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Drugcom: Topthema: Akute Risiken des Ecstasykonsums

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Topthema

Akute Risiken des Ecstasykonsums

Februar 2012

„Ich fühlte mich innerlich völlig rein, und es gab nichts mehr außer reiner Euphorie.“ Mit sichtlicher Begeisterung hat der Chemiker Alexander Shulgin die Wirkung von MDMA in seinem Buch PIHKAL beschrieben. Was er sicherlich noch nicht ahnen konnte, ist die Tatsache, dass die Droge eine große Verbreitung in der Party-Szene erfahren und dabei auch die Kehrseite der Medaille zum Vorschein kommen wird. Denn der Konsum des vermeintlich harmlosen Aufputschers kann fatale Folgen haben.

Weiße Ecstasypille mit eingeprägter Rakete als Symbol vor blauem Hintergrund

Bild: leviticus / istockphoto.com

„Knuddeldroge“ mit Nebenwirkungen

Alexander Shulgin hat die Droge zwar nicht als erster hergestellt, er hat MDMA 1965 aber wiederentdeckt und als einer der ersten selbst konsumiert. Ihm ist es wohl auch zuzuschreiben, dass MDMA Eingang in die Psychotherapeutenszene in Kalifornien gefunden hat - als es noch legal war. Denn die Wirkung von MDMA ist nicht nur stimulierend, sie ist vor allem durch den so genannten empathogenen Effekt geprägt: Durch MDMA werden emotionale Hemmungen abgebaut, und es verstärkt das Bedürfnis der Nähe zu anderen Menschen. Dies scheint aber nicht in erster Linie sexuell motiviert zu sein. „Es ist mehr eine Knuddeldroge, als eine Liebesdroge“, schreibt die Pharmakologin Leslie Iversen in ihrem Fachbuch zu Amphetaminen.

Shulgin hatte vermutlich noch keine Vorstellung davon, wie stark sich MDMA später verbreiten und unter dem Slangnamen Ecstasy zur Modedroge in der Party-Szene entwickeln wird. Die Erfahrungen aus der psychotherapeutischen Anwendung nährten den Mythos, dass es sich bei Ecstasy um eine sichere Droge handele. Mit der zunehmenden Verbreitung häuften sich allerdings Fälle, in denen Ecstasy ernsthafte Komplikationen verursacht hat. 1991 wurden die ersten Todesfälle berichtet, die auf den Konsum von Ecstasy zurückgeführt wurden.

Tod durch Überhitzung

In einer Meta-Analyse über die Risiken des Ecstasykonsums sammelte ein Forschungsteam um Gabriel Rogers alle verfügbaren Daten zu Todesfällen in Groß-Britannien. Je nach Statistik wurden zwischen 17 und 50 Todesfälle pro Jahr gezählt, in denen Ecstasy mit im Spiel war. Bei 10 bis 17 Todesfällen pro Jahr soll Ecstasy die alleinige Todesursache gewesen sein, überwiegend aufgrund einer Überhitzung (Hyperthermie). Besonders unter ungünstigen Bedingungen, beispielsweise in schlecht klimatisierten und heißen Räumen sowie bei starker körperlicher Beanspruchung wie es bei ausdauerndem Tanzen der Fall ist, steige die Gefahr der lebensgefährlich erhöhten Körpertemperatur.

Fallberichte zeigen jedoch, dass die Körpertemperatur in Ausnahmefällen auch ohne ausgiebige körperliche Anstrengung gefährlich steigen kann. 2011 wurde der Fall eines 19-Jährigen Niederländers veröffentlicht, der mit 42,5 Grad Celsius in die Notaufnahme eingeliefert wurde. Trotz etlicher Rettungsmaßnahmen verstarb er vier Stunden später. Er hatte drei Pillen Ecstasy konsumiert und Alkohol getrunken, sich aber nicht übermäßig körperlich betätigt. Bei einer anschließenden toxikologischen Analyse fand man nur MDMA und keine weiteren Drogen im Blut. Als unmittelbare Todesursache wurde ein Kaliumüberschuss (Hyperkaliämie) im Blut ausgemacht. Kalium ist auf Ebene der Zellen im menschlichen Körper unter anderem für die Steuerung der Muskeltätigkeit verantwortlich. Die Freisetzung von Kalium, das sich normalerweise überwiegend innerhalb der Zellen befindet, kann zu einem Stillstand des Herzmuskels führen.

