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 HomeTopthema > Topthema vom März 2012

Topthema

Auszeit vom Kiffen

März 2012

Schon mal ans Fasten gedacht? Traditionell wird von Aschermittwoch bis Ostern gefastet. Das Fasten kann sich im Prinzip auf alle Arten von Konsummitteln beziehen - auch auf Cannabis. Für manche Kiffer fängt der Tag ja schon mit einem Joint an oder hört zumindest mit einem auf. Die Folge ist ein Dauernebel im Gehirn. Da wird das eine oder andere schon mal vergessen, oder wichtige Dinge werden bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Wie wäre es mal mit einer Auszeit vom Kiffen, um wieder klar im Kopf zu werden? Gute Erfolgsaussichten hierfür bietet die Teilnahme an „Quit the Shit“.

Gelber Schriftzug

Bild: clarklb / istockphoto.com

Wer Cannabis konsumiert, tut dies in der Regel nur gelegentlich oder belässt es beim Probierkonsum. Doch der Eine oder die Andere kifft regelmäßig, oft sogar mehrmals am Tag. So manche Dinge des Alltags werden da schon mal vergessen oder verschleppt. Die Konzentration lässt zu wünschen übrig und man erlebt sich selbst, andere Menschen und die Umgebung ständig durch einen Nebelschleier. Dann ist es an der Zeit, den Konsum zu überdenken. Eine Konsumpause bietet die Chance, Abstand zu gewinnen und eingefahrene Konsumgewohnheiten zu durchbrechen. Denn wer zu viel kifft, läuft Gefahr eine Abhängigkeit zu entwickeln.

Oftmals stellen Cannabiskonsumierende selbst irgendwann fest, dass der Konsum überhandgenommen hat. Sie merken, dass ihnen das Kiffen mehr schadet, als dass es ihnen gut tut. Oder wie es ein ehemaliger Teilnehmer von „Quit the Shit“ ausgedrückt hat: „Ich war einfach durch mit dem fucking Gras.“

Kiffen kann abhängig machen

Doch wie kommt es, dass sich aus dem zunächst geselligen Kiffen unter Freunden ein problematischer Konsum entwickelt? Dazu gibt es keine einfache Antwort. Offenkundig ist aber, dass der Konsum meist an Häufigkeit zunimmt. Das Konsummuster verlagert sich oft hin zu „härteren“ Varianten. Statt des Joints werden beispielsweise Rauchgeräte wie die Bong verwendet, die eine intensivere Wirkung verspricht. Doch auch härtere Konsummuster allein machen noch nicht abhängig.

Psychotherapeutin Birgit Spohr erläutert im drugcom-Interview, dass es vor allem die Funktionen des Kiffens sind, die der Abhängigkeit den Weg bereiten. Wenn es nicht mehr nur um das Spaßhaben geht, sondern darum, schwierige Situationen erträglicher zu machen, sei es weil es Stress in der Familie oder in der Ausbildung gibt, sei es weil man alleine zuhause ist und nicht recht etwas mit sich anzufangen weiß. Wenn die Cannabiswirkung unangenehme Situationen angenehmer gestaltet, sei die Gefahr groß, dass das Kiffen zur „Krücke“ wird, erläutert Birgit Spohr. Das Kiffen wird zur vermeintlichen Alltagshilfe, bis man nicht mehr ohne kann. Abhängiger Cannabiskonsum bedeutet jedoch eine starke Einschränkung der Lebensqualität, auch wenn viele Kiffer sich das nicht gerne eingestehen wollen.

Konsummuster durchbrechen

Um dieser Entwicklung zuvorzukommen oder sie zu unterbrechen, ist es ratsam, eine Konsumpause einzulegen. Allerdings liegt es in der Natur einer Abhängigkeit, dass sie sich nicht so leicht abschütteln lässt. Beim Absetzen erleben manche Konsumentinnen und Konsumenten Entzugserscheinungen wie zum Beispiel massive Schlafprobleme. Wer sich darauf nicht einstellt, läuft Gefahr, schnell wieder zum Joint zu greifen.

