und Amphetaminen konnte für diese Art von Test hingegen ein leichter Leistungszuwachs ermittelt werden. Die Testpersonen blieben stur in der Spur. Im Vergleich zu nüchternen Personen betrug die Verringerung der Pendelquote jedoch lediglich 2 cm.

Studienleiter Jan Ramaekers und sein Team kommen zu dem Schluss, dass Amphetamine die Fahrleistungen zwar in bestimmten Bereichen verbessern können. Dies bedeute allerdings nicht, dass Amphetamine generell die Fahrtüchtigkeit erhöhen. Denn andere kognitive Funktionen wie das Arbeitsgedächtnis oder die Wahrnehmung von Bewegungen würden durch Amphetamine beeinträchtigt.

Einschränkend kommt hinzu, dass aus ethischen Gründen in der Regel nur vergleichsweise niedrige Dosen Amphetamin im Rahmen von wissenschaftlichen Studien verabreicht werden. Bekannt ist aber, dass auf Partys oftmals größere Mengen konsumiert werden, was entsprechend stärker unerwünschte Wirkungen wie starke Unruhe oder sogar psychotische Symptome nach sich ziehen kann.

Mischkonsum mit Alkohol

Wer Amphetamine im Rahmen von Partys konsumiert, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zusätzlich weitere psychoaktive Substanzen wie Alkohol zu sich nehmen. Im Rahmen des DRUID-Projekts wurde daher in zwei Teilstudien untersucht, wie sich der Mischkonsum von Amphetaminen mit Alkohol auf die Fahrtüchtigkeit auswirkt.

Zuvor wurde in beiden Studien überprüft, welchen Einfluss Alkohol auf das Fahrverhalten der Testpersonen hat. Zwischen 0,9 und 0,3 Promille Alkohol hatten sie zu Beginn der Tests im Blut. In der Simulation saßen die Probandinnen und Probanden entweder in einem echten PKW, der an einen Computer angeschlossen war oder in einem Simulator, der dem Autocockpit nachempfunden war. Das Sichtfeld wurde vollständig von einer Leinwand abgedeckt. Das Fahrgefühl im Simulator war somit vergleichsweise nah an der Realität.

Wie zu erwarten war, nahm die Kontrolle über das Auto unter dem Einfluss von Alkohol deutlich ab. Dies zeigte sich sowohl in starken Pendelbewegungen als auch in der gestiegenen Bereitschaft zu riskanten Fahrmanövern.

Keine Verbesserung durch Stimulanzien

Die zusätzliche Gabe von Amphetamin oder MDMA hatte keine signifikante Verbesserung der Fahrleistungen erbracht. Das bedeutet: Auch wenn Personen subjektiv den Eindruck haben, wach zu sein, bleiben die motorischen und kognitiven Fähigkeiten durch den Alkoholkonsum beeinträchtigt.

In der Realität kommt es zudem darauf an, wie die Person sich selbst einschätzt, weil davon abhängt, ob sie sich das Fahren noch zutraut oder nicht. Hierbei zeigte sich, dass die Versuchspersonen sich deutlich überschätzen. Sie bewerteten ihr Fahrvermögen unter dem Einfluss von Alkohol und MDMA nur geringfügig schlechter als wenn sie nüchtern gewesen wären. Das subjektive Gefühl, nach dem Konsum von Stimulanzien wieder wach zu sein, könnte Konsumierende somit dazu verleiten, sich ans Steuer zu setzen, obwohl ihr Fahrvermögen in Wirklichkeit stark eingeschränkt ist.

Schlafmangel wie 0,8 Promille Alkohol

Neben dem Konsum von Alkohol und Drogen spielt Schlafentzug ebenfalls eine bedeutsame Rolle bei der Bewertung der Fahrsicherheit. Denn Müdigkeit kann die Fahrtüchtigkeit mitunter erheblich einschränken. Ist der Weckeffekt von Amphetaminen stark genug, um die Fahrtüchtigkeit bedeutsam zu verbessern?

Diese Frage wurde in zwei Studien untersucht, in denen der Einfluss von Amphetamin und MDMA in unterschiedlichen Dosierungen untersucht wurde. Deutlich wurde, dass Müdigkeit teilweise denselben Effekt hatte wie 0,8 Promille Alkohol oder mehr. Weder Amphetamin noch MDMA konnten die durch Schläfrigkeit stark eingeschränkte Fahrtüchtigkeit verbessern. Auch bei den höchsten Dosierungen dieser Drogen zeigte sich kein bedeutsamer Effekt.

In der Studie von Janet Bosker und ihrem Team mussten einige Durchläufe sogar vorzeitig abgebrochen werden, da die Tests unter realen Bedingungen im Straßenverkehr stattfanden und das Fahrvermögen teilweise so stark eingeschränkt war, dass die Instruktoren aus Sicherheitsgründen in den Versuch eingreifen mussten.

Fazit

Das Fahren unter dem Einfluss von berauschenden Substanzen ist nach dem Straßenverkehrsgesetz (StVG) generell verboten. Amphetamine können zwar subjektiv das Gefühl vermitteln, wach zu sein, doch der Eindruck ist trügerisch.

Im Rahmen der europaweiten DRUID-Studie wurde in mehreren Teilstudien nachgewiesen, dass der Konsum von Stimulanzien weder die beeinträchtigende Wirkung von Alkohol noch die durch den Schlafmangel verminderte Fahruntüchtigkeit vollständig ausgleichen kann.

Deutlich wurde zudem, dass Autofahrerinnen und -fahrer ihre eigene Fahrtüchtigkeit in der Regel überschätzen, wenn sie Stimulanzien konsumieren. Wer sich dennoch ans Steuer setzt, gefährdet sich selbst und andere. Eine Schlussfolgerung der DRUID-Studie lautet: Das Verletzungsrisiko steigt extrem an, wenn Drogen mit Alkohol kombiniert werden, vergleichbar einem Promillewert von 1,2 oder höher.

Quellen:

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