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Drugcom: Topthema: Täglich bekifft - alles im grünen Bereich?

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Topthema

Täglich bekifft - alles im grünen Bereich?

Januar 2008

Die Hanfpflanze ist vermutlich eines der wenigen Gewächse, das auch von vielen botanisch weniger gebildeten Menschen anhand eines einzigen Blatts sicher erkannt wird. Denn Cannabis ist trotz sinkender Konsumzahlen nach wie vor die am weitesten verbreitete illegale Droge in der Bevölkerung. Etwa 12 Mio. Menschen zwischen 18 und 59 Jahre haben schon mal Cannabis konsumiert. Rund zwei Prozent kiffen regelmäßig, einige davon sogar täglich. Tägliches Kiffen kann jedoch zu einer Reihe an psychischen, sozialen und körperlichen Problemen führen. Muss aber nicht. Während die einen, die sich jeden Tag bekiffen, als abhängig bezeichnet werden können, gibt es andere, die trotz täglichen Cannabiskonsums keine Abhängigkeit ausbilden. Wo liegen die Unterschiede?

Galt Cannabis noch vor gar nicht so langer Zeit als Einstiegsdroge in eine unwiderruflich nach unten zeigende Spirale der Drogenabhängigkeit, so werden die Risiken des Cannabiskonsums heute wesentlich differenzierter betrachtet. Die Forschung hat aufzeigen können, dass selbst täglicher Cannabiskonsum nicht zwangsläufig mit gravierenden Problemen zusammenhängen muss. Lange Zeit kursierte beispielsweise die Annahme, dass dauerhaftes Kiffen ein so genanntes Amotivationssyndrom zur Folge habe. Der Begriff wurde in der klinischen Praxis im Zusammenhang mit psychiatrisch auffälligen Cannabiskonsumierenden geprägt. Beobachtet wurde, dass Patientinnen und Patienten, die dauerhaft kiffen, teilnahmslos, passiv und allgemein antriebsvermindert wirken sowie den Alltagsanforderungen mit einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber treten, sprich: sich ziemlich hängen lassen.

Zweifelsohne gibt es Menschen, die kiffen und antriebslos in den Tag hinein vegetieren. Doch ist das nicht die Regel. Mittlerweile gilt die Annahme eines solchen Syndroms als widerlegt. In einer aktuellen Studie beispielsweise wurde eine Gruppe von 243 Personen, die täglich kiffen, mit 244 Nichtkonsumierenden verglichen. Dabei wurden die allgemeine Motivation und die Lebenszufriedenheit untersucht. Das Ergebnis zeigt, dass beide Gruppen sich weder bei der Motivation noch bei der Lebenszufriedenheit bedeutsam unterscheiden.

Dieses Ergebnis darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass tägliches Kiffen auch massive Probleme mit sich bringen kann, wie zum Beispiel Abhängigkeit. Doch ebenso wie tägliches Kiffen nicht unbedingt zu Lustlosigkeit und mangelnder Lebenszufriedenheit führen muss, gibt es auch keine Einbahnstraße in die Abhängigkeit. Einige ziehen sich jeden Tag ihren Joint rein, ohne dass sie nach den gängigen Kriterien als abhängig eingestuft werden können. Wo liegt der Unterschied?

Die Menge macht’s

Im Rahmen einer Studie, an der über 2.800 Personen teilgenommen haben, die angaben, jeden Tag zu kiffen, wurde dieser Frage nachgegangen. Bei etwa 39 Prozent der via Internet befragten täglichen Kiffer konnte keine Abhängigkeit festgestellt werden. Im Kern zeigt sich, dass die Abhängigen unter den täglichen Kiffern, einen besonders intensiven Konsum betreiben. Sie rauchen mehr Joints pro Tag und dröhnen sich heftiger zu beim Kiffen, als die nicht-abhängigen Kiffer. Zudem trinken sie auch deutlich mehr Alkohol und sind auch anderen illegalen Drogen gegenüber aufgeschlossener. Tägliches Kiffen gilt zwar als ein Risikofaktor für die Ausbildung einer Abhängigkeit, ist aber nicht das einzige Merkmal. Entscheidend ist das gesamte Konsummuster, das bei Cannabisabhängigen von einem insgesamt intensiveren Cannabisgebrauch geprägt ist.

Die Studie zeigt weiterhin auf, dass die abhängigen Kiffer in vielerlei Hinsicht stärker negative Folgen erleiden als Nichtabhängige. Sie sind depressiver, unmotivierter und insgesamt unzufriedener mit ihrem Leben, als jene befragten Personen, die zwar täglich, aber noch vergleichsweise moderat konsumieren. Auch körperlich macht sich der intensive Konsum bemerkbar. Abhängige Kiffer erleben körperliche Entzugssymptome und haben häufiger Atemwegserkrankungen als die befragten Personen, bei denen (noch) keine Abhängigkeit festgestellt wurde.

Wenn das Kiffen Überhand nimmt

Oft sind es vor allem die belastenden negativen Folgen wie Depressionen, sozialer Rückzug oder Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme, die für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Beratungsprogramms „quit the shit“ der Grund dafür war, ihren Cannabiskonsum stark einzuschränken oder ganz aufgeben zu wollen. „Ich habe zehn Joints jeden Tag gekifft … ich will das nicht mehr“, stellt ein Teilnehmer des Beratungsprogramms „quit the shit“ selbstkritisch im Laufe des Aufnahmegesprächs fest. Eine andere Teilnehmerin sagt: „Sobald ich geraucht habe, verschiebe ich Sachen, auf die ich eigentlich Lust hatte.“ Praktisch alle, die das Beratungsprogramm aufsuchen, empfinden sich als psychisch abhängig vom Cannabiskonsum.

Wer sich unsicher ist, wie riskant der eigene Cannabiskonsum ist, der kann dies mit dem Selbsttest „cannabis check“ überprüfen und erhält eine Rückmeldung zu den wichtigsten Risikofaktoren des Kiffens. Sollte die Rückmeldung bereits im roten Bereich liegen, so kann das Beratungsteam von „quit the shit“ Unterstützung darin geben, den Konsum zu reduzieren oder auch ganz einzustellen.

Quellen:
REITOX-Bericht 2007 (PDF, 827 KB)
Pressemitteilung der Drogenbeauftragten (27.11.2007)
Substance Abuse Treatment, Prevention, and Policy (1)
Substance Abuse Treatment, Prevention, and Policy (2)


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