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Drugcom: Topthema: "Lethal Highs" - ein lebensgefährlicher Kick

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Topthema

"Lethal Highs" - ein lebensgefährlicher Kick

September 2013

Der Begriff „Legal Highs“ umfasst neben künstlich hergestellten Cannabinoiden auch synthetische Cathinone. Diese Substanzen werden meist als „Badesalz“, „Reiniger“ oder „Research Chemicals“ ausgewiesen, mit dem Hinweis „Nicht für den menschlichen Verzehr geeignet“. Doch ihr eigentlicher Zweck ist der Konsum. Die Substanzen sind bislang wenig wissenschaftlich erforscht. Es mehren sich allerdings Fallbeispiele, in denen der Freizeitkonsum dieser Drogen tödlich geendet hat.

Flasche mit Totenkopfsymbol vor schwarzem Hintergrund

Bild: judihuii / photocase.com

Er war dem Bericht zufolge in guter körperlicher Verfassung bevor er starb. Der 43-Jährige Mann hatte auf einer Party bereits Mephedron konsumiert, als ihm und einem Freund ein Getränk mit dem Namen „G“ angeboten wurde. Beide lehnten ab. Der Freund berichtete später, dass sie anschließend jeder ein Glas Wasser getrunken haben, dass merkwürdig bitter geschmeckt habe. Beide verloren kurz darauf das Bewusstsein. Toxikologische Analysen ergaben, dass der Verstorbene neben Mephedron noch GHB im Blut hatte. Vermutlich hatte jemand die farblose Substanz in die Gläser geschüttet.

Unter dem Titel „Lethal Highs“ wurde der Fallbericht von einem italienischen Ärzteteam veröffentlicht. Das Team führt die tödliche (engl. „lethal“) Dosis auf den Mischkonsum von GHB und Mephedron zurück. Erwähnenswert ist, dass ein standardmäßig durchgeführtes Drogenscreening keinen Befund ergeben hatte. Erst durch Informationen des Freundes, der aus der Bewusstlosigkeit wieder erwachte und von den Umständen berichten konnte, ist das Ärzteteam der Todesursache auf die Spur gekommen. Es fahndete daraufhin gezielt nach Substanzen, die als „Legal Highs“ bekannt sind. Mit Hilfe eines speziellen Analyseverfahrens konnten schließlich GHB und Mephedron im Körper gefunden werden.

Extrem erhöhte Körpertemperatur

Nun ist nicht auszuschließen, dass alleine schon die unter dem Szenenamen „Liquid Ecstasy“ bekannte Substanz GHB verantwortlich ist für den Tod. Hohe Dosen können einen Atemstillstand bewirken. Doch andere Fallbeispiele zeigen, dass auch die als „Badesalz“ deklarierten synthetischen Cathinone zum Tod führen können, wie der Fallbericht einer 24-Jährigen zeigt.

Nach Angaben von Freunden habe die Betroffene auf einem Konzert zwei Kapseln eingenommen, die ihr als Ecstasy verkauft wurden. Als die Notfallärzte eintrafen, war die junge Frau nicht mehr ansprechbar und hatte Krampfanfälle. Im Krankenhaus wurde eine extrem erhöhte Körpertemperatur von fast 42 Grad Celsius gemessen. Bei einer solch hohen Körpertemperatur besteht die Gefahr, dass sich Muskelgewebe auflöst, in den Blutkreislauf gerät und dadurch andere Organe schädigt. Das Ärzteteam versuchte daher, die Körpertemperatur mit Eispackungen zu senken.

Dies gelang auch. Allerdings entwickelte die Frau anschließend ein so starkes und kaum zu stillendes Nasenbluten, dass Bluttransfusionen notwendig waren, um den Blutverlust auszugleichen. 10 Stunden nach Einlieferung erlitt die 24-Jährige ihren ersten Herzstillstand. Sie wurde zwar erfolgreich wiederbelebt, ein multiples Organversagen führte jedoch letztlich zum Tod. Die Obduktion ergab, dass die Frau an einem so genannten Serotonin-Syndrom gestorben ist.

