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Drugcom: Archiv: Defizite durch Ecstasy erst bei schwierigen Aufgaben

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News-Archiv


Archiv Jahr 2011


08.04.2011

Defizite durch Ecstasy erst bei schwierigen Aufgaben

Seit längerem steht Ecstasy im Verdacht, bestimmte Bereiche des Gehirns zu schädigen. Studien kommen jedoch zu keinem einheitlichen Bild. Ein australisches Forschungsteam hat nun erstmals nachweisen können, dass Gedächtnisdefizite erst bei komplexeren Aufgaben offensichtlich werden.

Schriftzug ÄHM an einer Wand

Bild: kopfkino / photocase.com

Trotz zahlreicher Studien, in denen die Neurotoxizität von Ecstasy untersucht wurde, lässt sich noch keine klare Aussage hierzu ableiten. Zwar gibt es Hinweise - vor allem aus Tierexperimenten - dass Ecstasy Schäden vor allem in den serotonergen Nervenzellen verursacht, allerdings gibt es widersprüchliche Befunde, wenn es um die konkreten Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit geht. Erst kürzlich berichteten wir über eine Studie, in der Ecstasykonsumierende im Rahmen von kognitiven Leistungstests kaum schlechter abschnitten als Kontrollpersonen.

Ein australisches Forschungsteam um Studienleiter John Brown von der Australien National University vermutet, dass sich die teils widersprechenden Forschungsergebnisse unter anderem auf die unterschiedliche Komplexität der verwendeten Testaufgaben zurückzuführen lassen. Sie gehen davon aus, dass Ecstasykonsumierende bei Aufgaben mit höherer Komplexität schlechter abschneiden, weil sie gewissermaßen ans kognitive Limit gehen müssen. Erst dann würden sich kleine Defekte auch bemerkbar machen.

Zur Überprüfung ihrer Annahme führte das Forschungsteam unterschiedlich anspruchsvolle Gedächtnistests durch, an denen 94 Ecstasykonsumierende, 32 Cannabiskonsumierende ohne Ecstasykonsum und 96 abstinente Kontrollpersonen teilnahmen.

Die Ergebnisse bestätigten die Ausgangshypothese: Während sich bei den einfachen Gedächtnisaufgaben keine Unterschiede zwischen den Untersuchungsgruppen abzeichneten, wurden mit zunehmender Komplexität der Aufgabe Differenzen sichtbar. So schnitten Ecstasykonsumierende zum Beispiel schlechter bei der freien Wiedergabe von zuvor gelernten Wörtern ab, wenn die Begriffe assoziativ miteinander verbunden waren. Die ideale Merk-Strategie besteht normalerweise darin, inhaltlich zusammenhängende Wörter - wie z. B. Auto und Reifen - im Gedächtnis zu gruppieren und entsprechend wiederzugeben. Ecstasykonsumierende waren jedoch weniger gut in der Lage, derartige Strategien zu verwenden als Kontrollpersonen.

Besonders bemerkenswert war, dass sich die Personen der Ecstasygruppe auch bei mehrfachen Durchläufen desselben Tests nicht verbesserten, wohingegen Cannabiskonsumierende bei mehreren Lernvorgängen an das Niveau von abstinenten Kontrollpersonen herankamen.

Dies sei der erste Beleg dafür, dass Ecstasykonsumierende kognitive Defizite bei zunehmender Aufgabenkomplexität aufweisen, betont das Forschungsteam in ihrem Artikel, der im Fachmagazin Psychopharmacoloy veröffentlichten wurde. Dies weise auf eine neurotoxische Wirkung von Ecstasy beim Menschen hin. In zukünftigen Studien gelte es, mit Hilfe von bildgebenden Verfahren herauszufinden, welche Hirnareale konkret betroffen sind.

Quelle:
Brown, J., McKone, E. & Ward, J. (2010). Deficits of long-term memory in ecstasy users are related to cognitive complexity of the task. Psychopharmacology, 209, 51-67. Zusammenfassung


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