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Drugcom: Topthema: Partyalarm!

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Topthema

Partyalarm!

März 2011

„Das Leben ist ‘ne Party“ - finden zumindest „Die Ärzte“ in ihrem Song „Herrliche Jahre“. Manche nehmen es damit allerdings etwas zu wörtlich und feiern bei jeder Gelegenheit bis zum Abwinken. Der Karneval ist einer dieser Anlässe, der bestimmte Teile der Bevölkerung in feierliche Hochstimmung katapultiert. Alkohol ist meist mit dabei. Die einen oder anderen mischen auch Drogen oder vermeintlich harmlose Aufputscher wie Energydrinks mit dazu. Für den Körper bedeutet das Stress, der nicht immer ohne Folgen bleibt. Krankenhausstatistiken zeigen auf, dass immer mehr Jugendliche und junge Erwachsenen es mit dem Feiern so weit treiben bis der Arzt kommen - also der mit Doktortitel.

Mann stellt sich vor eine auf einer Wand aufgemalten Flasche und tut so als wenn er trinkt

Bild: marshi / photocase.com

Weniger Alkoholkonsum - mehr Alkoholvergiftungen

Anders als es die mediale Berichterstattung annehmen lässt, ist die Verbreitung des Alkoholkonsums bei jungen Menschen insgesamt betrachtet eher rückläufig. So stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in ihrer letzten Erhebung aus dem Jahre 2010 fest, dass die Rauschhäufigkeit bei den 12- bis 17-Jährigen gesunken ist. Während 2004 noch 23 Prozent der Jugendlichen sich zumindest einmal pro Monat betrunken haben, waren es in der Erhebung 2010 nur noch 17 Prozent. Unter den Jugendlichen, die sich öfter betrinken, scheint es aber eine Gruppe zu geben, die es öfter mal „richtig krachen lassen“. Denn der Anteil der Jugendlichen, die sich viermal oder öfter im Monat betrinken, ist annähernd konstant geblieben.

In dieses Bild passt es auch, dass die Anzahl der wegen einer akuten Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingelieferten Jugendlichen und jungen Erwachsenen gestiegen ist. Vor allem junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 30 Jahren schauen offenbar immer tiefer ins Glas. 2009 lag der Anstieg der Krankenhauseinweisungen gegenüber dem Vorjahr bei über 8 Prozent. Der Vergleich zum Jahr 2000 fällt besonders drastisch aus: Um 194 Prozent ist die Anzahl der stationär behandelten Alkoholvergiftung bei den 20- bis 25-Jährigen gestiegen! Den größten Anteil machen aber die 10- bis 20-Jährigen aus: Über 26.000 Jugendliche und junge Erwachsene „durften“ unter ärztlicher Beobachtung ausnüchtern.

Rauschtrinken geht an die Substanz

Im Prinzip ist wohl den meisten Menschen bekannt, dass ein Vollrausch nicht gut für das Gehirn ist. Doch die Folgen werden immer wieder gerne verharmlost. Ein „Kater“ tut nicht nur weh, sondern hinterlässt auch Spuren im Gehirn. Denn Rauschtrinken, so das Fazit einer US-amerikanischen Studie, schädigt die so genannte weiße Substanz. Als weiße Substanz werden die Leitungsbahnen bezeichnet, die unsere Hirnareale miteinander verbinden. Die Nervenbahnen sind von einer isolierenden Schicht, der Myelinscheide, umgeben, die von außen betrachtet weiß erscheint. Je besser die Nervenbahnen isoliert sind, umso besser werden elektrische Impulse übertragen.

Bei alkoholkranken Menschen, die meist über Jahre hohe Mengen Alkohol trinken, können große Bereiche des Gehirns geschädigt sein, einschließlich der weißen Substanz. Bislang war aber noch nicht ausreichend erforscht, ab wann diese Schädigung einsetzt. Die US-amerikanische Forscherin Susan Tapert und ihr Team haben in ihrer Studie 16- bis 19-jährige Jugendliche untersucht, die schon Erfahrung mit Rauschtrinken, aber noch kein Alkoholproblem entwickelt hatten. Zum Vergleich wurden gleichaltrige Jugendliche herangezogen, die noch nie einen Alkoholrausch hatten, aber im Hinblick auf den Bildungsstand und anderen Faktoren vergleichbar waren.

