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Drugcom: Archiv: Schlafentzug für die Wissenschaft

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News-Archiv


Archiv Jahr 2009


20.11.2009

Schlafentzug für die Wissenschaft

In zahlreichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Ecstasykonsum einen negativen Einfluss auf Gedächtnisleistungen hat. Dieser Effekt wird in der Regel zurückgeführt auf Schädigungen bestimmter der Nervenzellen im Gehirn. Ein Forschungsteam der John Hopkins School of Medicine hat eine neue Hypothese aufgestellt, demzufolge das verminderte Erinnerungsvermögen zumindest teilweise verursacht wird durch Schlafstörungen, die wiederum Resultat des Ecstasykonsums sind. Zur Überprüfung der Hypothese wurde ein Experiment mit Schlafentzug durchgeführt.

Auch das Forschungsteam um Studienleiterin Una McCann geht davon aus, dass Ecstasy Schäden im Gehirn verursacht, besonders in den Bereichen, in denen Serotonin als Neurotransmitter dient. Jedoch weisen sie darauf hin, dass die gefundenen Unterschiede zwischen Ecstasykonsumierenden und Nichtkonsumierenden eher gering sind. Zudem sei bekannt, dass die Schlafqualität bei Ecstasykonsumierenden abnimmt. Da Schlafstörungen ebenfalls zu Fehlern in Gedächtnistests führen, favorisiert das Forschungsteam die Hypothese, dass die verminderten Gedächtnisleistungen von Ecstasykonsumierenden sich zumindest teilweise durch deren Schlafprobleme erklären lassen.

Zur Überprüfung ihrer Annahme führte das Team ein Experiment durch, in dem die Auswirkung eines 40-stündigen Schlafentzugs untersucht wurde. Hieran waren 19 Ecstasykonsumentinnen und -konsumenten beteiligt, die an mindestens 25 Anlässen Ecstasy konsumiert haben. Im Schnitt konsumierten sie seit fast fünf Jahren etwa sechs Mal pro Monat. Zur Kontrolle wurden 21 Personen einer Kontrollgruppe eingeladen, die auch Drogenerfahrung aufwiesen, aber ohne Ecstasy. Für alle galt, dass zwei Wochen vor Beginn der Untersuchung keine Drogen konsumiert werden durften. Die Einhaltung dieser Bedingung wurde mittels Urinkontrolle überprüft. Alle Versuchspersonen waren hinsichtlich Alter, Geschlecht und Intelligenz vergleichbar.

In den fünf Tagen der Studiendurchführung mussten die Probandinnen und Probanden dreimal täglich ihre Hirnleistungen in Tests unter Beweis stellen. Am dritten Tag begann das eigentliche Experiment. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durften nun für 40 Stunden nicht mehr schlafen. Während dieser Zeit wurden die Tests zur kognitiven Leistungsfähigkeit fortgesetzt.

Zusätzlich maß das Forschungsteam die so genannte Impulsivität. Diese ergab sich aus dem Durchschnittswert korrekt ausgeführter Aufgaben und der Anzahl beantworteter Fragen pro Minute. Personen, die Aufgaben schnell, aber falsch erledigten, hatten eine hohe Impulsivität. Wurden die Aufgaben langsam, aber richtig beantwortet, ergab das niedrige Impulsivitätswerte.

Die Personen der Ecstasygruppe zeigten schon vor Beginn des Schlafentzugs etwas schlechtere kognitive Leistungen als die Kontrollgruppe. Während des eigentlichen Experiments zeigte sich, dass die Ecstasykonsumierenden stärker von den Effekten des Schlafentzugs betroffen waren als die Kontrollgruppe. Analysen konnten zudem aufzeigen, dass die Defizite in der kognitiven Leistungsfähigkeit sich in erster Linie durch eine erhöhte Impulsivität erklären ließen. Üblicherweise würden gesunde Menschen Aufgaben bei Schlafentzug langsamer ausführen, um den Konzentrationsmangel auszugleichen. Die Ecstasykonsumierenden reagierten auf Müdigkeit jedoch mit Hektik und produzierten in der Folge mehr Fehler.

Besonders auffällig seien die Unterschiede zwischen den Untersuchungsgruppen bei Aufgaben gewesen, die eine gleichbleibende Aufmerksamkeit erforderten. Die Forscherinnen und Forscher vermuten, dass ein Effekt der als Mikroschlaf bekannt ist, dazu beigetragen hat, dass die übermüdeten Personen der Ecstasygruppe bestimmte Aufgaben regelrecht „verschlafen“ haben.

In ihrem Fachartikel erklären die Autorinnen und Autoren, dass die üblicherweise eher kleinen Unterschiede zwischen Ecstasykonsumierenden und Kontrollgruppen vermutlich darauf zurückzuführen sind, dass ausgleichende Prozesse im Gehirn die Defekte überdecken. Erst wenn Stress hinzukommt, wie beispielsweise Schlafentzug, würden diese ausgleichenden Mechanismen außer Gefecht gesetzt, mit der Folge, dass die kognitive Leistungsfähigkeit stärker abfällt.

Quelle:
McCann, U. D., Wilson, M. J., Sgambati, F. P. and Ricaurte, G. A. (2009). Sleep Deprivation Differentially Impairs Cognitive Performance in Abstinent Methylendioxymethamphetamine (“Ecstasy”) Users. The Journal of Neuroscience, November 4, 29(44): 14050-14056. Abstract


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