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Drugcom: Topthema: Fördert Tabak die Abhängigkeit von Cannabis?

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Topthema

Fördert Tabak die Abhängigkeit von Cannabis?

März 2015

Viele Kiffer betreiben Mischkonsum, ohne sich dessen bewusst zu sein. Denn die meisten Cannabiskonsumierenden rauchen auch Tabak. Doch wie wirkt sich eigentlich das Tabakrauchen auf das Kiffen aus? Könnte Tabak sogar die Entwicklung einer Cannabisabhängigkeit begünstigen?

Junger Mann raucht einen Joint mit geschlossenen Augen, Rauch steigt auf

Bild: Kay Fochtmann / photocase.com

Tägliches Kiffen führt nicht zwangsläufig in eine Abhängigkeit. Studien konnten aufzeigen, dass nicht die Intensität des Kiffens allein entscheidend ist, sondern vielmehr Konsummotive eine wichtige Rolle dabei spielen, ob sich aus dem Kiffen eine Cannabisabhängigkeit entwickelt: Wer das Kiffen benutzt, um unangenehme Gefühle zu verdrängen, ist stärker gefährdet, eine Abhängigkeit zu entwickeln, als Kiffer, die es nicht zur Problembewältigung einsetzen.

„Tüte“ enthält meist auch Tabak

Neue Studien haben sich nun mit der Rolle des Tabakrauchens befasst. Denn wer sich eine „Tüte“ baut, vermischt das Hasch oder Gras meist mit Tabak. Kiffen heißt also in den meisten Fällen Mischkonsum. Hinzukommt, dass die meisten Kiffer ohnehin Zigaretten rauchen und viele tabakabhängig sind. Denn Nikotin hat ein hohes Abhängigkeitspotential. Wie wirkt sich eigentlich das Tabakrauchen auf die Entwicklung einer Cannabisabhängigkeit aus?

Ein britisches Forschungsteam hat hierzu eine Wiederholungsbefragung im Abstand von vier Jahren durchgeführt. 65 Jugendliche und junge Erwachsene haben daran teilgenommen. Bei der ersten Befragung waren sie im Alter zwischen 16 und 23 Jahren. Viele rauchten sowohl Cannabis als auch Tabak. Manche erfüllten die Kriterien für eine Cannabisabhängigkeit, andere nicht.

Die Auswertung verdeutlicht, dass die Tabakraucherinnen und -raucher bereits zur ersten Befragung sehr viel häufiger bereits eine Cannabisabhängigkeit entwickelt hatten, als Kiffer, die nicht zusätzlich Tabak rauchten. Allerdings lässt sich bei dieser Beziehung nichts über die Verursacherrolle sagen. Denn Studien zufolge fördert Cannabis auch die Nikotinabhängigkeit.

Tabak als Vermittler

Wie sich zeigte, waren viele der Teilnehmenden auch vier Jahre später noch cannabisabhängig, andere sind es in der Zwischenzeit geworden. Das Forschungsteam um Erstautorin Chandni Hindocha konnte durch Berechnungen herausfinden, dass dem Tabakrauchen bei der Entwicklung einer Cannabisabhängigkeit eine Art Vermittlerrolle zukommt: Je mehr Tabak die Personen geraucht hatten, desto höher war die Wahrscheinlichkeit, cannabisabhängig zu bleiben oder zu werden.

In ihrem Artikel kommt das Team zu dem Schluss, dass Tabak vermutlich die Entwicklung einer Cannabisabhängigkeit vorantreibt. Der Ausstieg aus dem Kiffen würde demzufolge erschwert werden, wenn die Person weiterhin raucht. Daher empfehlen Hindocha und ihr Team auch, beim Ausstieg oder dem Reduzieren des Cannabiskonsums gleichzeitig mit dem Tabakrauchen aufzuhören.

Kiffen im Labor

Eine US-amerikanische Studie der Columbia Universität in New York unterstreicht diese Empfehlung. Das Forschungsteam hatte hierzu aufwändige Experimente mit Versuchspersonen durchgeführt. 51 Männer und Frauen, die täglich kifften und von denen die meisten auch Tabak rauchten, lebten zwischen 9 und 11 Tagen in einer kontrollierten Umgebung. Wie in einem Big Brother Container wurde jeder ihre Schritte per Video überwacht, jeder Zug an einem Joint protokolliert und jede Zigarette gezählt.

In den ersten drei Tagen bekamen die Versuchspersonen nur wirkstofffreies Placebo-Marihuana zu rauchen, so dass die Kiffer in den Entzug gekommen sind. Anschließend durften sie wieder „echten“ Cannabis rauchen. Allerdings mussten sich die Testpersonen ihren Cannabis „kaufen“. Sie konnten die Einnahmen, die ihnen durch die Teilnahme an der Studie versprochen wurden, teilweise eintauschen, um an einem Joint ziehen zu dürfen. Wer sich hingegen für das Nichtkiffen entschieden hat, wurde somit durch höhere Einnahmen belohnt.

Tabakrauchen stärkster Einflussfaktor

Die meisten der Teilnehmenden hatten sich für das Kiffen entschieden und auf reale Einnahmen verzichtet. Ein Teil blieb jedoch abstinent. Es zeigte sich, dass vor allem jene Personen abstinent blieben, die keinen Tabak rauchten. In Zahlen ausgedrückt: Nichtrauchende Kiffer hatte eine 19-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit, zumindest während des Experiments cannabisabstinent zu bleiben. Unter allen untersuchten Einflussfaktoren, zu denen auch Entzugssymptome und Schlafprobleme zählten, hatte das Tabakrauchen somit den stärksten Effekt auf den „Rückfall“ in das Kiffen.

Welche konkreten Gründe hierbei eine Rolle spielen, dazu gibt es bislang lediglich Vermutungen. Da sowohl Tabak als auch Cannabis in den meisten Fällen geraucht wird, könnte das Rauchen dazu führen, dass Kiffer leichter wieder in ihr altes Verhaltensmuster zurückfallen. Oder tabakrauchende Kiffer könnten generell von einer stärkeren Anfälligkeit für süchtiges Verhalten betroffen sein, als Cannabiskonsumierende, die keinen Tabak rauchen. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf so genannte epigenetische Veränderung durch das Rauchen. So konnte in Tierversuchen nachgewiesen werden, dass Nikotin zu Veränderungen auf Rezeptorebene führt und die Tiere empfänglicher wurden für die Wirkung anderer Drogen.

Fazit

Das Rauchen von Tabak hat Studien zufolge einen starken Einfluss auf die Ausbildung und Aufrechterhaltung der Cannabisabhängigkeit. Tabakrauchen scheint einerseits die Entwicklung einer Cannabisabhängigkeit zu begünstigen und andererseits den Ausstieg zu erschweren. Forscherinnen und Forscher vermuten daher, dass der Cannabisausstieg besser gelingen könnte, wenn die Betroffenen auch das Tabakrauchen aufgeben. Der wissenschaftliche Nachweis hierfür steht aber noch aus.

Quellen:

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