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Drugcom: Archiv: Missbrauchserfahrungen und Cannabisabhängigkeit

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News-Archiv


Archiv Jahr 2011


15.07.2011

Missbrauchserfahrungen und Cannabisabhängigkeit

Die frühe Kindheit gilt als eine besonders sensible Phase für die Persönlichkeitsentwicklung des Menschen. Traumatische Erfahrungen in dieser wichtigen Lebensphase können langfristig negative Folgen für die betroffene Person haben und zur Entstehung einer Substanzabhängigkeit beitragen. Ein Forschungsteam aus den USA hat nun in einer Längsschnittstudie untersucht, wie diese Erfahrungen zu einer Cannabisabhängigkeit führen können.

Verzweifelter junger Mann mit grauer Kapuze, der sein Gesicht mit seinen Händen bedeckt.

Bild: Sami Suni / iStockphoto.com

Als besonders traumatische Erfahrungen gelten Misshandlungen im Kindesalter. Dazu gehören neben dem sexuellen Missbrauch oder der Anwendung physischer Gewalt auch die emotionale Misshandlung oder die Vernachlässigung von Kindern. Zusammenhänge zwischen Misshandlungserfahrungen in der Kindheit und einer späteren Substanzabhängigkeit betroffener Personen wurden bereits in mehreren Studien beobachtet. Doch wie genau sehen diese Zusammenhänge aus? Und wie lässt sich in solchen Fällen die Entwicklung einer späteren Abhängigkeit erklären?

Diese Fragen wurden in einer aufwendigen Studie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern um Assaf Oshri untersucht. Das Team befragte 415 Kinder über einen Zeitraum von etwa sieben Jahren jeweils im Alter von 8, 11 und 14 Jahren. Ein Großteil der Kinder hatte bereits vor dem ersten Kontakt zum Forschungsteam Missbrauchserfahrungen durchlitten. Sie wurden mit einer Gruppe von Kindern verglichen, die keine traumatischen Erfahrungen erlebt hatten, ansonsten aber gut mit ihnen vergleichbar war.

Hoher Anteil Cannabisabhängiger bei Missbrauchserfahrung

Wie von den Forscherinnen und Forschern erwartet, zeigte sich nach der letzten Erhebung, dass in der Gruppe der Jugendlichen mit zurückliegender Misshandlungserfahrung mit 23 Prozent deutlich mehr Jungen und Mädchen Symptome einer Cannabisabhängigkeit zeigten, verglichen mit 15 Prozent in der Kontrollgruppe. Basierend auf den erhobenen Daten konnten Faktoren identifiziert werden, die eine Erklärung für die Ursachen dieses Unterschieds liefern. Dabei spielte die Persönlichkeitsentwicklung eine zentrale Rolle.

Kinder mit Misshandlungserfahrungen zeigten zum ersten Erhebungszeitpunkt, zu dem sie etwa 8 Jahre alt waren, eine eher unterkontrollierte Persönlichkeit. Sie agierten und reagierten übertrieben impulsiv und emotional. Gleichzeitig waren sie in diesem Alter weniger gut in der Lage, sich auf unterschiedliche Situationen angemessen einzustellen. Mit etwa 11 Jahren zeigten diese Kinder deutlich mehr Aggressionen und unsoziales Verhalten. Statistisch konnte nachgewiesen werden, dass dieses aggressive Verhalten durch die unterkontrollierte Persönlichkeit im Alter von 8 Jahren bedingt war. Bei der letzten Erhebung, im Alter von etwa 14 Jahren, konnte schließlich ein signifikanter Zusammenhang der unsozialen Verhaltensweisen und den vorhandenen Symptomen einer Cannabisabhängigkeit festgestellt werden.

Nicht alle Faktoren wurden berücksichtigt

Bei der Interpretation und Einordnung dieser Erkenntnisse sind jedoch einige Einschränkungen zu beachten. Denn die Ursachen, die zum Cannabismissbrauch oder zu einer Cannabisabhängigkeit führen, sind vielfältig und vor allem individuell sehr verschieden. Im Rahmen der Studie konnten längst nicht alle relevanten Faktoren berücksichtigt werden. So blieb beispielsweise der Einfluss des Freundeskreises (Peers) unberücksichtigt. Auch wurde ausschließlich der Cannabiskonsum erfasst, nicht aber der Konsum anderer Drogen.

Insbesondere sollten die Ergebnisse der Studie nicht zu der Annahme verleiten, eine Cannabisabhängigkeit sei ein sicherer Anhaltspunkt für eine zurückliegende Missbrauchserfahrung. Vielmehr zeigt die Studie, dass eine Kindesmisshandlung langfristige negative Folgen haben kann. Im Rahmen der Entwicklung ihrer Persönlichkeit stoßen betroffene Kinder und Jugendliche in ihrem Umfeld immer wieder auf Probleme, die sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln nicht lösen können. Und aufgrund dieser mangelnden Anpassungsfähigkeit greifen sie häufiger zum Joint.

Die Ergebnisse der Studie unterstreichen somit vor allem die Relevanz von Frühinterventionen. Neben der gezielten Stärkung und der Verbesserung des Familienklimas und der Mutter-Kind-Bindung, fordern die Forscherinnen und Forscher auch den Einsatz gezielter Interventionen zur positiven Beeinflussung relevanter Persönlichkeitsfaktoren und prosozialer Verhaltensweisen.

Quelle:
Oshri, A., Rogosch, F. A., Burnette, M. L., & Cicchetti, D. (2011). Developmental Pathways to Adolescent Cannabis Abuse and Dependence: Child Maltreatment, Emerging Personality, and Internalizing Versus Externalizing Psychopathology. Psychology of Addictive Behaviors. Advance online publication. doi: 10.1037/a0023151. Zusammenfassung

1 Kommentar

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Mr. Burns, 15. Juli 2011 15:33 Uhr
In Anbetracht dieser Studie ist es umso wichtiger, einen legalen Status für Cannnabis zu erreichen, um Jugendschutz überhaupt möglich zu machen.
Erst wenn der Staat Einfluss auf den Markt hat können auch Altersgrenzen und effektive Suchtprävention eingerichtet werden.
Statt zu sagen "macht das nicht" hilft es meist mehr zu sagen "macht es NOCH nicht".

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