Bei dem 19-Jährigen wurde der Kaliumüberschuss im Blut vermutlich durch eine Zerstörung von Muskelfasern verursacht (Rhabdomyolyse), die wiederum durch die sehr hohe Körpertemperatur entstanden ist. Zusätzlich zeigten sich auch Anzeichen eines akuten Nierenversagens und einer Verstopfung von Blutgefäßen durch Blutgerinnung.

Derartige Fälle sind jedoch selten, und noch ist unklar, warum es in manchen Fällen zu einer schweren Hyperthermie kommt. Vermutet wird, dass in diesen Fällen mehrere ungünstige Faktoren zusammen kommen. Tatsache ist jedenfalls, dass es bei manchen Menschen tödlich endet.

Akutes Leberversagen auch noch Wochen später

Ebenfalls selten, aber potentiell tödlich ist ein akutes Leberversagen infolge von Ecstasykonsum. Erst kürzlich berichtete ein türkisches Ärzteteam von einem 19-Jährigen, der mit starker Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen in die Notaufnahme eingewiesen wurde. Eine Blutuntersuchung ergab gravierend schlechte Leberwerte. Alle Tests auf typische Ursachen wie Hepatitis A, B, C oder E waren negativ. Erst nach mehrmaligem Nachfragen gab er zu, eine Woche zuvor Ecstasy konsumiert zu haben. Der Patient verstarb schließlich trotz intensivmedizinischer Behandlung aufgrund akuten Leberversagens. Das Ärzteteam vermutet mangels anderer Ursachen, dass Ecstasy dies ausgelöst hat.

Tatsächlich kann es noch Tage oder sogar Wochen nach der Einnahme von Ecstasy zu einem Leberversagen kommen. Auf diesen Umstand verweisen Márcia Carvalho und ihr Forschungsteam in einer Übersichtsarbeit. Ihren Recherchen zufolge gehen bis zu 20 Prozent aller Fälle von Leberversagen bei Personen unter 25 Jahren auf das Konto von Ecstasy.

Carvalho und ihr Team haben alle bekannten Fälle von Leberversagen analysiert. Die bisherigen Fälle von Leberversagen würden deutlich machen, dass es keinen klaren Zusammenhang zwischen der konsumierten Menge und dem Schweregrad der Schäden gibt. Es gibt Fälle, in denen Schäden erst nach längerem intensiven Konsum aufgetreten sind. In anderen Fällen hätten bereits ein oder zwei Pillen zum akuten Leberversagen geführt. Der genaue Mechanismus ist noch nicht vollständig erforscht. Deutlich werde aber, dass manche Menschen besonders empfindlich auf MDMA reagieren.

Ungewisse Wirkstoffmenge

In ihrem Fachartikel haben Carvalho und ihr Team ein weiteres Problem als mögliche Ursache für akute Komplikationen angesprochen. In der Regel dürfte bei illegalem Ecstasy nicht bekannt sein, welcher Wirkstoff und wie viel in den Pillen enthalten ist. In einer australischen Studie beispielsweise zeigt sich, dass zwar überwiegend nur MDMA in den illegal erworbenen Pillen enthalten ist, die Dosis aber von 0 bis 245 mg schwankte. Analysen beschlagnahmter Pillen in Groß-Britannien haben ebenfalls eine große Schwankungsbreite bei der Menge des Wirkstoffs ergeben. Sie reichte von 20 bis 131 mg MDMA. Besonders, wenn Konsumierende „nachwerfen“, also weitere Pillen einnehmen, weil die erste nicht die erwünschte Wirkung erzielt hat oder um die Wirkung zu verlängern, kann es ungewollt zu Überdosierungen kommen.

