Drugcom: Topthema: Macht Cannabis doch nicht verrückt?

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Topthema

Macht Cannabis doch nicht verrückt?

September 2014

Weltweit erwischt es etwa einen von Hundert. Das Risiko, an Schizophrenie zu erkranken, ist für alle Menschen mehr oder weniger gleich hoch. Bestimmte Risikofaktoren begünstigen den Ausbruch einer Schizophrenie. Cannabiskonsum wird in der Wissenschaft immer wieder als ein Risiko genannt. Doch ist das wirklich so? Eine neue Studie liefert eine alternative Erklärung für den Zusammenhang zwischen Cannabis und Psychose.

Wassertropfen bildet Wellen auf blauem Wasser

Bild: © istock.com / Trout55

Ein Stein fällt ins Wasser. Wellen breiten sich aus. Was Ursache und was Wirkung ist, dürfte klar sein: Der Stein hat Wellen ausgelöst. Doch nicht immer ist so leicht und zweifelsfrei zu erkennen, dass ein bestimmtes Ereignis einen bestimmten Effekt verursacht. Manchmal ist unklar, ob es überhaupt einen ursächlichen Zusammenhang gibt.

Der Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Psychose ist so eine Sache. In der Wissenschaft wird darüber diskutiert, welche Rolle Cannabis bei der Entstehung von Schizophrenie spielt. Tatsache ist: Kiffen kann eine vorübergehende psychotische Episode nach sich ziehen. Dies wurde experimentell durch die Gabe von THC, dem Cannabiswirkstoff, nachgewiesen. Unter den Personen, die an einer Schizophrenie erkranken, gibt es zudem einen deutlich höheren Anteil an Cannabiskonsumierenden, als unter nicht erkrankten Menschen.

Studien haben belegen können, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Psychose bei Cannabiskonsumierenden etwa doppelt so hoch ist wie bei abstinenten Personen. Vor allem der frühe Einstieg in den Konsum sei ein Risiko. Auch wurde eine Dosis-Wirkungs-Beziehung gefunden, sprich: Je mehr gekifft wird, desto wahrscheinlicher wird das Auftreten einer Psychose. Kann man also sagen, dass Kiffen verrückt macht?

Eine Reihe von Übersichtsarbeiten hierzu sagen: „Jein“. „Ja“, Cannabis erhöhe das Risiko für die Entstehung einer dauerhaften Psychose und „nein“, Kiffen alleine reiche hierfür nicht aus. Ansonsten müssten es viel mehr Personen sein, die an Schizophrenie erkrankt sind. Denn immerhin haben etwa drei bis vier von zehn jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren schon einmal gekifft. Cannabiskonsum sei aber gewissermaßen der Tropfen, der bei psychosegefährdeten Personen das Fass zum Überlaufen bringt. Die Annahme, die dieser Aussage zugrunde liegt lautet dennoch: Cannabis ist eine Ursache für Psychose - und nicht umgekehrt.

Schizophrenie vor allem genetisch bedingt

Ein Forschungsteam um Studienleiter Robert Power hat überprüft, ob der Zusammenhang zwischen Cannabis und Psychose tatsächlich nur in eine Richtung zeigt. Sie verweisen auf eine Studie aus dem Jahre 2005. Darin wurden Hinweise für einen umgekehrten Zusammenhang gefunden: Drogenunerfahrene Kinder und Jugendliche, die psychotische Symptome oder zumindest Vorläufer davon hatten, griffen später signifikant häufiger zu Cannabis.

Verkompliziert wird das Phänomen durch Erkenntnisse aus der Schizophrenie-Forschung. Denn die Erkrankung sei größtenteils genetisch bedingt. Ebenso gibt es Studien, die einen genetischen Hintergrund für die Entwicklung einer Cannabisabhängigkeit zugrunde legen. Gibt es hier womöglich einen gemeinsamen Nenner, also Gene, die sowohl mit Psychose als auch mit Cannabiskonsum zusammenhängen?

Blutproben geben Aufschluss

Robert Power und sein Team haben den Einfluss der Gene genauer unter die Lupe genommen. Grundlage ihrer Studie waren die Daten von 2.082 gesunden Personen, die an Zwillingsstudien teilgenommen hatten. Von denen Teilnehmenden lagen sowohl Blutproben als auch Angaben zu ihrem Cannabiskonsum vor. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden hatte mindestens einmal im Leben gekifft, im Schnitt 63-mal.

Anhand der Blutproben ermittelte das Forschungsteam das so genannte polygenetische Risiko für Schizophrenie. Aus der Forschung am menschlichen Genom ist bekannt, dass eine Reihe von Genen eng mit der Entstehung einer Schizophrenie in Zusammenhang steht. Für jeden Teilnehmer und jede Teilnehmerin konnte somit das genetisch-bedingte Risiko für Schizophrenie ermittelt werden.

Gene beeinflussen unser Verhalten

Das Forschungsteam hat errechnet, dass Personen mit einem hohen genetischen Risiko für Schizophrenie auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit schon mal Cannabis konsumiert haben. Sie fanden sogar eine Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je stärker das genetische Psychose-Risiko ausgeprägt war, desto mehr hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie gekifft.

Gene, die an der Entstehung der Schizophrenie beteiligt sind, erhöhen also auch die Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine Person kifft. Die Möglichkeit, dass Cannabis eine Psychose auslösen kann, ist damit zwar nicht vom Tisch, der umgekehrte Einfluss ist aber ebenfalls denkbar: Eine der Person innewohnende Neigung zur Psychose kann dazu führen, dass sie sich für Cannabis interessiert.

Powers erklärt: „Wir wissen, dass Cannabis das Risiko für Schizophrenie erhöht. Unsere Studie schließt das nicht aus, aber sie zeigt, dass es vermutlich auch einen Zusammenhang in die andere Richtung gib - dass eine Prädisposition für Schizophrenie ebenfalls die Wahrscheinlichkeit für Cannabiskonsum erhöht.“

Fazit

Auch wenn das Kiffen der Schizophrenie häufig vorausgeht, Cannabis ist nicht zwangsläufig Ursache der Psychose. Vielmehr ist Cannabis selbst ein Verhalten, dass bis zu einem gewissen Maße nicht zufällig ist. Menschen würden sich ihre Umwelt gezielt auswählen oder nach ihren Vorstellungen beeinflussen, sagt Power, und dieses Verhalten werde unter anderem gesteuert durch unsere Gene.

Quellen:

1 Kommentar

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Joe nohopeindope.de, 29. August 2014 09:35 Uhr
Zum Thema Cannabis und Psychose kann ich Folgendes aus eigener Erfahrung beisteuern: Ich bin mit der Diagnose Endogene Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis in den 70er Jahren bis Anfang der 80er ein Dutzend Male in ein Landeskrankenhaus zwangseingewiesen worden (LKH Göttingen, Osnabrück (5 x), LKH Erlangen, Bremen-Ost (2 x) usw.). Auslöser jeweils erheblicher Konsum von Cannabis (Hardcore-Kiffen) und LSD. Zuletzt genügten das Rauchen eines einzigen Joints oder Haschpfeifchens, um einen erneuten heftigen schizophrenen Schub auszulösen (So als ob ein Schalter im Gehirn umgelegt worden wäre.). 1982 habe ich dann jeglichen Drogenkonsum konsequent eingestellt und die Erkrankung ist nie wieder aufgetreten.

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