Die weitaus größte Gefahr jedoch geht von anderen Kiffern aus. Denn je mehr Ausstiegswillige in Kontakt kommen zu anderen Kiffern, desto weniger wahrscheinlich wird ihr Vorhaben von Erfolg gekrönt sein. Eine Studie aus Australien liefert Zahlen hierzu: Wer häufig Kontakt hat zu anderen Kiffern, hat ein 6-fach höheres Risiko, wieder zu kiffen, als Aussteiger, die den Kontakt zu Kiffern meiden. Das leuchtet ein, angesichts der vielen „Schlüsselreize“: Neben dem Duft eines Joints reicht vermutlich schon der gewohnte Kontext mit den kiffenden Kumpels, um Lust darauf zu bekommen, mal wieder einen „durchzuziehen“.

Wer eine Konsumpause einlegen, dauerhaft reduzieren oder ganz aufhören will zu kiffen, ist daher gut beraten, nicht einfach drauflos zu legen. Vorbereitung hilft, die ersten Stolpersteine zu meistern. Im Bereich Quit the Shit haben wir die wichtigsten Aspekte, auf die man achten muss, zusammengestellt.

Professionelle Hilfe nutzen

Viele Kiffer schaffen es in Eigenregie, ihren Konsum in den Griff zu bekommen. Bei manchen Cannabiskonsumierenden hat sich allerdings über Jahre oder sogar Jahrzehnte ein Konsummuster eingefahren, das sich so leicht nicht durchbrechen lässt. Der Joint oder die „Blubber“ sind nicht selten fest in den normalen Tagesablauf eingebunden. Einen Tag ohne können sich Manche kaum vorstellen.

In solchen Fällen ist es ratsam, sich professionell unterstützen zu lassen. Viele Drogenberatungsstellen vor Ort bieten Konsumentinnen und Konsumenten Hilfe beim Ausstieg. Sie sind erste Ansprechstation bei Fragen zu Beratung und Therapie.

Seit 2004 bietet „drugcom.de“ zusätzlich zur üblichen E-Mail- und Chat-Beratung eine speziell auf die Belange von Cannabiskonsumierenden hin zugeschnittene Hilfe an: Das 50-Tage-Programm von Quit the Shit. Das Programm beinhaltet Chats mit dem Beratungsteam, ein Online-Tagebuch mit Übungen und ein User-Forum. Wöchentlich erhält jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin individuelle Rückmeldungen auf seine oder ihre Einträge im Online-Tagebuch. Die Teilnahme ist kostenlos und anonym. Mehr Informationen zum Ablauf des Programms findest du hier.

Quit the Shit wirkt

Die Wirksamkeit von „Quit the Shit“ konnte im Rahmen einer Kontrollgruppenstudie nachgewiesen werden. Auch drei Monate nach Anmeldung zum Beratungsprogramm hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer deutlich seltener gekifft als die Kontrollgruppe, der nur die Informationen auf der Website zur Verfügung standen. Im Durchschnitt senkten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von „Quit the Shit“ ihren Konsum von 23 auf 9 Gramm Cannabis pro Monat. Die Kontrollgruppe schaffte es dagegen nur, ihren Konsum von 18 auf 16 Gramm zu senken.

Das wichtigste Ergebnis aber war sicherlich, dass es den Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder besser ging: Sie waren zufriedener mit ihrem Leben und hatten signifikant niedrigere Werte für Ängstlichkeit und Depression als die Kontrollgruppe. Das bestätigen auch viele ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die ihre Eindrücke in kurzen Erfahrungsberichten zusammengefasst haben.

Quellen:

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2012). Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2011. Köln: BZgA. Bericht
  • Rooke, S., Norberg, M. & Copeland, J. (2011). Successful and unsuccessful cannabis quitters: Comparing group characteristics and quitting strategies. Substance Abuse Treatment, Prevention, and Policy, 6:30. Artikel
  • Tossmann, P., Jonas, B., Tensil, M.-D., Lang, P. & Strüber, E. (2011). A Controlled Trial of an Internet-Based Intervention Program for Cannabis Users. Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking, doi:10.1089/cyber.2010.0506. Artikel
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