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26.05.2017

Zwangsstörung könnte Missbrauch von Cannabis fördern

Eine US-Studie liefert Hinweise, dass Personen mit Zwangsstörungen besonders gefährdet sind, Cannabis zur Stressminderung zu missbrauchen.

Blaue und rote Schreibtischutensilien angeordnet

Bild: joto / photocase.de

Habe ich den Herd ausgemacht und die Haustür abgeschlossen? Solche Gedanken sind durchaus normal. Bei Zwangsstörungen bekommen Gedanken oder Handlungen aber eine Art Eigenleben. Der Herd oder die Haustür müssen immer wieder kontrolliert werden. Daraus kann sich ein Ritual entwickeln. Es gibt auch zwanghaftes Zählen, Zwangsgedanken, Waschzwang oder den Drang, Gegenstände immer auf eine bestimmte Weise ordnen zu müssen.

Die Betonung liegt auf „müssen“. Denn obwohl den Betroffenen die Unsinnigkeit ihrer Handlungen bewusst ist, unterliegen sie dem Zwang, es trotzdem tun zu müssen. Meist schämen sie sich hierfür und versuchen ihre Zwangssymptome zu verbergen. Schätzungen zufolge leiden rund 2 Prozent der Bevölkerung unter einer Zwangsstörung. In welchem Zusammenhang könnte Cannabiskonsum mit Zwangsstörungen in Verbindung stehen?

Selbstbehandlung mit Cannabis?

Alexander Spradlin und sein Team haben diese Frage untersucht, da Cannabis von manchen Personen auch dazu benutzt wird, unangenehme Gefühle oder Stimmungen zu dämpfen. So ist beispielsweise bekannt, dass Cannabiskonsumierende mit Angststörungen dazu neigen zu kiffen, um sich Linderung zu verschaffen. Gibt es etwas Vergleichbares womöglich auch bei Zwangsstörungen?

Spradlin und sein Team haben dazu eine Online-Befragung unter 430 Studierenden der Psychologie durchgeführt. In der Umfrage wurden die Fragen eines speziellen Fragebogens zur Erfassung von Zwangsstörungen so eingestreut, dass nicht sofort erkennbar war, welchen Hintergrund die Befragung hatte. Alle Teilnehmenden hatten Erfahrung mit Cannabis.

Auf den ersten Blick zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Zwangsstörungen. Weder die Konsumhäufigkeit noch die konsumierte Menge Cannabis hatte einen bedeutsamen Bezug zu Symptomen wie Zwangsgedanken, zwanghaftes Ordnen oder das Horten von Dingen. Studierende mit Zwangssymptomen betrieben aber häufiger Cannabismissbrauch. Das heißt, sie haben häufiger bereits negative Folgen des Kiffens erlebt, konsumieren aber weiter.

Forschungsteam empfiehlt Konsumverzicht bei Zwangsstörungen

Eine vertiefende Analyse der Daten legt zudem die Vermutung nahe, dass Cannabis von Konsumierenden dazu benutzt wird, den Stress zu bewältigen, den sie durch ihre Zwangsstörungen erleben. Dieses Konsummuster birgt allerdings das Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung.

Das Forschungsteam zieht daraus die Schlussfolgerung, dass Personen mit Zwangsstörungen nicht unbedingt häufiger kiffen als nicht betroffene Personen. Sie entwickeln aber vermutlich mit höherer Wahrscheinlichkeit Probleme infolge des Konsums. Daher raten sie Personen mit Zwangsstörungen, auf den Konsum von Cannabis zu verzichten. Psychotherapeutische Verfahren wären in diesem Falle empfehlenswert.


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