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Warum Rauchen so schnell abhängig macht

Februar 2018

Meist reicht eine einzige Zigarette und der Grundstein für eine Abhängigkeit ist gelegt. Wie entsteht eigentlich eine Tabakabhängigkeit? Und warum geht das so schnell?

Brennendes Streichholz "zündet" aufgemalte Zigarette an

Bild: David-W / photocase.de

Einmal ist keinmal, lautet ein bekanntes Sprichwort. Doch beim Rauchen kann einmal bereits zu viel sein. Es mag dem Einen oder der Anderen schwer fallen sich vorzustellen, dass schon eine Zigarette abhängig macht. Doch die Forschung zeigt: Von drei Menschen, die zum ersten Mal eine Zigarette probieren, werden zwei später täglich rauchen.

Zu dieser Einschätzung kommen Studienleiterin Joanna Miler und ihr Team in einer kürzlich veröffentlichten Meta-Analyse. Das Forschungsteam hat alle repräsentativen Befragungen aus dem englischsprachigen Raum zusammengefasst, in denen Angaben zu folgenden zwei Fragen enthalten waren: Haben Sie jemals eine Zigarette probiert? Haben Sie jemals täglich geraucht?

Sieben Einzelstudien wurden zusammengefasst. Die Gesamtstichprobe umfasste über 200.000 Personen. In den Einzelstudien lag die niedrigste Rate der Personen, die sich nach ihrer ersten Zigarette zu täglich Rauchenden entwickelt hat, bei 50 Prozent, die höchste betrug 82 Prozent. Durchschnittlich gehen 69 Prozent aller Menschen, die jemals eine Zigarette probiert haben, später zu einem täglichen Konsummuster über. Zigaretten verfügen somit über ein sehr hohes Abhängigkeitspotential. Warum ist das so?

Je früher der Einstieg, desto höher das Abhängigkeitsrisiko

Tatsache ist, dass die meisten Raucherinnen und Raucher bei ihrer ersten Zigarette im Jugendalter waren. Und in der Forschung finden sich Belege dafür, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Abhängigkeit umso größer ist, je jünger Raucherinnen und Raucher bei ihrer ersten Zigarette sind. Einen Beleg dafür liefert eine Studie aus den USA, an der 244 eineiige Zwillinge teilgenommen haben.

Das Besondere an der Zwillingsstichprobe war: Einer der beiden Zwillinge hatte im Schnitt vier bis fünf Jahre vor dem Bruder oder der Schwester mit dem Rauchen begonnen. Alle Teilnehmenden füllten Fragebögen aus, mit denen die Stärke der Nikotinabhängigkeit gemessen werden kann. Dabei zeigte sich, dass die Früheinsteiger unter den Zwillingen ein deutlich stärkeres Verlangen nach Zigaretten aufwiesen als ihre Geschwister. Studienleiter Kenneth Kendler und sein Team gehen daher davon aus, dass Nikotin direkt auf die Gehirnentwicklung Jugendlicher Einfluss nimmt.

Gehirnentwicklung durch Rauchen beeinflusst

Denn in der Pubertät findet ein fundamentaler Umbau im Gehirn statt. Neue Nervenverbindungen werden aufgebaut und nicht mehr benötigte abgebaut. Ähnlich wie ein Fußabdruck auf frisch gegossenem Asphalt können Erfahrungen in dieser Phase einen prägenden Einfluss auf die Hirnstruktur haben. Rauchen scheint so eine prägende Erfahrung zu sein.

So hat ein Forschungsteam der University of California in den USA mit Hilfe der Magnetresonanztomografie nachweisen können, dass eine bestimmte Hirnregion bei rauchenden Jugendlichen dünner ist als bei nicht rauchenden. Die als Inselcortex bezeichnete Hirnregion war umso dünner, je mehr die Jugendlichen rauchten.

Der Inselcortex gilt als ein wichtiger Teil des Gehirns bei der Entscheidungsfindung. Die neuro-biologischen Veränderungen könnten somit zur Entwicklung einer Nikotinabhängigkeit beitragen, erklärt das Forschungsteam. Denn ob jemand raucht oder nicht, ist auch eine Frage, wie sich diese Person entscheidet.

Stärkeres Belohnungserleben bei Jugendlichen

Jugendliche reagieren vermutlich auch anders auf Zigaretten als Erwachsene. Denn Studien zufolge führt der Wirkstoff Nikotin bei Jugendlichen zu einer stärkeren Aktivierung des Belohnungszentrums als bei Erwachsenen.

Im Gehirn bindet Nikotin an so genannten nikotinergen Rezeptoren, was eine Art Dominoeffekt nach sich zieht. Verschiedene Neurotransmitter wie Acetylcholin, Dopamin und Serotonin werden verstärkt ausgeschüttet. Neurotransmitter stellen chemische Verbindungen zwischen Nervenzellen her und gewährleisten so die elektrische Reizweiterleitung.