Mischkonsum

Hinzukommt, dass neben Ecstasy oft noch weitere Drogen konsumiert werden. Doch der Mischkonsum kann weitere Risiken mit sich bringen. So konnte ein portugiesisches Forschungsteam anhand von Zellkulturen nachweisen, dass Alkohol und Ecstasy zusammen die Leber deutlich mehr schädigen als Ecstasy alleine. War zudem die Umgebungstemperatur erhöht, habe der Zelltod nach Angaben der Autorinnen und Autoren der Studie sogar „dramatisch“ zugenommen.

US-amerikanische Forscherinnen und Forscher haben die bisherigen Erkenntnisse zu den Risiken des Mischkonsums von Ecstasy und anderen Drogen in einem wissenschaftlichen Review zusammengetragen. Demnach könne der gemeinsame Konsum von Ecstasy und Amphetamin oder Methamphetamin sogar schwere neurologische Schäden nach sich ziehen. Allerdings sei nicht jeder Mischkonsum tatsächlich auch mit einem höheren Risiko verbunden. Cannabis, so das Ergebnis des Reviews, könne die Gefahr einer Überhitzung sogar etwas abmildern, wobei Cannabis selbst mit weiten Risiken verbunden ist.

Notfälle

Auch wenn akute Komplikationen nicht gleich tödlich enden, können sie zum Notfall werden. In einer Studie aus Israel wurde über einen Zeitraum von sieben Monaten alle Notfälle untersucht, die dem Giftinformationszentrum gemeldet wurden. Die Daten stammen aus fünf geographisch voneinander getrennten Ambulanzen. In diesem Zeitraum wurden 52 Personen registriert, die wegen des Konsums von Ecstasy medizinisch behandelt werden mussten. 15 von ihnen benötigten eine stationäre Behandlung im Krankenhaus, sechs sogar in der Intensivmedizin. Die häufigsten akuten Effekte von Ecstasy waren starke Unruhe, Desorientierung, Zittern, hoher Blutdruck, Kopfschmerzen und Bewusstlosigkeit. Ernsthaften Komplikationen reichten vom Nierenversagen und Hirnödem bis hin zum Koma.

Fazit

Akut lebensbedrohliche Komplikationen durch Ecstasykonsum treten vergleichsweise selten auf. Doch zahlreiche Fallberichte belegen, dass der Ecstasykonsum für einige Menschen tödlich geendet hat. Überhitzung wird als eine der häufigsten Ursachen genannt. Bei manchen Menschen war akutes Leberversagen die Todesursache. Besonders problematisch ist, dass es keinen eindeutigen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zu geben scheint. Manche Menschen scheinen empfindlicher auf MDMA zu reagieren als andere. Wer sich nach dem Konsum von Ecstasy plötzlich schlecht fühlt, sollte daher nicht zögern, einen Notarzt zu rufen oder jemanden zu bitten, dies zu tun. Im Notfall ist schnelle Hilfe das Wichtigste.

Quellen:

1 Kommentar

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jens, 05. Juli 2012 00:23 Uhr
es ist mir völlig rätselhaft, daß in diesem text, wenn schon "schwere neurologische Schäden" erwähnt werden, nicht darauf hin gewiesen wird, daß diese schäden auch in form von extrem starke depressionen incl. selbstmorgedanken und amokphantasien auftreten. ich habe jahrelang extasy geklinkt und mir waren die körperlichen folgen klar, da sie ja überall erwähnt werden. darüber habe ich einfach hinweg gesehen. dass ich schwitze oder mit wahrscheinlichkeit 1 zu 1000 ohmächtig werde, war mir egal. aber daß ich 10 jahre später zum depressiven soziopathen mutiere und damit auch nicht allein bin, hat niemand erwähnt und auch hier finde ich überhaupt keinen hinweis in die richtung. mit anderen worten: dieser text ist unvollständig und beinhaltet nicht die neurologischen spätfolgen, die auftreten können.

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