Falsches Ecstasy

Brandon Warrick und sein Team haben diesen Fall veröffentlicht, um auf die Gefahren durch „Legal Highs“ hinzuweisen. Laboranalysen zeigten, dass die von der Frau als „Ecstasy“ gekauften Kapseln nicht MDMA, sondern jeweils 422 mg Methylon und 53 mg Butylon enthielten. Das sind synthetische Cathinone, die eine ähnlich stimulierende Wirkung wie MDMA haben sollen.

Nach Angaben des Ärzteteams gibt es bislang noch keine Studien zu den Wirkungen verschiedener Dosen. Berichte aus Internetforen würden aber darauf hindeuten, dass eine übliche Dosis Methylon zwischen 100 und 250 mg liegt. Die junge Frau hat somit vermutlich über 800 mg Methylon und etwa 100 mg Butylon konsumiert und damit eine extrem hohe Dosis eingenommen. Das Serotonin-Syndrom soll dem Bericht zufolge wahrscheinlich durch diese Substanzen verursacht worden sein.

Es gibt weitere Fallberichte, in denen die Betroffenen gestorben oder in lebensbedrohliche Zustände geraten sind. Die als „Badesalz“ oder „Legal Ecstasy“ deklarierten Substanzen erwiesen sich in der Regel als synthetische Cathinone wie MDPV, Ethcatinon oder die oben genannten Substanzen.

Die in „Badesalz“ enthaltenen Cathinone sind bislang vergleichsweise wenig wissenschaftlich erforscht. Bekannt ist, dass Cathinone stimulierend auf den Organismus wirken. Einige der Substanzen wie MDPV beeinflussen den Dopaminstoffwechsel in ähnlicher Art und Weise wie Amphetamin. Andere Cathinone wie Methylon wirken sich mehr auf das Serotoninsystem aus. Ihre Wirkung sei dann vergleichbar mit MDMA.

Wahnhafte Psychose

Es gibt eine Reihe sehr ernsthafter körperlicher Folgewirkungen wie die Fallbeispiele aufzeigen. Das am häufigsten auftretende Einzel-Symptom soll jedoch eine erhöhte Aggressivität sein, oftmals begleitet von einer massiven Psychose mit Wahnvorstellungen. Auf der Basis von Anruferdaten des US-amerikanischen Giftnotrufs konnte ermittelt werden, dass in 28 Prozent aller Fälle mit „Badesalz“-Vergiftungen starkes aggressives Verhalten gemeldet wurde.

Unter dem Einfluss von „Badesalz“ würden die Konsumierenden häufig zu gewalttätigem und unvorhersehbarem Verhalten neigen. In einem Fallbeispiel hatte ein Mann seine Frau und anschließend sich selbst erschossen, nachdem die Polizei ihn wegen zu schnellen Fahrens angehalten hatte. Toxikologische Untersuchungen konnten MDPV und Lidocain, das auch als Verschnittstoff in Kokain verwendet wird, bei dem Mann nachweisen.

Hohes Risikopotential

Unklar ist, wie stark der Konsum von „Badesalz“ verbreitet ist und welche Bedeutung solchen und anderen Fällen beigemessen werden muss, in denen sich Betroffene im Zustand einer Psychose selbst getötet haben. Die Fallbeispiele zeigen aber auf, welches Risikopotential mit dem Konsum dieser Substanzen verbunden ist.

Problematisch ist in diesem Zusammenhang auch der Umstand, dass die meisten synthetischen Cathinone nicht durch standardmäßige Drogenscreenings erkannt werden. Dies kann fatale Folgen nach sich ziehen, denn im Notfall erkennen die behandelnden Ärztinnen und Ärzten womöglich nicht die wahre Ursache. In einem Fachartikel weist ein Ärzteteam darauf hin, dass Medikamente, die zur Behandlung von Psychosen gegeben werden, die Schwelle zum Krampfanfall senken können. Cathinone sind aber ohnehin mit einem erhöhten Risiko für Krampfanfälle verbunden.

