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 HomeNewsArchiv > 2012 > Cannabis wirkt nicht immer gleich

News-Archiv


Archiv Jahr 2012


09.11.2012

Cannabis wirkt nicht immer gleich

Die Wirkung von Cannabis kann sehr unterschiedlich ausfallen. Manche Menschen entwickeln psychoseähnliche Symptome, andere nicht. In einer aktuellen Studie konnte nachgewiesen werden, dass bestimmte Hirnareale an der unterschiedlichen Wirkung beteiligt sind.

Fotomontage, bei der die Augen auf den Händen, die sich ein Mann vor das Gesicht hält,  erscheinen.

Bild: Vlue / istockphoto.com

In der „Röhre“ zu liegen ist nicht jedermanns Sache. 22 Männer mussten sich der bedrückenden Enge und dem hämmerndem Lärm eines Magnetresonanztomographen (MRT) aussetzen, damit ein Forschungsteam ihnen beim Denken in den Kopf gucken konnte. Einer der Probanden geriet daraufhin in Panik und musste seine Teilnahme abbrechen. Vorher hatte er eine Tablette mit THC geschluckt, die bei ihm offenbar heftig angeschlagen hatte.

Doppelblindstudie mit THC

Das internationale Forschungsteam um Studienleiterin Zerrin Atakan vom King’s College in London wollte herausfinden, was Personen, die nach dem Konsum von Cannabis psychotische Symptome entwickeln, von jenen unterscheidet, die keine derartigen Symptome zeigen. Hierzu verabreichte das Team gesunden Männern, die vorher nur selten Cannabis konsumiert hatten, entweder 10 mg reines THC oder ein wirkstofffreies Placebo. Beides wurde in einer identisch aussehenden roten Gelatinekapsel gereicht. Das Experiment war eine so genannten Doppelblindstudie: Weder die Untersuchungsleiter noch die Probanden wussten, welche Kapseln THC enthielten.

Anschließend legten sie sich in den MRT. Während des Scanvorgangs mussten sie einen Test absolvieren, in dem sie ihre Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit unter Beweis stellen mussten. Vor und nach den MRT-Aufnahmen wurde mit Hilfe einer Checkliste überprüft, ob die Probanden irgendwelche psychotischen Symptome zeigen. Anschließend wurden die Probanden je nach Symptomausprägung in zwei Gruppen eingeteilt: 11 von ihnen reagierten mit psychoseähnlichen Symptomen auf THC, 11 nicht. Von der Psychosegruppe brach ein Mann aber wie oben beschrieben den Test ab, so dass nur 21 Männer das Experiment beendeten.

THC-Wirkung variiert mit Hirnaktivität

Der Blick in die Gehirne offenbarte, dass die Aktivität in bestimmten Hirnarealen signifikant damit zusammenhing, ob die Person nach dem Konsum von THC zu psychotischen Symptomen neigte oder nicht. Dies sei nach Angabe des Forschungsteams der erste Nachweis dafür, dass die individuelle Reaktion auf THC mit bestimmten Hirnaktivitätsmustern zusammenhängt.

Interessant sei auch das Ergebnis, dass sich die beiden Gruppen nicht darin unterschieden, wie „stoned“ sie sich nach der THC-Pille fühlten. Das bedeutet: Die unterschiedliche Sensibilität für die Wirkung von THC hat sich nur auf die Anfälligkeit für psychotische Symptome ausgewirkt nicht auf die Wirkung generell.

Gleiche Hirnareale wie bei Schizophrenie

Das Forschungsteam hebt in ihrem Fachartikel hervor, dass teilweise die gleichen Hirnareale betroffen seien, die auch bei an Schizophrenie erkrankten Personen einen erhöhten Aktivitätslevel aufweisen. Zwar sei die durch THC hervorgerufene psychotische Phase nur vorübergehend und nicht mit einer voll ausgebrochenen Psychose vergleichbar. Aber die Ähnlichkeiten sowohl auf der Ebene der Symptome als auch auf der Ebene der Hirnaktivität könnten einen Hinweis darauf geben, dass diejenigen Personen, die nach Cannabiskonsum mit psychoseähnlichen Symptomen reagieren, generell eher gefährdet sind, an einer Psychose zu erkranken.

Nach Angaben des Forschungsteam haben alle Probanden den Test übrigens schadlos überstanden - auch derjenige, der vorzeitig abgebrochen hatte.

Quelle:
Atakan, Z., Bhattacharyya, S., Martín-Santos, R., Crippa, J. A., Borgwardt, S. J., Fusar-Poli, P., Seal, M., Sallis, H., Stahl, D., Zuardi, A. W., Rubia, K. & McGuire, P. (2012). Cannabis affects people differently: intersubject variation in the psychotogenic effects of Δ9tetrahydrocannabinol: a functional magnetic resonance imaging study with healthy volunteers. Psychological Medicine, DOI: 10.1017/S0033291712001924.