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29.05.2015

Dauerkiffer anfälliger für falsche Erinnerungen

Erinnerungen können trügerisch sein. Manchmal glauben wir, uns an etwas zu erinnern, dass in Wirklichkeit nie geschehen ist. Ein spanisches Forschungsteam konnte zeigen, dass langjährige Cannabiskonsumierende besonders anfällig sind für falsche Erinnerungen.

Junger Mann mit Bart und Kopfhörer um den Hals hält Bong und bläst Rauch aus

Bild: © William Casey / Fotolia.com

Um sich vom tristen Alltag als Fabrikarbeiter abzulenken, lässt sich Douglas Quaid Erinnerungen einpflanzen, in denen er früher ein Geheimagent war. Aber etwas läuft und er sich nicht mehr sicher, ob er ein Arbeiter oder in Wirklichkeit ein Geheimagent ist. Nicht ganz so spektakulär wie im Spielfilm „Total Recall“, aber gleichwohl beeindruckend sind die wissenschaftlichen Experimente, in denen Menschen dazu verleitet werden, sich an Dinge zu erinnern, die nie stattgefunden haben. Einem Forschungsteam ist es beispielsweise gelungen, Menschen durch manipulierte Fotos so zu beeinflussen, dass sie davon überzeugt sind, eine Fahrt mit einem Heißluftballon erlebt zu haben.

Nicht jeder Mensch ist in gleichem Maße anfällig für falsche Erinnerungen. Ein spanisches Forschungsteam um Studienleiter Jordi Riba geht davon aus, dass eine erhöhte Anfälligkeit für falsche Erinnerungen eine neurologische Grundlage hat, bei der bestimmte Hirnareale betroffen sind. Diese Hirnareale würden durch langjährigen Cannabiskonsum in ihrer Funktion beeinträchtigt. Das Forschungsteam ist daher der Frage nachgegangen, ob Dauerkiffer anfälliger sind für falsche Erinnerungen.

Bis zu 24 Joints pro Tag

Dazu wurden 16 Testpersonen mit langjähriger Erfahrung im Kiffen zu einem Experiment eingeladen. Im Schnitt konsumierten sie seit fünf Jahren täglich etwa fünf Joints pro Tag. Eine Person kiffte sogar bis zu 24-mal am Tag. Vier Wochen vor dem Experiment mussten die Kiffer allerdings abstinent bleiben. Dies wurde mittels Urinproben überprüft. 16 weitere Personen, die nur wenig Erfahrung mit Cannabis hatten, bildeten die Kontrollgruppe. Beide Gruppen waren im Hinblick auf das Alter, die Geschlechtsverteilung, Bildung und Intelligenz vergleichbar.

In dem Experiment wurde ein spezieller Gedächtnistest verwendet, der falsche Erinnerungen provozieren sollte. Alle Testpersonen mussten sich zunächst Wortlisten merken, die ihnen 15 Minuten später erneut präsentiert wurden. Allerdings waren dann einige Wörter durch neue ausgetauscht worden. Aufgabe der Testpersonen war es, anzugeben, welche Wörter ihrer Meinung nach im ersten Durchlauf vorhanden waren und welche nicht. Hatten sie ein neues Wort als bekannt markiert, so wurde dieses als falsche Erinnerung gewertet. Um die Teilnehmenden auf eine falsche Fährte zu führen, ähnelten einige der falschen Wörter den echten Begriffen. Beispielsweise lernten die Testpersonen die Begriffe Henne, Pferd, Ziege und Schaf. Anschließend wurden Begriffe wie Kuh oder Schwein eingeschleust. Während des Tests lagen die Probandinnen und Probanden in einem Magnetresonanztomographen, der dem Forschungsteam Einblick in die Aktivität des Gehirns gab.

Abnehmende Hirnaktivität

Wie sich zeigte, fielen langjährige Kiffer weitaus häufiger auf vermeintlich bekannte Begriffe rein als die Vergleichsgruppe, hatten sich also häufiger fälschlich erinnert. Dabei zeigte sich, dass bestimmte Hirnareale weniger aktiv waren. Betroffen waren vor allem Bereiche, die für die Gedächtnisbildung zuständig sind, wie der Hippocampus. Das Forschungsteam konnte auch einen Zusammenhang zwischen der Hirnaktivität und dem Ausmaß der Konsumerfahrung herstellen: Je mehr die Personen gekifft hatten, desto weniger aktiv waren jene Hirnareale, die für das so genannte episodische Gedächtnis zuständig sind, also für das Abspeichern von persönlichen Erlebnissen.

Dieses Ergebnis sei nach Meinung des spanischen Forschungsteam deshalb bemerkenswert, weil die Cannabiskonsumierenden bereits vier Wochen lang abstinent waren.

Quellen:

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