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Archiv Jahr 2015


02.01.2015

Smart Drug macht nicht smarter

Als Smart Drugs werden Medikamente bezeichnet, die von gesunden Menschen missbraucht werden, mit dem Ziel, die geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern. Der Wirkstoff Modafinil gehört dazu. Eine neue Studie lässt allerdings Zweifel aufkommen, ob Modafinil tatsächlich smarter macht.

Mann mit Nerdbrille stützt Kinn auf Hand und schaut nachdenklich nach unten

Bild: cydonna / photocase.com

Einfach eine Pille einschmeißen und schon läuft die Prüfung oder die Arbeit wie von selbst? Smart Drugs sind Medikamente, die eigentlich für die Behandlung von Krankheiten entwickelt wurden und von denen sich Gesunde erhoffen, dass sie ihre kognitive Leistungsfähigkeit erhöhen. Daher wird auch von „Neuro-Enhancement“ gesprochen, also von einer Verbesserung neuronaler Prozesse im Gehirn.

Modafinil ist solch ein Medikament. Dessen eigentlicher Einsatzzweck ist die Behandlung der Narkolepsie: Die Betroffenen leiden an plötzlichen Schlafattacken, die kaum zu kontrollieren sind. Diese Tagesmüdigkeit wird durch den Wirkstoff Modafinil erfolgreich gemindert. Wegen der aktivierenden Wirkung wird Modafinil jedoch auch als Smart Drug missbraucht. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 90 Prozent des hergestellten Modafinils tatsächlich von gesunden Menschen konsumiert werden.

Schlauer durch langsame Reaktionen?

Studien lieferten bisher allerdings widersprüchliche Ergebnisse zum Einsatz von Modafinil als Neuro-Enhancer. Auch gibt es Hinweise darauf, dass Modafinil die Reaktionszeit bei Leistungstests sogar verlängert. Angeblich sei dies ein Vorteil, weil es die Impulsivität unterdrückt und Menschen eher zu wohlüberlegten Antworten kämen. Aber stimmt das?

Die Wissenschaftler Ahmed Mohamed und Chris Lewis gingen dieser Frage nach und untersuchten die Wirkung von Modafinil in einem Experiment an der Universität Nottingham in England. Den insgesamt 64 gesunden Probandinnen und Probanden wurde entweder Modafinil oder ein unwirksames Placebo im Rahmen einer Doppel-Blind-Studie verabreicht. Wer was bekam, wussten weder die Teilnehmenden noch das Versuchspersonal. In neuropsychologischen Tests sollten die Versuchspersonen anschließend unbeendete Sätze vervollständigen. Dabei wurden Reaktionszeit und Fehlerquote gemessen.

Wirkungsloses Hirndoping

Tatsächlich brauchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter dem Einfluss von Modafinil fast doppelt so lange für eine Reaktion, verglichen mit Personen, die das unwirksame Placebo erhalten hatten. Die Fehlerquote war hingegen bei beiden Gruppen identisch. Modafinil hatte also in diesem Fall keinen leistungssteigernden Effekt, führte aber zu einer bedeutsamen Verlangsamung der Reaktionsfähigkeit.

Lewis und Mohamed stellen deshalb den Einsatz von Modafinil als Neuro-Enhancer in Frage. „Es hat den Anschein, als wenn Modafinil nicht hilfreich ist für gesunde Menschen und sogar ihre Reaktions- und die Denkfähigkeit einschränkt“, sagt Mohamed.

Quellen:
Mohamed AD, Lewis CR (2014). Modafinil Increases the Latency of Response in the Hayling Sentence Completion Test in Healthy Volunteers: A Randomised Controlled Trial. PLoS ONE 9(11): e110639.
The University of Nottingham (13.11.2014). ’Smart’ drugs won’t make smart people smarter.

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