Drugcom: Topthema: Flashbacks durch Halluzinogene

Kopfbereich mit Suchfeld

Sprung zum Menü „Die Drogen“

Sprung zum Aktionsbereich

Sprung zum Inhaltsbereich

Sprung zur Fusszeile

Sprung zum Aktionsbereich

Sprung zum Inhaltsbereich

Sprung zur Fusszeile

Sprung zum Inhaltsbereich

Sprung zur Fusszeile

Hauptinhaltsbereich

Sprung zum Seitenanfang

Sie befinden sich auf der Seite:

home > topthema > topthema vom oktober 2014

Topthema

Flashbacks durch Halluzinogene

Oktober 2014

Extrem leuchtende Farben. Tapetenmuster, die zu pulsieren scheinen. Halluzinogene wie LSD oder Pilze können ungewöhnliche Wahrnehmungsstörungen erzeugen. Manchmal treten visuelle Effekte jedoch noch Tage oder Wochen später auf, wenn die Wirkung längst verflogen ist. Dann spricht man vom Flashback. Nicht immer sind klassische Halluzinogene die Ursache.

Einzelbilder von springendem Snowboardfahrer

Halluzinogene können einen visuellen Effekt bewirken, bei dem ein sich bewegendes Objekt Einzelbilder zu erzeugen scheint.
Bild: © istock.com / dennisvdw

„Alles in meinem Gesichtsfeld schwankte und war verzerrt wie in einem gekrümmten Spiegel.“ Der Chemiker Albert Hofmann hatte 1943 erstmals die halluzinogenen Eigenschaften von LSD entdeckt und später in seinem Buch „LSD - mein Sorgenkind“ beschrieben. Bereits 1938 hatte er die Substanz hergestellt, aber zunächst für uninteressant befunden. Einer „merkwürdigen Ahnung“ nach hatte er Jahre später erneut LSD im Labor synthetisiert. Plötzlich fühlte er sich unwohl, fuhr nach Hause und hatte seltsame Visionen.

Albert Hofmanns Selbstversuch

Hofmann vermutete, dass er unbeabsichtigt etwas von der Substanz, mit der er hantiert hatte, aufgenommen haben muss. Um seine Vermutung zu überprüfen, nahm er 0,25 Milligramm LSD ein. Diese Menge erschien ihm als die kleinste Dosis, bei der noch eine spürbare Wirkung zu erwarten war. Heute weiß man, dass er ein Vielfaches der wirksamen Dosis einnahm.

Entsprechend heftig waren die Auswirkungen. Hofmann hatte zum Teil äußerst bedrohliche Sinnestäuschungen und erlebte Todesangst. Er beschrieb auch die für Halluzinogene typischen visuellen Wahrnehmungsveränderungen: „Kaleidoskopartig sich verändernd, drangen bunte, phantastische Gebilde auf mich ein, in Kreisen und Spiralen sich öffnend und wieder schließend, in Farbfontänen zersprühend, sich neu ordnend und kreuzend, in ständigem Fluß.“

Flashbacks seit den 1950er Jahren bekannt

Alle Substanzen, die als Halluzinogene bezeichnet werden, haben mehr oder weniger stark ähnliche Wirkungen auf die visuelle Wahrnehmung: Farben werden intensiver wahrgenommen, unbewegte Dinge scheinen in Bewegung zu geraten, sich bewegende Objekte erzeugen Nachbilder, Geräusche lösen Farbwahrnehmungen aus. Derartige Effekte sind beispielsweise auch von halluzinogenen Pilzen bekannt.

In der Regel verschwinden derartige Symptome mit dem Abklingen der Wirkung. In manchen Fällen können Tage, Wochen oder sogar Monate später ähnliche Symptome auftreten. Umgangssprachlich ist von Flashbacks die Rede, wenn sich ohne akute Drogenwirkung halluzinogene Effekte einstellen. Die ersten Berichte über Flashbacks stammen aus den 1950er und 1960er Jahren. Bis heute ist über die tatsächliche Verbreitung allerdings wenig bekannt.

Häufige Effekte unter Flashbacks

Die meisten Informationen über Flashbacks basieren auf Fallberichten oder Befragungen von Betroffenen. 2011 wurden die Ergebnisse einer Online-Befragung veröffentlicht, die auf der Website erowid.org durchgeführt wurde. 2.455 Drogenkonsumierende haben daran teilgenommen und Angaben dazu gemacht, wie oft und welche ungewöhnlichen visuellen Erfahrungen sie schon einmal ohne akute Drogeneinwirkung gemacht haben. Die meisten der Teilnehmenden konsumierten außer Cannabis noch Halluzinogene wie Psilocybin-Pilze, Salvia divinorum, LSD oder Ketamin.

61 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal Flashbacks erlebt zu haben. Die visuellen Störungen entsprachen grundsätzlich denen, die auch unter der akuten Wirkung von Halluzinogenen auftreten. Am häufigsten war die Wahrnehmung von scheinbar sich bewegenden Dingen. Etwa ein Drittel der Befragten hat schon einmal erlebt, wie ein Objekt sich langsam zu bewegen scheint oder anfängt zu pulsieren, zu wachsen oder zu schrumpfen.

Ein Flashback kann auch dadurch gekennzeichnet sein, dass die Wahrnehmung von Farben oder Formen verändert ist. Farben scheinen plötzlich zu leuchten, Licht wird als besonders grell empfunden oder es bilden sich geometrische Muster, beispielsweise auf einer weißen Tapete.

Ein anderes Phänomen, das 22 Prozent der Befragten schon einmal erlebt hatten, ist das Sehen von Nachbildern bei sich bewegenden Objekten. Dabei hat es den Anschein, als wenn Fotos in schneller Folge gemacht werden und wie Standbilder kurz verharren. Ebenso viele fühlten sich schon mal stärker von oszillierendem Licht wie dem von Leuchtstoffröhren oder Fernsehern gestört.

