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Drugcom: Archiv: Kognitive Kakophonie durch Kiffen

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News-Archiv


Archiv Jahr 2011


11.11.2011

Kognitive Kakophonie durch Kiffen

„Was wollte ich gerade noch sagen?“ Beim Kiffen kann das Kurzzeitgedächtnis schon mal eine Auszeit nehmen. Wenn Cannabiskonsumierende „die Peilung verlieren“, laufen für Neurowissenschaftler allerdings interessante Prozesse im Gehirn ab. Britische Forscher haben herausgefunden, dass die koordinierte Zusammenarbeit verschiedener Hirnareale beim Kiffen gewissermaßen aus dem Takt kommt. Diese Effekte würden Ähnlichkeiten mit den Symptomen einer Schizophrenie aufweisen.

Junger Mann mit großer Sonnenbrille mit grünem Rand lacht

Bild: froodmat / photocase.com

Neuartige Ideen und Einsichten, „bahnbrechende“ Erkenntnisse und abrupte Gedankensprünge - während des Konsums von Cannabis können die üblichen Denkmuster ordentlich aus den Fugen geraten. Manche Konsumierende streben genau diese Wirkung an. Aus neurowissenschaftlicher Perspektive ist der Effekt jedoch die Folge eines gestörten Zusammenspiels unterschiedlicher Hirnareale.

Grundsätzlich könne man sich das Gehirn wie ein philharmonisches Orchester vorstellen, heißt es in der Pressemitteilung der Universität Bristol. Unterschiedliche Instrumente wie Bass, Geige und Posaune würden durch einen zentralen Taktgeber, den Dirigenten, in Einklang gebracht, so dass sich ein harmonischer Klang ergibt. Die verschiedenen Areale im Gehirn würden ebenfalls nur dadurch koordiniert zusammenarbeiten können, indem sie sich auf die gleiche Taktfrequenz einstimmen.

Matt Jones und seine Kollegen haben mit Hilfe spezieller Messverfahren beobachtet, welche Effekte ein synthetisches Cannabinoid, das dem Cannabiswirkstoff THC ähnlich sei, auf die Hirnaktivität hat. Dazu gaben sie Ratten das Cannabinoid CP55940 und beobachteten, wie sich die Tiere in einem speziellen Labyrinth orientierten. Gleichzeitig maßen die Forscher die elektrische Aktivität einzelner Hirnareale.

Hirnareale „funken“ auf unterschiedlichen Frequenzen

Die Messungen ergaben zunächst, dass der Frequenzbereich einzelner Hirnareale nur geringfügig beeinflusst wurde. Hingegen wurde die Verbindung zwischen Hirnregionen stark gestört, besonders zwischen dem Hippocampus und dem präfrontalen Cortex. Statt synchron zusammenzuarbeiten „funkten“ die Areale auf unterschiedlichen Frequenzen. Bei einem Orchester würde man von Kakophonie statt von Harmonie sprechen, wenn die Instrumente wild durcheinander spielen.

Sowohl der Hippocampus als auch der präfrontale Cortex würden eine wichtige Rolle bei der Gedächtnisbildung und Entscheidungsfindung spielen. Die Forscher betonen, dass beide Hirnareale auch bei Personen betroffen sind, die an der Schizophrenie erkrankt sind. Das ist eine spezielle Form der Psychose. Cannabiskonsum könne auch Symptome auslösen, die der Schizophrenie ähnlich sind.

Die Ergebnisse würden somit nicht nur neue Einblicke darin geben, wie das Denken und Handeln einer rhythmischen Hirnaktivität unterliegt. Sie könnten möglicherweise auch ein Ansatz für die Behandlung bestimmter psychiatrischer Erkrankungen wie der Schizophrenie sein. Ziel könnte es sein, aus dem Takt gekommene Hirnregionen durch geeignete Maßnahmen wieder in einen harmonischen Rhythmus zu versetzen.

Quellen:


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