Drugcom: Topthema: Blackout durch Alkohol

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Topthema

Blackout durch Alkohol

Dezember 2014

Wie bin ich denn hierhergekommen? Wenn nach durchzechter Nacht die Erinnerung an dieselbe fehlt, dann spricht man von einem Blackout, auch bekannt als Filmriss. Was passiert eigentlich bei einem Blackout? Und gibt es eine bestimmte Trinkmenge, ab der ein Blackout eintritt?

Mann hält sich Hand an den Kopf mit schmerzverzerrtem Gesicht

Bild: © istock.com / druvo

Das Hotelzimmer ist völlig verwüstet. Ein Huhn läuft gackernd über den Flur und im Bad sitzt ein Tiger. Nach dem Aufwachen fehlt den ziemlich verkatert wirkenden Männern im US-Spielfilm „Hangover“ jede Erinnerung an die gestrige Nacht. Offenkundig hatten sie einen Blackout. Von Alkohol und bestimmten Drogen wie GHB, Ketamin oder Rohypnol ist bekannt, dass sie einen Blackout erzeugen können. Aber was passiert eigentlich bei einem Blackout?

Gehirn nur teilweise außer Gefecht

Glücklicherweise endet nicht jeder Blackout derart katastrophal wie in „Hangover“. Tatsache ist aber, dass sich Betroffene bei einem durch Alkohol erzeugten Blackout meist - den Umständen entsprechend - noch unterhalten und bewegen können. Die Person kann sich hinterher nur nicht mehr daran erinnern. So kann es vorkommen, dass man plötzlich an einem Ort aufwacht, von dem man nicht weiß, wie man dort hingekommen ist. Das Gehirn wird bei einem Blackout also nicht vollständig, sondern nur in Teilen außer Gefecht gesetzt. In erster Linie betrifft es das so genannte episodische Gedächtnis, das Informationen über Ort, Zeit und andere kontextbezogene Dinge miteinander verknüpft.

Lange Zeit ging man in der Wissenschaft davon aus, dass Alkohol generell alle neuronalen Aktivitäten im Gehirn hemmt. Demnach wäre ein Blackout schlicht nur eine extreme Form der dämpfenden Alkoholwirkung. Doch mittlerweile ist aufgrund der modernen Hirnforschung mehr über das Phänomen Blackout bekannt. Ein südkoreanisches Forschungsteam hat die Forschungsergebnisse der letzten vier Jahrzehnte hierzu gesichtet und zusammenfassend ausgewertet.

Unterschiedliche Blackouts

Die Tatsache, dass wir uns etwas merken können, erfordert genau genommen drei kognitive Prozesse. Zunächst erfolgt die so genannte Enkodierung: Neue Information wird vom Gehirn registriert und interpretiert. Danach erfolgt die dauerhafte Speicherung im Langzeitgedächtnis. Um sich an etwas zu erinnern, muss die Information schließlich noch abgerufen werden.

Bei einem sogenannten „En bloc“-Blackout, einem totalen Gedächtnisverlust für eine bestimmte Episode, wird bereits die erste Phase der Gedächtnisbildung, also die Einspeicherung, gestört. Bei einem fragmentierten Gedächtnisverlust können sich Personen später noch an Details erinnern, wenn man ihnen Hinweise gibt oder sie sich an den Ort des Geschehens zurückbegeben. Bei einem durch Alkohol erzeugten Blackout ist dies oft nicht mehr möglich, da das Erlebte nicht abgespeichert wurde - als wenn die betreffende Episode nie stattgefunden hätte.

