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Drugcom: Topthema: Leise rieselt der "Schnee" …

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Topthema

Leise rieselt der "Schnee" …

Januar 2006

Alle Jahre wieder werden Promis beim Koksen erwischt. Zuletzt war es Kate Moss, das Model. Nicht zuletzt wegen solcher Medienberichte aus der Welt der „Schönen und Reichen“ umgibt Kokain noch immer ein Hauch von Glanz und Glamour. Doch dieses Image der Droge verschleiert die zum Teil gravierenden Risiken des Konsums. So wird Kokainkonsum mit Herzinfarkten und Schlaganfällen in Verbindung gebracht, wobei es auch zu Todesfällen kommt. Einem Bericht der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle zufolge soll bei rund zehn Prozent aller drogenbedingten Todesfälle Kokain eine entscheidende Rolle spielen.

Kokainbedingte Herzinfarkte und Schlaganfälle - ein unterschätztes Risiko

Sabine B. war 18 Jahre alt, als sie wegen starker Brustschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Auch die Ärzte haben bei der jungen Frau nicht gleich daran gedacht, dass diese durch einen Herzinfarkt infolge von Kokainkonsum verursacht sein könnten. „Besonders fatal dabei ist, dass bereits der einmalige Gebrauch einen Herzinfarkt verursachen kann“, warnt Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Verantwortlich für die Herzschäden sind wahrscheinlich mehrere Effekte: Unter Kokain steigen die Herzschlagfolge und der Blutdruck stark an. Dadurch wird der Sauerstoffbedarf des Herzens erhöht. Zugleich kann Kokain Verkrampfungen der Herzkranzgefäße auslösen und die Blutgerinnung aktivieren. Der durch die Droge erhöhte Sauerstoffbedarf kann deshalb nicht mehr gedeckt werden. So kommt es zum Herzinfarkt.

Todesfälle schlecht dokumentiert

Genaue Zahlen über die Anzahl an Todesfällen, die nachweislich durch Kokain verursacht wurden, gibt es nicht, da die verstorbenen Personen oft auch anderen Drogen wie Opiate oder Alkohol konsumiert haben. Die Europäische Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) kommt in einer aktuellen Publikation zu dem Schluss, dass kokainbedingte Todesfälle ein „gravierendes und möglicherweise nicht ausreichend dokumentiertes Problem“ sei. Europaweit soll der EBDD zufolge bei etwa zehn Prozent aller drogenbedingten Todesfälle Kokain eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Verbreitung des Kokainkonsums in Europa -Tendenz steigend

Legt man die aktuellen Ergebnisse der EBDD zugrunde, so haben etwa drei Prozent aller 15- bis 64-jährigen Europäer bereits einmal gekokst. Das sind rund neun Millionen Menschen. Starke Anstiege des Konsums hat es in den 1990er Jahren besonders in Spanien und Groß-Britannien gegeben. Die EBDD kommt in ihrer Publikation zu dem Schluss, dass Kokain für viele junge Europäer zum „Stimulanz der Wahl“ geworden sei.

Keine Zunahme in Deutschland?

Laut Drogenaffinitätsstudie (pdf, 275 kB) der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2004 haben zwei Prozent der 12- bis 25-Jährigen in Deutschland Erfahrung mit Kokain. In der Wiederholungsbefragung wurde drei Jahre zuvor exakt derselbe Wert ermittelt. Eine Forschergruppe vom Institut für Therapieforschung in München konnte in ihrer Kokain-Studie (pdf, 728 kB) ebenfalls keine Zunahme des Konsums in der Bevölkerung feststellen. Zwischen 1995 und 2000 blieb die Quote der Personen, die Kokain in den letzten 12 Monaten konsumiert haben, stabil bei 0,9 Prozent. Allerdings weisen die Autorinnen und Autoren darauf hin, dass unter Opiatkonsumierenden und in der Partyszene deutlich höhere Konsumraten zu finden sind. Vor allem in der Techno-Party-Szene muss seit Anfang der 1990er Jahre von ansteigenden Konsumraten ausgegangen werden.

Flüsse voll Kokain

Möglicherweise wird das Ausmaß des Kokainkonsums weit unterschätzt. In repräsentativen Umfragen basieren die Angaben auf Selbstaussagen derer, die - zumeist am Telefon -Auskunft über ihren Drogenkonsum geben. Dass viele ihren Konsum nicht zugeben wollen, liegt auf der Hand. Um das „wahre“ Ausmaß des Kokainkonsums besser abschätzen zu können, haben Expertinnen und Experten einige Flüsse, die durch europäische Städte fließen, nach Rückständen von Kokain analysiert (News vom 16.11.2005). Durch Hochrechnungen kommen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um den Professor Fritz Sörgel zu wesentlich höheren Konsumraten. „In Wahrheit sind es wohl dreimal so viele“, meint Sörgel in der Sendung stern TV.

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