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Drugcom: Archiv: Kiffer machen’s öfter ohne

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News-Archiv


Archiv Jahr 2013


26.07.2013

Kiffer machen’s öfter ohne

Kiffer leben riskanter - zumindest was ihr Sexualverhalten betrifft. In einer US-amerikanischen Studie wurden die Hintergründe beleuchtet, warum Cannabiskonsumierende häufiger auf ein Kondom beim Sex verzichten.

Nahaufnahme einer geöffneten Kondompackung

Bild: Dominik Schwarz / photocase.com

Nicht immer, aber immer öfter - so könnte ein Fazit der BZgA-Studie zur Kondomnutzung unter 16- bis 20-Jährigen lauten. Für immer mehr junge Menschen gehört das Kondom zum Sex dazu. Während 1988 nur 34 Prozent häufig ein Kondom beim Sex benutzt haben, ist der Anteil bis 2012 auf 72 Prozent gestiegen. Ein Teil der jungen Menschen verzichtet beim Sex aber weiterhin auf das „Gummi“. Neben dem Risiko einer ungewollten Schwangerschaft nehmen sie damit auch das Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten in Kauf.

Es mag unterschiedliche Gründe für den Verzicht auf ein Kondom geben. Auch der Konsum von Cannabis gilt als ein Risikofaktor für riskantes Sexualverhalten. Warum ist das so? In einer US-amerikanischen Studie wurde diese Fragestellung näher untersucht.

Raul Gonzalez und sein Team haben 66 Cannabiskonsumierende zu ihrem Sexualverhalten befragt und sie einer Reihe psychologischer Tests unterzogen. Neben dem Gedächtnis wurde auch die so genannte Impulskontrolle überprüft. Wer über eine niedrige Impulskontrolle verfügt, neigt zu spontanen Verhaltensweisen, ohne sich um die Langzeitfolgen des eigenen Tuns zu kümmern.

Schlechte Impulskontrolle

Erwartungsgemäß zeigte sich, dass starker Cannabiskonsum sowohl mit riskantem Sexualverhalten als auch mit negativen Konsequenzen wie unerwünschten Schwangerschaften oder sexuell übertragbare Erkrankungen in Zusammenhang steht. Allerdings gilt dies nur, wenn die Kiffer generell zu impulsivem Verhalten neigen und eher bereit sind, Risiken einzugehen.

Überraschend für das Forschungsteam war, dass sich die Merkfähigkeit ebenfalls als bedeutsamer Vermittler zwischen Cannabiskonsum und riskantem Sexualverhalten herausgestellt hat: Je schlechter das kurzzeitige Erinnerungsvermögen war, desto eher verzichteten die Beteiligten auf Kondome beim Sex. Allerdings geht das Forschungsteam weniger davon aus, dass das Kondom vergessen wird. Vielmehr vermuten sie, dass sowohl die verminderte Impulskontrolle als auch die verringerte Merkfähigkeit die gleichen neuronalen Wurzeln im Hippocampus haben. Bekannt ist, dass es bei starkem Cannabiskonsum zu strukturellen Veränderungen im Bereich des Hippocampus kommen kann. Der Hippocampus spiele nach Angaben des Forschungsteams sowohl bei der Impulskontrolle als auch der Merkfähigkeit eine wichtige Rolle. So erfordere die Handlungskontrolle das Abrufen von Informationen aus dem Gedächtnis, um die Vor- und Nachteile des Handelns abwägen zu können.

Zusammenfassend schlussfolgert das Forschungsteam, dass Cannabiskonsum nicht generell zu riskantem Sexualverhalten führt, sondern vor allem eine verringerte Impulskontrolle dafür verantwortlich zu sein scheint, dass Kiffer dazu neigen, die Risiken von ungeschütztem Sex zu unterschätzen.

Wer sich dennoch besser schützen will, sollte sich die möglichen langfristigen Folgen bereits im Vorfeld bewusst machen und über sexuell übertragbare Krankheiten informieren, beispielsweise unter www.machsmit.de.

Quellen:

  • Schuster, Randi Melissa, Crane, Natania A., Mermelstein, Robin & Gonzalez, Raul (2012). The influence of Inhibitory Control and Episodic Memory on the Risky Sexual Behavior of Young Adult Cannabis Users. Journal of the International Neuropsychological Society, 18 (5), 827-833. Volltext
  • BZgA (2013). AIDS im öffentlichen Bewusstsein der Bundesrepublik Deutschland 2012. Kurzbericht. PDF
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