Fehlfunktion im Hippocampus

Und was passiert im Gehirn? Die Hirnforschung konnte aufzeigen, dass die Gedächtnisbildung in erster Linie im so genannten Hippocampus erfolgt, der sich im Bereich des Temporallappens befindet. Aufgrund von Tierexperimenten ist bekannt, dass hohe Mengen Alkohol Fehlfunktionen im Hippocampus verursachen, mit dem Effekt, dass keine Informationen gespeichert werden. Forscher der Universität Washington haben im Tiermodell zeigen können, dass Alkohol im Hippocampus bestimmte Rezeptoren blockt, andere wiederum aktiviert. Im Ergebnis wird die so genannte Langzeitpotenzierung gestört. Die Langzeitpotenzierung ist ein Prozess, bei dem die Verbindung zwischen Neuronen gestärkt wird und die Bildung des Langzeitgedächtnisses ermöglicht.

Besonders häufiges Rauschtrinken kann schließlich auch zu Schäden am Hippocampus führen. Insbesondere wenn sich Jugendliche häufig betrinken, kann ihr Gehirn Schaden nehmen. Die Folge: Das Lernen kann dauerhaft beeinträchtigt sein.

Erhöhte Unfallgefahr

Durch den erhöhten Alkoholkonsum ist aber nicht nur das Gehirn in Gefahr. Personen, die einen Blackout haben, sind zwar noch eingeschränkt handlungsfähig, sie haben aber ein erhöhtes Unfallrisiko, wie in einer Studie der University of Wisconsin-Madison in den USA nachgewiesen werden konnte. Über einen Zeitraum von zwei Jahren verfolgten Studienleiter Marlon Mundt und sein Team das Trinkverhalten von über 900 Studierenden. Zu Beginn der Studie wurde erhoben, wie oft sich die Studierenden betrinken und wie häufig sie schon einen Blackout hatten. Zwei Jahre später zeigte sich, dass Studierende, die besonders häufig Blackouts hatten, ein fast 3-fach erhöhtes Risiko für Unfälle hatten, die direkt eine Folge des Alkoholkonsums waren.

Risiko für Blackout individuell unterschiedlich

Auf die Frage, ab welcher Menge Alkohol ein Blackout für gewöhnlich auftritt, kann die Forschung bislang noch keine eindeutige Antwort geben. So gibt es keine Trinkmenge, ab der auf jeden Fall ein Blackout eintritt. Sogar bei ein und derselben Person kann die Menge, die zu einem Blackout führt, erheblich schwanken. Die Forschung konnte aber aufzeigen, dass das Risiko für einen Blackout besonders dann hoch ist, wenn in kurzer Zeit hohe Mengen Alkohol getrunken werden - vor allem, wenn es sich um Hochprozentiges handelt.

Es gibt auch Menschen, die trotz Rauschtrinken noch nie einen Blackout hatten, was dafür spricht, dass auch genetische Unterschiede hierfür verantwortlich sind. So konnte in einer Studie experimentell nachgewiesen werden, dass Personen, die in der Vergangenheit Blackouts hatten, generell stärker unter Erinnerungslücken leiden, selbst wenn sie moderat Alkohol trinken, als Personen, die selten oder nie Blackouts haben.

Anzeichen für problematischen Konsum

Früher ging man davon aus, dass Blackouts nur bei Alkoholabhängigkeit vorkommen, doch mittlerweile ist bekannt, dass Blackouts durchaus verbreitet sind und meist ein Zeichen für exzessiven Konsum sind. Generell gelten häufige Blackouts aber auch als Zeichen für problematischen Alkoholkonsum. Denn gesunde Menschen stellen nach einem Blackout ihr Trinkverhalten um bzw. vermeiden es, wieder einen Blackout durch exzessives Trinken zu provozieren.

Fazit

Es ist unmöglich vorherzusagen, ob jemand einen Blackout nach Alkohol bekommt. Es gibt keine bestimmte Trinkmenge, aber der ein Blackout sicher einsetzt. Generell gilt jedoch Rauschtrinken und vor allem das schnelle Trinken von Hochprozentigem als Risiko für einen Filmriss. Und wer schon einmal einen Blackout hatte, ist möglicherweise generell gefährdet, einen Blackout durch Alkohol zu bekommen.

Quellen:

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