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Drugcom: Topthema: Heroin

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Topthema

Heroin

Juli 2009

Foto von einer Flasche Heroin (Hustensaft) von Bayer

Bild: Wikipedia.de

Einst wurde es als nicht süchtig machendes Hustenmittel angepriesen. Das sehen Fachleute und Laien mittlerweile anders. Heroin wird heute auch als „Geißel des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet, denn das Abhängigkeitspotential des halbsynthetischen Opioids gilt als eines der höchsten. Anders als seine Ursprungssubstanz Morphin war es bis vor kurzem weder verkehrs- noch verschreibungsfähig, sprich illegal. Der Bundestag hat nun nach jahrelanger Diskussion am 28. Mai dieses Jahres beschlossen, dass Schwerstabhängigen auch Heroin und nicht nur Ersatzstoffe verschrieben werden kann. Denn bei manchen Abhängigen geht es buchstäblich um Leben und Tod. Was ist Heroin eigentlich? Und was macht es so gefährlich?

Wirkung im Gehirn

„Nimm den besten Orgasmus, den du jemals gehabt hast, multipliziere in mit 1.000 und du bist nicht mal nah dran“ ist einer der prägenden Sätze aus Danny Boyles Film „Trainspotting“. Auch wenn die Beschreibung aus dramaturgischen Gründen stark überzeichnet ist, vermittelt Renton, der Hauptprotagonist des Films, doch recht eindrucksvoll, dass intravenös gespritztes Heroin ein sehr intensives Rauscherlebnis nach sich zieht. Konsumierende fühlen sich völlig entspannt, glücklich und zufrieden. Alle weiteren Bedürfnisse treten in den Hintergrund.

In der Hirnforschung wird als Grund hierfür die schnelle und starke Aktivierung des Belohnungssystems unseres Gehirns genannt. Generell gelten die Schnelligkeit und Intensität des Wirkeintritts als Hinweis auf das Abhängigkeitspotential. Heroin ist gut fettlöslich und tritt daher sehr schnell von der Blutbahn in das Gehirn über, wo es an den so genannten Opiatrezeptoren andockt. Dies bewirkt eine Hemmung des GABA-Systems, das bei der Schmerzverarbeitung eine Rolle spielt und eine Aktivierung des nachgeschalteten Dopaminsystems, was die euphorischen Effekte zur Folge hat. Subjektiv macht sich dies für Konsumierende in einem unmittelbar auf den Konsum folgenden „Rush“ spürbar.

Ursprung im Schlafmohn

Heroin wird chemisch auch als Diacethylmorphin bzw. Diamorphin bezeichnet. Darin kommt auch die Verwandtschaft zum Morphin zum Ausdruck. Denn Heroin wird mittels eines chemischen Verfahrens, der so genannten Acetylierung, aus Morphin gewonnen. Richtig ist daher die Bezeichnung halbsynthetisch, da Heroin einen natürlichen Ursprung hat.

Morphin wiederum ist hauptsächlicher Bestandteil des Rohopiums, das aus dem Schlafmohn (Papaver somniferum) gewonnen wird. Schlafmohn und das hieraus gewonnene Opium waren seit Jahrtausenden als schmerzstillende Substanzen bekannt. Aber erst 1803 gelang es dem deutschen Apotheker Friedrich Wilhelm Sertürner erstmals, den hauptsächlichen Wirkstoff aus dem Rohopium zu isolieren. Er nannte die kristalline Substanz Morphium, abgeleitet von Morpheus, dem griechischen Gott des Schlafes. 1828 wurde es als stark wirkendes Schmerzmittel auf den Markt gebracht.

Im deutsch-französischen Krieg 1870-1871 wurde Morphin erstmals in großem Stile bei der Behandlung Verwundeter eingesetzt. Viele wurden dadurch morphinabhängig. Der Begriff „Soldatenkrankheit“ wurde in dieser Zeit dafür geprägt. Da Morphin aber nach wie vor eines der stärksten Schmerzmittel ist, wird es auch heute noch in der Medizin verwendet.

Mit dem Ziel ein schmerzstillendes, aber nicht abhängig machendes Mittel zu schaffen, wurde 1874 Diamorphin synthetisiert, das später unter dem Namen Heroin von dem Pharmaunternehmen Bayer auf den Markt gebracht wurde. Doch das Abhängigkeitspotential hatte man offenbar weit unterschätzt.

Atemlähmung das Hauptrisiko

Entgegen häufiger Ansichten gehen von Heroin selber, d. h. der reinen Substanz, keine Organschäden aus. Risiken entstehen aber durch Streckmittel sowie der damit verbundenen Unsicherheit hinsichtlich der Reinheit der Substanz. Denn es besteht ein geringer Spielraum zwischen einer verträglichen und einer lebensgefährlichen Dosis. Nicht an die Substanz gewöhnte Menschen reagieren schon bei 5 Milligramm mit Bewusstlosigkeit, Atemdepression, Kreislaufversagen und Verlangsamung der Herztätigkeit. Wenn Konsumierende die Reinheit der Droge falsch einschätzen, kann es unbeabsichtigt zur Überdosierung kommen.

