Drugcom: Archiv: Macht Kiffen kreativ?

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Archiv Jahr 2017


17.11.2017

Macht Kiffen kreativ?

Manche Menschen sind der Überzeugung, durch Kiffen kreativer zu werden. Aber stimmt das? In einer Studie aus den USA mussten sich Cannabiskonsumierende dieser Frage stellen.

Goldfisch inmitten grauer Fischer schwimmt gegen den Strom und hat eine Idee

Bild: Romolo Tavani / Fotolia.com

Es gibt kreativ tätige Menschen, die das Gefühl haben, dass Cannabis sie bei ihrem Schaffensprozess unterstützt. So soll Steve Jobs, Gründer der Firma mit dem angebissenen Apfel im Logo, einmal gesagt haben, dass Cannabis ihm hilft, entspannt und kreativ zu sein. Doch hilft Cannabis tatsächlich, Neues zu erschaffen oder haben kreative Menschen eher ein Faible fürs Kiffen?

Die Forscherinnen Emily LaFrance und Carrie Cuttler von der Washington State University haben eine neue Untersuchung zum Zusammenhang zwischen Cannabis und Kreativität vorgelegt. Ihrer Einschätzung nach sei in früheren Studien nicht ausreichend geprüft worden, wie sich Persönlichkeitseigenschaften auf die Beziehung zwischen Cannabis und Kreativität auswirken. Doch wie misst man eigentlich Kreativität?

Definition von Kreativität

Generell könne Kreativität laut LaFrance und Cuttler als eine Fähigkeit definiert werden, mit der wir neuartige und relevante Lösungen für ein Problem entwickeln. Zwei Kategorien von Kreativität werden unterschieden: Divergentes und konvergentes Denken. Divergentes Denken ist die Fähigkeit, vielfältige mögliche Lösungen für ein Problem zu entwerfen. Konvergentes Denken hilft, für eine Problemstellung die richtige Lösung zu finden.

In der Studie wurden zwei Tests eingesetzt, mit denen die Fähigkeit zum divergenten und konvergenten Denken gemessen wurde. Im Test zum divergenten Denken hatten die Versuchspersonen eine Minute Zeit, sich alternative Dinge einfallen zu lassen, die man z. B. mit einer Zeitung machen kann. Im Test zum konvergenten Denken hatten die Teilnehmenden die Aufgabe, das Lösungswort zu finden, das drei scheinbar unzusammenhängende Begriffe miteinander verbindet. Für die Begriffe „Schweiz“, „Hütte“ und „Kuchen“ lautete das Lösungswort beispielsweise „Käse“, also Schweizer Käse, Hüttenkäse und Käsekuchen.

721 Studierende waren an der Studie von LaFrance und Cuttler beteiligt. Das Durchschnittsalter lag bei 20 Jahren. Von den Teilnehmenden konsumierten 412 Cannabis, 309 hatten noch nie gekifft oder nur geringfügig Erfahrung mit Cannabis. Die Teilnehmenden absolvierten zum einen die genannten Tests zur Kreativität. Zum anderen wurden sie gebeten einzuschätzen, für wie kreativ sie sich halten und wie viele kreative Produkte - beispielsweise Artikel, Bücher, Kunst oder Musik -  sie in der Vergangenheit erschaffen haben. Anzumerken ist, dass die Teilnehmenden zum Testzeitpunkt völlig nüchtern sein mussten.

Keine Unterschiede bei kreativen Leistungen der Vergangenheit

Den Selbsteinschätzungen zufolge, halten sich die Kiffer unter den Befragten für kreativer als andere Menschen. Wenn sie aber dazu gefragt wurden, wie viele kreative Produkte sie erschaffen haben, so zeigten sich keine Unterschiede zwischen den Untersuchungsgruppen. Halten sich Kiffer also nur für kreativer, sind es aber in Wirklichkeit gar nicht?

Der Test zum divergenten Denken erbrachte ebenfalls keine Unterschiede zwischen Konsumierenden und Nicht-Konsumierenden. Immerhin zeigten Cannabiskonsumierende aber bessere Leistungen im Test zum konvergenten Denken. Sie waren also besser in der Lage, richtige Lösungen bei einer Aufgabe zu finden, die zielgerichtetes Assoziieren erforderte.

Offenheit für neue Erfahrungen

Mit einem weiteren Fragebogen hatten LaFrance und Cuttler zudem Persönlichkeitseigenschaften erfasst. Das sind grundlegende Merkmale einer Person wie Neurotizismus, Extrovertiertheit oder die Offenheit für neue Erfahrungen. Ein Vergleich beider Gruppen machte deutlich, dass Cannabiskonsumierende sich unter anderem offener zeigen für neue Erfahrungen. Wurde diese Eigenschaft rechnerisch in den Analysen berücksichtigt, verschwanden die im Test zum konvergenten Denken ermittelten signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.

Die Schlussfolgerung lautet: Cannabiskonsumierende zeigen nur teilweise kreativere Leistungen. Diese sind aber vermutlich nicht auf den Konsum von Cannabis zurückzuführen. Denn die Verbindung zwischen Cannabis und Kreativität verschwindet, wenn berücksichtigt wird, dass die untersuchten Cannabiskonsumierenden generell offener sind für neue Erfahrungen.

Cannabis trage somit wahrscheinlich nicht ursächlich zu einer gesteigerten Kreativität bei. Vielmehr seien es vermutlich ohnehin kreative Menschen, die offen dafür sind, Cannabis zu konsumieren. Die Frage, ob die Personen womöglich im akuten Rauschzustand tatsächlich kreativere Leistungen abliefern, kann die Studie hingegen nicht beantworten. Allerdings besteht auch Grund zur Annahme, dass zu viel Drogenkonsum Kreativität zerstören kann.


Quelle:
LaFrance, E. M. & Cuttler, C., (2017). Inspired by Mary Jane? Mechanisms underlying enhanced creativity in cannabis users. Consciousness and Cognition, 56, 68-76.

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