Vor allem das Dopaminsystem wird in der Jugend grundlegend neu organisiert. Dopamin ist zentraler Bestandteil des Belohnungssystems und wird beispielsweise bei besonders leckerem Essen, durch Drogen oder auch beim Computerspielen vermehrt ausgeschüttet. Die Forschung hat zeigen können, dass Rezeptoren, an denen Dopamin bindet, bei Jugendlichen sensibler auf Nikotin reagieren als bei Erwachsenen. Jugendliche erleben dadurch einen stärker belohnenden Effekt durch Nikotin als Erwachsene. Das bedeutet auch: sie entwickeln schneller eine Tabakabhängigkeit.

Eine tierexperimentelle Studie mit jugendlichen Ratten weist zudem darauf hin, dass Nikotin womöglich dauerhafte Veränderungen hervorrufen kann. So konnte nachgewiesen werden, dass Nikotin das Nervenwachstum in einer Region beeinflusst, in der vor allem Dopamin von Bedeutung ist.

Diese Nervenveränderungen waren noch drei Wochen nach der Nikotingabe bei den Ratten vorhanden. Das Forschungsteam schlussfolgert daraus, dass Nikotin zu dauerhaften Hirnveränderungen im jugendlichen Gehirn führen könnte. Diese Veränderungen könnten schließlich die Grundlage für eine Abhängigkeitsentwicklung sein.

Jugendliche unterschätzen Nikotinabhängigkeit

Dass Zigaretten abhängig machen können, dürfte auch den meisten Jugendlichen bekannt sein. Eine weitere Studie aus den USA wirft allerdings Zweifel auf, ob Jugendlichen tatsächlich bewusst ist, was es heißt, abhängig zu sein.

367 Jugendliche wurden in der Studie dazu befragt, was Abhängigkeit für sie bedeutet. Wie sich zeigte, hatten viele der im Schnitt 15-Jährigen keine klare Vorstellung davon. Sie waren sich zwar bewusst, dass Abhängigkeit mit dem zwanghaften Verhalten zusammenhängt, hin und wieder dringend eine Zigarette rauchen zu müssen. Allerdings brachten sie eine Abhängigkeit oft nicht damit in Zusammenhang, dass es schwierig ist, wieder mit dem Rauchen aufzuhören.

Wenn sie auf ihr persönliches Rauchverhalten angesprochen wurden, waren sie häufig der Ansicht, Abhängigkeit wäre ein Verhalten, dass sie nach Belieben wieder abstellen können. So bejahten zwar viele rauchende Jugendliche die Frage, ob sie sich als abhängig bezeichnen würden, gleichzeitig glaubten sie allerdings auch, jederzeit damit aufhören zu können.

Es liegt aber in der Natur einer Abhängigkeit, das eigene Konsumverhalten nicht mehr vollständig steuern zu können. In der Fachsprache wird dies als Kontrollverlust bezeichnet. Kontrollverlust macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn die Person versucht, auf Zigaretten zu verzichten. Abhängige Raucherinnen und Raucher verspüren dann meist ein starkes Verlangen nach Zigaretten.

Frühe Abhängigkeitssymptome bei Jugendlichen

Bei Jugendlichen kann sich dieses Verlangen schon früh bemerkbar machen. Die Forscherin Lisa Dierker und ihr Team haben Jugendliche beispielsweise danach gefragt, ob sie durch strömenden Regen laufen würden, um eine Zigarette zu bekommen oder ob sie nach ein paar Stunden ein Verlangen nach Zigaretten empfinden.

Zum Zeitpunkt der ersten Befragung waren die Jugendlichen in der 9. und 10. Klasse. Sechs Jahre später, im Alter von durchschnittlich 21 Jahren, wurde ihr Rauchverhalten erneut überprüft und mit ihren früheren Antworten verglichen. Das Ergebnis: Jugendliche, die schon früh Abhängigkeitssymptome zeigten, waren sechs Jahre später mit hoher Wahrscheinlichkeit tägliche Raucherinnen und Raucher.

Fazit

Schon die erste Zigarette kann den Grundstein für eine Nikotinabhängigkeit legen. Etwa zwei von drei Personen, die zum ersten Mal an einer Zigarette ziehen, rauchen später täglich. Das hohe Abhängigkeitspotential von Nikotin betrifft vor allem Jugendliche. Denn sie befinden sich in einer kritischen Phase der Gehirnentwicklung.

Zum einen reagieren Jugendliche stärker auf die belohnende Wirkung von Nikotin als Erwachsene. Zum anderen hat Nikotin vermutlich einen prägenden Einfluss auf die Gehirnentwicklung. In der Konsequenz sind junge Menschen besonders gefährdet, eine Nikotinabhängigkeit zu entwickeln, wenn sie Zigaretten oder E-Zigaretten probieren.


Quellen:

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