2007 sind in Deutschland 550 Konsumierende direkt an einer Überdosis Heroin gestorben, weitere an den Folgenschäden. Die meisten Todesfälle sind eine Folge der Atemlähmung. Im bewusstlosen Zustand können die Betroffenen zudem an ihrem eigenen Erbrochenen ersticken. Nicht selten ziehen sich Konsumierende Knochenbrüche zu, weil sie im Rauschzustand gestürzt sind.

Es gibt keine „böse“ Droge

Bei häufigerem Heroinkonsum kann sich schnell eine Toleranz gegenüber der Wirkung ausbilden. Konsumierende müssen dann mehr Heroin nehmen, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Daraus kann sich eine intensive Abhängigkeit entwickeln.

Die Entwicklung einer Abhängigkeit von Heroin oder anderen Drogen ist jedoch kein einfach zu erklärendes Phänomen. Es ist nicht die „böse“ Droge, die aus unschuldigen Menschen „Junkies“ macht. Denn an der Entstehung von Abhängigkeit sind immer mehrere Komponenten beteiligt. Neben der Verfügbarkeit der Droge sind es vor allem bestimmte Personeneigenschaften, die manche mehr und andere weniger empfänglich machen für die Wirkung einer Droge (mehr dazu). Nicht jeder, der Opiate wie Heroin konsumiert, versinkt im Drogenstrudel. Beispielsweise wurde beobachtet, das Patientinnen und Patienten, die wegen Schmerzen mit Opiaten behandelt wurden, zwar ein Entzugssyndrom, aber selten süchtiges Verlangen zeigen. Bei Menschen, die besonders empfänglich sind für die Wirkung von Heroin, ist die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung aber vergleichsweise groß. Expertinnen und Experten sprechen Heroin aufgrund der starken Rauschwirkung eines der höchsten Abhängigkeitspotentiale zu.

Die Vorstellung, dass eine Substanz nach einmaligem Konsum sofort abhängig macht ist allerdings ein Mythos. Auch Heroin muss häufiger konsumiert, um eine körperliche Abhängigkeit zu entwickeln. Dies kann aber schon nach kurzzeitigem regelmäßigem Konsum der Fall sein. Eine körperliche Abhängigkeit ist daran zu erkennen, dass der Körper mit Entzugssymptomen reagiert, wenn die Droge längere Zeit nicht zugeführt wird. Linderung verschafft dann meist nur wieder die Droge, so dass die Gedanken bald nur noch darum kreisen. Konsumierende geraten im mehr in eine Spirale von Rauschzuständen, gefolgt von Entzugssymptomen und dem erneuten Wunsch, diese zu mildern. Dabei drohen neben den schwerwiegenden körperlichen Folgen vor allem Veränderungen der Persönlichkeit und der sozialen Situation.

Auch im eingangs zitierten Spielfilm „Trainspotting“ wird auf teils schonungslose Art, der Wandel gezeigt, den Menschen durch Heroin durchmachen. Denn das Leben von Renton und seinen Freunden wird zunehmend bestimmt durch Egoismus, Betrug, Beschaffungskriminalität und Gewalt, getrieben von dem einzigen Gedanken nach dem nächsten „Schuss“. Dies treibt den Hauptprotagonisten Renton sogar in einer der meistzitierten Szenen des Films dazu, in die „beschissenste Toilette Schottlands“ abzutauchen, auf der Suche nach dem Opiumzäpfchen, das er nicht bei sich behalten konnte.

Heroin auf Rezept

In der Behandlung der Heroinabhängigkeit hat sich als gängige Praxis die so genannte Substitution etabliert, bei der Süchtige einen Ersatzstoff bekommen, der die Entzugssymptome lindert. Die Betroffenen sollen so dem ständigem Suchtdruck und der Beschaffungskriminalität entkommen. Gleichzeitig erhalten die Betroffenen psychosoziale Hilfe und Beratung zur Überwindung der Abhängigkeit. Doch manche Abhängige schaffen es auch mit Ersatzstoffen wie Methadon nicht, ihr Leben zu stabilisieren. Am 28. Mai dieses Jahres wurde daher im Deutschen Bundestag beschlossen, zukünftig auch die Behandlung mit dem Originalstoff, also Heroin, unter bestimmten Umständen zu erlauben. Ausschließlich Patientinnen und Patienten ab 23 Jahren sollen in Betracht kommen, wenn sie mindestens seit fünf Jahren abhängig sind und bereits zwei erfolglose Therapien hinter sich haben. Hierzu wird Heroin künftig nicht mehr als illegale Droge, sondern als verschreibungsfähiges Betäubungsmittel eingestuft.


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