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Topthema

Kokain - der schnelle Kick mit Folgen

April 2009

Kristallines Kokainhydrochlorid

Bild: Kristallines Kokainhydrochlorid, Drug Enforcement Administration (DEA)

Nach dem Hoch kommt bekanntlich das Tief. Und beim Kokainkonsum kommt es besonders schnell. Geraucht wird schon nach wenigen Minuten der stimmungsmäßige Abstieg eingeleitet. Beim Schnupfen von Kokain - der häufigsten Konsumform - ist spätestens nach einer Stunde die Luft raus. Um der nachfolgenden Niedergeschlagenheit zu entkommen wird dann meist „nachgelegt“ - also weiter konsumiert. Dabei riskieren Konsumierende gravierende körperliche und psychische Folgen, Abhängigkeit inklusive.

Promis beim Koksen erwischt

Zuletzt hatte es der britische Sänger George Michael in die Klatschseiten der Boulevardpresse geschafft. Mit Kokain und anderen Drogen wurde er im letzten Jahr auf einer öffentlichen Toilette in London erwischt. Immer wieder werden Prominente beim Koksen ertappt. Nicht zuletzt wegen derartiger Medienberichte aus der Welt der „Schönen und Reichen“ umgibt Kokain noch immer ein Hauch von Glanz und Glamour. Doch dieses Image der Droge verschleiert die zum Teil gravierenden Risiken des Konsums.

Wirkung variiert mit der Konsumform

Die Wirkung hängt mit der Konsumform zusammen. Beim intravenösen Spritzen setzt die Wirkung sehr schnell und vehement ein. Das Gehirn wird schlagartig mit stimulierenden Substanzen überflutet, wofür auch Begriffe wie „Rush“, „Flash“ oder „Kick“ gebraucht werden. Ebenso schnell wie die Wirkung einsetzt klingt sie auch wieder ab, denn bereits nach 5-10 Minuten verschwinden die euphorischen Effekte. Beim Rauchen von Kokain in Form von Freebase oder Crack verläuft der Rausch ähnlich kurz. Die häufigste Konsumform ist das Schnupfen des pulverförmigen Kokainhydrochlorids (siehe Bild), das auch als Sniefen bezeichnet wird. Die Wirkung entfaltet sich nach ein paar Minuten und dauert ca. 20 bis 60 Minuten an.

Die Gier entsteht im Gehirn

Die aufputschende Wirkung des Kokains beruht im Wesentlichen auf der vermehrten Ausschüttung des Hirnbotenstoffs Dopamin. Es kommt zu einer massiven Stimulation des zentralen Nervensystems. Konsumierende fühlen sich wach und euphorisiert. Der Rausch ist von einem erhöhtem Selbstwertgefühl und verstärkter Sinneswahrnehmung gekennzeichnet. Soziale und sexuelle Hemmungen verlieren an Bedeutung.

Doch das Hirndoping bleibt nicht ohne Folgen. Die Kehrseite der Medaille ist die Gier nach dem Hochgefühl, die Lust nach mehr, die sich bei Kokainkonsum entwickeln kann. Doch durch das „Nachlegen“ - also erneutem Konsum - kann es zur Übererregung des Körpers kommen. Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen bis hin zu Krampfanfällen sind die Folge.

Hohes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

Durch den Konsum von Kokain wird gewissermaßen ein kurzes Strohfeuer im Körper entfacht. Das Herz pumpt im Akkord und das Gehirn arbeitet auf Hochtouren. Kokain führt dem Organismus aber keine Energie zu, sondern verbraucht körpereigene Reserven. Als Folge steigt das Herzinfarktrisiko. Einer Studie aus den USA zufolge gehen rund eine Viertel aller nicht tödlich verlaufenen Herzinfarkte im Alter zwischen 18 und 45 Jahren auf das Konto von Kokain. Zudem ist das Risiko eines Schlaganfalls, bei dem es zu Blutungen im Gehirn kommt, bei Kokainkonsum doppelt so hoch wie bei abstinenten Personen.

