Drugcom: Archiv: Gen erhöht Psychose-Risiko bei Cannabiskonsum

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News-Archiv


Archiv Jahr 2012


07.12.2012

Gen erhöht Psychose-Risiko bei Cannabiskonsum

Warum werden manche Personen durch Cannabiskonsum anfällig für eine Psychose, andere aber nicht? Ein britisches Forschungsteam hat möglicherweise den Schlüssel zu dieser Frage gefunden. Demnach erhöht eine bestimmte Genvariante das Risiko für eine Psychose durch Cannabis.

Schriftzug "Abteilung für Psychiatrie / Psychotherapie" auf Tür

„Ich bin mir im Nachhinein sicher, dass das Cannabis meine Probleme ausgelöst hat“, sagt Oliver, der zwei Psychosen durchlitten hatte und in einem Video davon berichtet. Viel hat er gekifft, vermutlich genauso viel wie seine Freunde. Doch bei ihm entwickelten sich plötzlich diese merkwürdigen Gedanken, die sich immer mehr verselbständigten, bis er der festen Überzeugung war, er ist der wiedergeborene Jesus.

Ein Forschungsteam vom Kings’s College in London hat möglicherweise den entscheidenden Hinweis gefunden, der erklären könnte, warum manche Kiffer wie Oliver psychotisch werden und andere nicht. Frühere Studien haben bereits nachweisen können, dass Cannabiskonsum das Risiko für eine Psychose erhöht. Allerdings wird tatsächlich nur ein kleiner Teil der Konsumierenden psychotisch. Studienleiterin Marta Di Forti und ihr Team vermuteten deshalb, dass Gene eine entscheidende Rolle spielen könnten.

Das Forschungsteam hatte ein bestimmtes Gen im Verdacht. Sie überprüften ihre Hypothese an einer Stichprobe mit gesunden und an Psychose erkrankten Personen. Genau genommen ging es um das Gen AKT1, von dem bekannt ist, dass es mit Schizophrenie in Zusammenhang steht.

7-fach erhöhtes Risiko

Die Fall-Kontroll-Studie ergab, dass Personen, die jemals Cannabis konsumiert haben, ein doppelt so hohes Risiko haben, an einer Psychose zu erkranken, wie Abstinente. Cannabiskonsumierende, die täglich gekifft haben, hatten sogar ein 7-fach höheres Risiko für eine Psychose als Personen, die nie oder nur gelegentlich Cannabis konsumiert haben.

„Unsere Ergebnisse helfen zu erklären, warum der eine Cannabiskonsument eine Psychose entwickelt, während seine Freunde weiter rauchen, ohne Probleme zu bekommen“, erklärt Di Forti. Noch sei es zu früh, daraus einen genetischen Test abzuleiten, der ein erhöhtes Risiko für Psychose ermitteln könnte, erklärt John Krystal, Redakteur der Fachzeitschrift Biological Psychiatry. Aber die Ergebnisse würden den Verdacht erhärten, dass das Psychose-Risiko bei Cannabiskonsum genetisch bedingt ist.

Personen, die wie Oliver merkwürdige Veränderungen an sich wahrnehmen, sollten daher am besten den Konsum einstellen. Der Konsumausstieg selbst könne allerdings bei zuvor starken Konsum auch zu psychotischen Symptomen führen, erklärt die Psychiaterin Jockers-Scherübl im Video. Dann ist ein Entzug unter ärztlicher Aufsicht zu empfehlen.

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