Quellen:

4 Kommentare

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maxe, 08. Dezember 2013 07:55 Uhr
Ich find das Thema unglaublich spannend. Viele vergessen dass es neben den Straßendrogen auch tausende andere Substanzen gibt, die entweder in der Natur vorkommen oder halb - vollsynthetisch sind.
Gerade bei den RC (legal-high ist genau so ein blöder Medienbegriff wie Crystal Speed oder sowas) ist sehr spannend die Userberichte zu lesen, die von Substanzen berichten deren Eigenschaften sich teilweise enorm ändern, nur weil ein Atom wegelassen oder hinzugefügt wurde.
Teilweise ist es auch vorhersehbar, einige Atome können bspw die Wirkdauer von einigen (alle will ich nicht behaupten, gibt einfach zu viel und es kommt immer neues) Stoffen die derselben Stoffgruppe angehören verlängern.

bushdoctor, 23. September 2013 17:33 Uhr
Ich sehe das ähnlich, wie die anderen Kommentatoren. Der "Markt" für diese "legal highs" wurde erst durch das rigide Verbot von Cannabis und MDMA geschaffen. Bei einer regulierten legalen Verfügbarkeit der gut erforschten Substanzen MDMA und Cannabis hätten diese "Designer-Drogen" keine Chance! Warum sollte jemand ein Risiko eingehen, wenn er die "Originale" in kontrollierter Qualität und Reinheit legal kaufen kann?

Bei den "Kräutermischungen" weiss man ja, dass die meisten dieses Zeug nur nehmen, weil sie damit das körperlich und geistig besser verträgliche Cannabis substituieren, um dem Verfolgungsdruck der Staatsgewalt zu entgehen. Die Inhaltsstoffe dieser "Kräutermischungen" sind meist künstliche Cannabinoide, die es auch nur deswegen gibt, weil die Pharmaindustrie lange Zeit nicht mit den natürlichen Cannabinoiden des Hanfes forschen durfte.

"Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los."

5-MeO-Dimitri, 19. September 2013 23:01 Uhr
Vielleicht nimmt man diese Entwicklungen mal zum Anlass über den weiteren Weg der deutschen Drogenpolitik nachzudenken. Das der blühende RC Markt ein Ergebnis der Prohibition ist, steht wohl außer Frage. Ich denke das Einzige was den "Legal High" Boom aufhalten kann, sind Dark Net Seiten wie SR. Denn diese Ermöglichen der breiten Masse ohne Straßenkontakte an die sichereren (oder zumindest ausreichend erforschten) Substanzen, wie LSD, MDMA oder 4-PO-DMT, zu gelangen.
Außerdem sollte man die Drogenaufklärung nachdenken. Sprüche "Legal Highs sind tötliches Gift. Wenn ihr das nehmt werdet ihr süchtig und sterbt!" helfen nunmal nicht. Es gibt viele Leute die high werden möchten, aus welchen Gründen auch immer. Diesen Menschen wäre besser geholfen, wenn man ihnen nicht nur sagt, was sie alles sein lassen sollen, sondern wenn man ihnen sagt wie sie es besser machen können. Sprich: Keine unbekannten Sachen mit lustig bunter Verpackung kaufen, sondern reine Stoffe und sich ausführlich über Dosis und Risiken informieren. Das hätte wahrscheinlich vielen der Opfer das Leben retten können...

Gerd50, 14. September 2013 22:06 Uhr, geändert 14. September 2013 22:09 Uhr
Ohne die unsinnigen Verbote von Hanf und MDMA würde
es Research Chemicals nicht geben. Verbote machen
erfinderisch, um sie zu umgehen.

Hanf und MDMA haben sich nicht als die mörderischen
Drogen erwiesen, wie sie die herrschenden konservativen
Politiker und von ihnen gesteuerte Institutionen
dar zu stellen versuchen.

Hanf, MDMA, Heroin, Kokain und andere beliebte Drogen
wie LSD, Meskalin, Psilocybin in sauberer Form in Drogenfachgeschäften anbieten, würde viel Elend
vermeiden helfen. Es gab einmal Zeiten, in denen
Drogerien dafür zuständig waren. Heute sind sie es
leider nur noch für Reinigungsfanatiker, für die
Wasch- Dusch- und sonstige Lotionen sowie alles
was nach Parfüm stinkt allerdings auch harte Drogen
sein können, die zwanghaft aufgrund gezielter Werbung
eingesetzt werden müssen.

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