Andere hatten schon einmal den Eindruck, als wenn Personen von einer Art Leuchten umgeben sind. Dies traf auf 21 Prozent der Befragten zu. Seltener kam es zu dem Effekt, dass bewegte Objekte unbewegt zu sein schienen oder Gegenstände oder Lebewesen gesehen wurden, die in Wirklichkeit nicht da waren.

In welchem Maße diese Ergebnisse für andere Drogenkonsumierende gelten, ist zwar unklar, deutlich wurde durch die Befragung allerdings, dass Flashbacks oder zumindest bestimmte visuelle Wahrnehmungsstörungen durchaus verbreitet zu sein scheinen unter Personen, die halluzinogene Drogen konsumieren.

Störungen im Serotonin-Haushalt

Halluzinogene Drogen wie LSD oder psilocybinhaltige Pilze sprechen vor allem das Serotonin-System im Gehirn an. In einem aktuellen Review kommen Remco Westerink und sein Team zu der Schlussfolgerung, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zu einer sensorischen Störung im Auge, sondern zu Problemen bei der Verarbeitung visueller Informationen im Gehirn kommt. Für eine korrekte Wahrnehmung ist nicht nur die Aktivierung von Serotoninrezeptoren erforderlich, sondern gleichzeitig auch die Hemmung bestimmter nervöser Prozesse, bei denen der Neurotransmitter GABA beteiligt ist. Unter dem Einfluss von Halluzinogenen scheint die Balance zwischen den aktivierenden und hemmenden Prozessen zumindest zeitweilig verloren zu gehen.

Westerink und sein Team weisen zudem darauf hin, dass nicht nur die klassischen Halluzinogene eine derartige Wirkung haben. Auch MDMA, bekannt als Ecstasy, könne die neuronale Verarbeitung visueller Informationen stören. Dies gehe vermutlich darauf zurück, dass Ecstasy ebenfalls die Ausschüttung von Serotonin anregt. So hätten Studien mit Ecstasykonsumierenden nachweisen können, dass auch sie von Flashbacks betroffen sind. Beispielsweise haben 16 Prozent der Teilnehmenden in der Online-Befragung auf erowid.org angegeben, in der Woche vor dem Flashback MDMA konsumiert zu haben.

Allerdings bekommen längst nicht alle Personen, die Halluzinogene oder Ecstasy konsumieren, Flashbacks. Offenkundig sind noch andere Faktoren an der Entstehung von Flashbacks beteiligt. Auffällig sei, erklären Westerink und sein Team, dass Flashbacks gehäuft bei Personen auftreten, die zusätzlich unter Angststörungen, Aufmerksamkeitsproblemen oder Depersonalisation leiden. Letzteres ist ein Phänomen, bei dem das eigene Denken und Erleben als fremd oder unwirklich erlebt wird.

Offizielle Diagnose

Das Flashback-Phänomen hat inzwischen den Rang einer offiziellen Diagnose. Im amerikanischen Diagnosesystem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) wird es als Hallucinogen Persisting Perception Disorder (HPPD) bezeichnet. Übersetzt lautet es Fortbestehende Wahrnehmungsstörung nach Halluzinogengebrauch. Für die Diagnose HPPD reicht das bloße Auftreten der genannten Wahrnehmungsstörungen allerdings nicht aus. Die Belastung durch visuelle Störungen muss hoch sein und das normale Alltagsleben erheblich beeinträchtigen.

Interessanterweise scheint bei vielen Betroffenen mit derartigen Wahrnehmungsstörungen die Belastung aber eher moderat zu sein. In der erwähnten Online-Befragung gaben nur 4 Prozent der Teilnehmenden an, die visuellen Veränderungen als so stark belastend empfunden zu haben, dass sie darüber nachdachten, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. In den meisten Fällen scheinen Flashbacks somit eher lästig als belastend zu sein.

Auslöser

Es gibt allerdings auch dokumentierte Einzelfälle, in denen es noch Monate nach dem letzten Konsum von Halluzinogenen zu belastenden Flashbacks gekommen ist. Einem Fallbericht zufolge hatte ein 18-Jähriger einmalig 40 Psilocybin-Pilze gegessen und erlebte in den folgenden acht Monaten teils heftige und beängstigende Flashbacks mit Depersonalisation. Die Symptome wurden meist in dunkler Umgebung schlimmer und traten besonders nach Sonnenuntergang auf.

Nachdem er seinen Cannabiskonsum eingestellt hatte, nahmen die Flashbacks zunächst ab, traten dann aber sechs Monate später wieder auf. Erst nach einer medikamentösen Behandlung mit Neuroleptika und Antidepressiva über einen Zeitraum von sechs weiteren Monaten nahmen die Symptome endgültig ab.

Nicht nur Dunkelheit, auch der Konsum von psychoaktiven Substanzen wie Alkohol oder Cannabis können Flashbacks auslösen. Ebenso können akute Angstzustände, starke Müdigkeit und anderer Stress das erneute Aufflackern visueller Störungen provozieren. Vor allem erneuter Konsum von Halluzinogenen erhöht das Risiko, Flashbacks in der Woche danach zu bekommen.

Quellen:

0 Kommentare

Um Kommentare schreiben zu können, muss du dich anmelden oder registrieren.


Frühere Topthemen:


Archiv früherer Topthemen


Weiteres zum Thema auf drugcom.de

News

Topthemen

weitere verwandte Artikel

zum Seitenanfang

Über uns | Kontakt | Newsletter | Downloads | Materialien | Sitemap | Impressum | Datenschutz | Gebärdensprache

.