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Drugcom: Topthema: Bin ich abhängig von Cannabis?

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Topthema

Bin ich abhängig von Cannabis?

Januar 2018

Etwa jeder dritte junge Erwachsene hat schon einmal Cannabis konsumiert. Die Meisten tun es nur selten, manche aber regelmäßig, ein Teil von ihnen sogar täglich. Doch bedeutet tägliches Kiffen automatisch abhängig zu sein? Woran merke ich, dass ich abhängig bin?

Junger Mann mit Bart und Kopfhörer um den Hals hält Bong und bläst Rauch aus

Bild: © William Casey / Fotolia.com

„Es ist ja nur Gras“, hatte sich Patrick eingeredet, „es ist ja nicht sowas wie Heroin oder Kokain“. Patrick konnte sich lange nicht vorstellen, dass Cannabis abhängig machen kann. „Aber dabei habe ich an einem freien Tag auch mal fünf Gramm weggehauen.“ Beim Versuch, das Kiffen einzuschränken, bekam er Schlafprobleme, schwitzige Hände und wurde aggressiv. Letztlich musste er sich eingestehen, dass er abhängig war.

Cannabis kann, anders als manche Menschen glauben, abhängig machen. Körperliche Entzugssymptome, wie Patrick sie bei sich festgestellt hat, können, müssen aber nicht auftreten bei einer Cannabisabhängigkeit. Auch die Häufigkeit des Konsums ist kein sicherer Hinweis auf eine Abhängigkeit. Wichtiger als die Anzahl gerauchter Joints oder Bongs ist vielmehr die Frage, welche Funktionen das Kiffen übernommen und welche Folgen der Cannabiskonsum bereits nach sich gezogen hat.

Kiffen bekommt eine Funktion im Alltag

Anders als bei Drogen wie Heroin oder Kokain sind die Auswirkungen einer Abhängigkeit von Cannabis weniger auffällig. Viele langjährige Kiffer haben Cannabis anfangs nur im Freundeskreis konsumiert. Kiffen, so scheint es, ist doch normal. Tun die anderen ja auch. Immerhin jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat schon einmal Cannabis probiert. Doch während es die meisten Personen beim gemeinschaftlichen Kiffen belassen oder wieder aufhören, weil andere Dinge wichtiger werden im Leben, nimmt der Cannabisrausch bei manchen Menschen an Bedeutung zu.

Sie kiffen immer häufiger auch alleine, ziehen sich in die eigenen vier Wände zurück. Während der Spaßfaktor abnimmt, übernimmt das Kiffen mehr und mehr die Funktion, mit unangenehmen Gefühlen wie Langeweile, Angst, Einschlafschwierigkeiten oder anderen Problemen umzugehen. Betroffene geraten unmerklich immer häufiger in Versuchung, schwierige Alltagssituationen und damit verbundene unangenehme Gefühle oder Gedanken durch das Kiffen auszublenden. Und je länger Cannabis zur Alltagsgestaltung benutzt wird, umso weniger können sich Konsumierende vorstellen, gut leben zu können ohne zu kiffen. Ist das schon Abhängigkeit?

11 Kriterien einer Substanzgebrauchsstörung

Wann von einer Abhängigkeit gesprochen werden kann, wird durch eine Reihe von Kriterien definiert. Ein wichtiges Instrument für die Diagnose einer Abhängigkeit ist das US-amerikanische Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, oder kurz DSM. Das DSM gebraucht in seiner 2013 aktualisierten Fassung jedoch nicht den Begriff Abhängigkeit, sondern spricht von einer Substanzgebrauchsstörung. Diese lässt sich anhand der folgenden 11 Kriterien festmachen:

  1. Fortgesetzter Cannabiskonsum, obwohl wichtige Verpflichtungen bei der Arbeit, in der Schule oder zu Hause wegen des Konsums nicht mehr erfüllt werden können
  2. Wiederholter Cannabiskonsum in Situationen, in denen es aufgrund des Konsums zu einer körperlichen Gefährdung kommen kann
  3. Wiederholter Cannabiskonsum trotz ständiger oder wiederholter sozialer oder zwischenmenschlicher Probleme
  4. Toleranzentwicklung, die gekennzeichnet ist durch Dosissteigerung oder verminderte Wirkung
  5. Entzugssymptome oder deren Vermeidung durch Substanzkonsum
  6. Cannabiskonsum in größeren Mengen oder länger als geplant
  7. Anhaltender Wunsch oder erfolglose Versuche den Cannabiskonsum zu kontrollieren
  8. Hoher Zeitaufwand für die Beschaffung, den Konsum und die Erholen von der Wirkung
  9. Aufgabe oder Reduzierung wichtiger Aktivitäten zugunsten des Cannabiskonsums
  10. Fortgesetzter Gebrauch trotz Kenntnis von körperlichen oder psychischen Problemen
  11. Craving, also das starke Verlangen oder der Drang, Cannabis zu konsumieren

Treffen mindestens zwei der genannten Merkmale innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten zu, so gilt die Substanzgebrauchsstörung als erfüllt. Ab vier und mehr Kriterien kann von einer schwerwiegenden Problematik gesprochen werden.

Einschränkung der Lebensqualität

Abhängiger Cannabiskonsum bedeutet in der Regel auch eine Einschränkung der Lebensqualität, auch wenn viele Konsumierende sich das nicht gerne eingestehen wollen. Während gelegentlicher Cannabiskonsum vermutlich noch keinen bedeutsamen Einfluss auf die Lebensqualität hat, sieht die Lage bei Cannabisabhängigkeit schon anders aus.

In einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit konnte nachgewiesen werden, dass die Lebensqualität abnimmt, je häufiger gekifft wird. Die höchsten Einbußen der Lebensqualität waren bei Cannabisabhängigen zu verzeichnen [Quelle 3]. Zwar kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob Cannabis für eine niedrige Lebensqualität verantwortlich ist oder frustrierte Menschen eher dazu neigen zu kiffen. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass starkes Kiffen die Lebensqualität nicht verbessert. Das bedeutet, abhängige Kiffer erkaufen sich die kurzweiligen guten Gefühle des Cannabisrausches mit langfristigen Einbußen ihrer Lebensqualität.

Teste dich

Anhand der oben genannten Kriterien können Interessierte überprüfen, ob ihr Cannabiskonsum Anzeichen einer Abhängigkeit aufweist. Allerdings fängt problematischer Konsum meist schon früher an, bevor es zur Abhängigkeit kommt. Mit dem Selbsttest Cannabis Check werden noch weitere Merkmale des Konsum überprüft, die über die Abhängigkeit hinausgehen. Am Ende des Tests erfolgt eine detaillierte Rückmeldung mit Empfehlungen.

Quellen:

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