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 HomeTopthema > Topthema vom September 2008

Topthema

GHB - kleine Tropfen mit großer Wirkung

September 2008

Technoparty

Geringe Verbreitung des GHB-Konsums in der Party-Szene

Die Droge GHB, auch bekannt als Liquid Ecstasy, taucht in der medialen Berichterstattung immer mal wieder auf. Erhebungen in Europa zeigen jedoch, dass Liquid Ecstasy in der Bevölkerung kaum eine Rolle spielt. Dennoch kommt es gelegentlich zu Einzelfällen, in denen Personen aufgrund einer Überdosis intensivmedizinisch versorgt werden müssen. Denn von der euphorisierenden Wirkung bis zum Koma sind es nur ein paar Tropfen. Opferberatungsstellen berichten zudem von Fällen, in denen Frauen möglicherweise durch GHB betäubt und anschließend vergewaltigt wurden. Die Polizei spricht nur von Einzelfällen, die zur Anzeige gebracht werden, was auch daran liege, dass die Opfer oft aus Scham nicht zur Polizei gehen. Eine britische Studie konnte allerdings aufzeigen, dass nicht immer GHB hinter solchen Fällen steckt.

GHB (Liquid Ecstasy): Die Substanz

GHB ist die Abkürzung für Gammahydroxybutyrat. Umgangssprachlich wird GHB auch als „Liquid Ecstasy“ bezeichnet, obwohl die Wirkung und die chemische Zusammensetzung nicht mit der von MDMA (Ecstasy) zu vergleichen ist. GHB wird als farbloses Pulver oder als klare, geruchlose Flüssigkeit mit salzigem, leicht seifigem Geschmack gehandelt. In geringen Dosen erzeugt GHB psychoaktive Effekte, die mit einem Alkoholrausch vergleichbar sind. Ab 0,5 Gramm stellen sich Entspannung und euphorische Gefühle ein. Ab etwa 2-3 Gramm fallen Konsumierende in einen tiefen Schlaf. Höhere Dosen sind akut lebensbedrohlich, da GHB die Atmung bis hin zum Atemstillstand unterdrückt. Aufgrund des unbekannten Reinheitsgrads von illegal gehandeltem GHB kann es daher leicht zu Überdosierungen kommen.

Zwei weitere Substanzen sind in diesem Zusammenhang noch zu nennen: GBL (Gammabutyrolacton) und BD (1,4-Butandiol). Beides sind chemische Stoffe, die in der industriellen Produktion Verwendung finden. Werden diese Stoffe konsumiert, wandelt der Körper sie zu GHB um. Die Wirkungen entsprechen somit denen von GHB.

Konsum als illegale Droge

Über das Ausmaß des Konsums von Liquid Ecstasy in Deutschland ist wenig bekannt. Erhebungen aus anderen europäischen Ländern zeigen, dass der Konsum als illegale Droge in der Bevölkerung kaum eine Rolle spielt. Etwas anders sieht die Situation in der Party-Szene aus. Umfragen aus Großbritannien und aus den Niederlanden zeigen, dass hier bis zu 19 Prozent der Partygänger schon mal GHB konsumiert zu haben. Dies trifft vor allem auf die angesagten Clubs und „Schwulenbars“ zu. In den „Mainstreamkneipen“ lag der Anteil derjenigen mit Konsumerfahrung im Schnitt hingegen nur bei 5 Prozent. Viele scheinen es aber beim Probieren zu belassen, denn zu den aktuell Konsumierenden werden nur etwa 3 Prozent der Befragten gezählt.

Darüber hinaus soll GHB in der Bodybuilding-Szene eine Rolle spiele. Denn GHB soll die Ausschüttung körpereigener Wachstumshormone anregen. Dieser Effekt von Liquid Ecstasy würde zu Doping-Zwecken missbraucht, um die Muskelmasse zu vergrößern.

Vorsicht Mischkonsum!

In Zusammenhang mit dem Konsum von GHB wurden in mehrere europäischen Ländern auch Notfälle registriert, die in einigen Fällen tödlich endeten. In diesen Fällen waren meist auch andere Drogen und Alkohol im Spiel. Insbesondere die Kombination mit Alkohol kann die negativen Effekte von GHB verstärken, weshalb Konsumierenden dringend geraten wird, kein Alkohol oder andere beruhigende Substanzen gleichzeitig einzunehmen. Dies kann das Atemzentrum lähmen bis hin zum Atemstillstand.

GHB als „Vergewaltigungsdroge“

Unter dem Stichwort „K.O.-Tropfen“ ist GHB ebenfalls bekannt geworden. Denn es besteht der Verdacht, dass sich Gewalttäter die betäubende Wirkung von GHB zunutze machen, um ihre Opfer handlungsunfähig zu machen und sie anschließend zu vergewaltigen. Aufgrund der zunehmenden Berichte über Fälle sexueller Gewalt in Zusammenhang mit Liquid Ecstasy hat die Parlamentarische Versammlung des Europarats alle 47 Mitgliedstaaten dazu aufgefordert, die Öffentlichkeit, die Gesetzgebungsorgane und die Strafverfolgungsbehörden auf dieses Problem hinzuweisen.

Problematisch ist jedoch, dass GHB nur für etwa 12 Stunden im Urin nachgewiesen werden kann. Wenn betroffene Frauen sich dazu entschließen, zur Polizei zu gehen, ist oft zuviel Zeit verstrichen, um die Substanz noch nachzuweisen. Deshalb empfiehlt beispielsweise die Berliner Fachstelle für Suchtprävention bei Verdacht schnellstens die Polizei zu informieren und Anzeige zu erstatten. Die Fachstelle hat ein Infoblatt (PDF) zu diesem Thema veröffentlicht.

In einer britischen Studie wird allerdings darauf hingewiesen, dass nicht nur GHB als „date rape drug“ in Betracht gezogen werden muss. Ein Jahr lang wurden alle Fälle untersucht, in denen Frauen und Männer in die Notaufnahme kamen, weil sie befürchteten, dass ihnen jemand eine unbekannte Droge in den Drink geschüttet habe. Das Ergebnis ist überraschend: In keinem einzigen der 75 berichteten Fälle konnten betäubende Drogen wie GHB, Ketamin oder Rohypnol festgestellt werden. Allerdings zeigte sich, dass zwei Drittel der Personen, die glaubten, ihnen habe jemand etwas in den Drink geschüttet, extrem hohe Blutalkoholkonzentration aufwiesen. Mit anderen Worte: Sie waren völlig betrunken. Die Autorinnen und Autoren der Studie weisen in ihrer Studie daher darauf hin, dass die Öffentlichkeit nicht nur über die Gefahren von „date rape drugs“ wie Liquid Ecstasy informiert werden sollte. Es müsse auch deutlich gemacht werden, dass exzessiver Alkoholkonsum ebenso die Gefahr berge, Opfer einer Straftat zu werden.

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