2006 wurden nach Angaben der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle ungefähr 500 Todesfälle in Europa auf den Konsum von Kokain zurückgeführt. Allerdings sei es anders als bei Opiaten nicht immer leicht, Kokain als Ursache zu ermitteln, da es selten zu einer akut tödlichen Überdosis kommt, sondern Konsumierende an den körperlichen Folgen des dauerhaften Konsums sterben. Herzinfarkte und Schlaganfälle gelten als die häufigste Ursache für kokainbedingte Todesfälle. Dabei ist nicht auszuschließen, dass viele durch Kokain verursachte Todesfälle nicht als solche erkannt werden.

Hirnveränderungen mit Lerndefiziten

In einer aktuellen Studie wurden sogar Hirnveränderungen durch dauerhaften Kokainkonsum nachgewiesen. Betroffen sind davon besonders jene Hirnareale, die für das Kurzzeitgedächtnis zuständig sind. Als Ursache wird ein Prozess vermutet, bei dem die Dopaminrezeptoren im so genannten präfrontalen Cortex, dem Sitz des Kurzzeitgedächtnisses, unempfindlich werden für den Hirnbotenstoff. Aufmerksamkeitsdefizite und Probleme, schnelle Entscheidungen zu fällen, können die Folge sein. Im Tierversuch konnte darüber hinaus nachgewiesen werden, dass die Lernfähigkeit bei häufigem Kokainkonsum vermindert ist.

Mischkonsum besonders gefährlich

Risiken sind aber nicht nur mit dem Konsum von Kokain, sondern auch dem Mischkonsum verbunden. Besonders häufig kommt es zum Mischkonsum von Kokain und Alkohol, mit dem Ziel, die Rauscherfahrung zu intensivieren. Durch Abbauprozesse entsteht im Körper eine neue Substanz, das als Cocaethylen bezeichnet wird. Diese Substanz hat eine ähnliche Wirkung wie Kokain, wird aber langsamer vom Körper abgebaut. Die Giftigkeit von Cocaethylen wird noch höher eingeschätzt als die von Kokain. Das Risiko, an einer akuten Überdosis Kokain/Alkohol zu sterben, wird 18- bis 25-fach höher eingeschätzt als wenn Kokain allein konsumiert wird.

Hohes Abhängigkeitspotential

Aufgrund der schnellen Abfolge von Euphorie und depressiven Symptomen gilt die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung bei Kokain als vergleichsweise hoch, vor allem beim Rauchen oder Spritzen von Kokain. Besonders gefährdet sind Personen mit Selbstwertproblemen, die nicht zufrieden sind mit sich oder die gerne stärker, selbstbewusster sein wollen. Generell besteht die Gefahr der Abhängigkeit vor allem dann, wenn die Droge funktionalisiert, also dazu benutzt wird, um beispielsweise eine schlechte Stimmung zu vermeiden oder subjektiv empfundene Defizite auszugleichen.

Ob eine Abhängigkeit vorliegt wird besonders dann sichtbar, wenn die Substanz abgesetzt wird. Dann machen sich typische Entzugssymptome bemerkbar. Betroffene fühlen sich müde, lustlos und depressiv. Vor allem aber erleben sie ein starkes Verlangen nach der Droge, das Craving genannt wird. Die Entzugssymptome können über Wochen anhalten. In Tierexperimenten konnte nachgewiesen werden, dass die durch Kokain verursachten Hirnveränderungen noch einen Monat nach dem Absetzen weiter bestehen [16]. Dies erklärt, warum es Kokainabhängigen so schwer fällt, auf die Droge zu verzichten und häufig rückfällig werden. Anders als bei Opiatabhängigen gibt es keine speziellen Medikamente zur Behandlung des Entzugsyndroms bei Kokain. Daher stehen psychotherapeutische Behandlungsverfahren im Vordergrund, in denen gelernt wird, mit dem Suchtdruck umzugehen. Ziel ist es, die Selbstkontrolle zu stärken, um dem Craving zu widerstehen und dauerhaft standhaft zu bleiben.


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