Mit Hilfe eines speziellen bildgebenden Verfahrens, der Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI), wurden die insgesamt 28 Jugendlichen gründlich durchleuchtet, so dass sich auch kleinste Abweichungen in der Struktur der weißen Substanz nachweisen ließen. Die Ergebnisse zeigen auf, das Jugendliche umso stärker ausgeprägte Veränderungen in der weißen Substanz aufweisen, je häufiger sie bereits einen „Kater“ infolge von Alkoholkonsum hatten. Hingegen konnte kein Zusammenhang mit der Trinkhäufigkeit und Dauer festgestellt werden. Das bedeutet, dass vor allem Alkoholräusche strukturelle Hirnveränderungen nach sich ziehen können.

Gestörte Entwicklung

Problematisch ist, dass das Gehirn junger Menschen durch Alkohol mehr Schaden nehmen kann, als das von Erwachsenen. Die jüngsten Ergebnisse der Hirnforschung legen nahe, dass sich das Gehirn bis ins frühe Erwachsenenalter von etwa 20 Jahren entwickelt. Mit der Geburt sind zwar schon alle Nervenzellen vorhanden, die Verschaltungen der Hirnregionen untereinander bilden sich aber erst im Laufe der Jahre und unter dem Einfluss von Lernerfahrungen aus. Wie sich herausgestellt hat, vollzieht sich dieser Prozess nicht immer konstant. Neben der frühen Kindheit spielt auch das Jugendalter eine wichtige Rolle. In dieser Phase gilt es für Jugendliche, sich aus der sicheren familiären Umgebung herauszulösen und neue soziale Bindungen einzugehen. Jugendliche müssen mehr wagen als sonst. Die Hirnforschung konnte nachweisen, dass dem riskanten Verhalten Umbauprozesse im Gehirn zugrundeliegen. Die Neigung zu riskanteren Aktivitäten umfasst jedoch auch den Umgang mit Alkohol, zumindest in Kulturen, in denen Alkoholkonsum geduldet wird.

Ethanol, so die korrekte chemische Bezeichnung des Trinkalkohols, kann in dieser wichtigen Entwicklungsphase langfristig Spuren im Gehirn hinterlassen. Eine gestörte Hirnentwicklung ist die Folge. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass bei Jugendlichen, die sich häufig betrinken, ein Hirnareal, das als Hippocampus bezeichnet wird, signifikant verkleinert ist. Der Hippocampus trägt entscheidend dazu bei, dass Informationen im Langzeitgedächtnis gespeichert werden, damit wir uns neu Erlerntes auch wirklich merken. Funktioniert der Hippocampus nicht richtig, ist die Lernfähigkeit gestört.

Doch auch kleinere Alkoholmengen, die noch keinen Vollrausch zur Folge haben, können die Hirnchemie nachhaltig beeinflussen. Aufgrund der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse wurden daher jüngst die Empfehlungen für den Umgang mit Alkohol beispielsweise in Australien oder Großbritannien überarbeitet. Demnach wird Jugendlichen bis zur Volljährigkeit empfohlen, gar kein Alkohol zu trinken, da die Wissenschaft keine Grenze definieren kann, die für junge Menschen als risikoarm zu bezeichnen ist.

Blackouts als Warnsignal

Ein Hinweis, dass etwas im Gehirn nicht mehr richtig funktioniert, sind Blackouts, auch bekannt als „Filmriss“. Blackouts werden definiert als ein zeitweiliger Gedächtnisverlust. Man nimmt an, dass es zu Fehlern bei der Abspeicherung von Informationen in das Langzeitgedächtnis kommt, weil der Hippocampus aufgrund des Alkohols nicht mehr richtig arbeitet. Personen können aber ansonsten durchaus noch in der Lage sein, sich - den Umständen entsprechend - zu unterhalten. Das heißt, andere Funktionen des Gehirns sind noch mehr oder weniger intakt, sofern es der erhöhte Alkoholpegel zulässt.

Fragt sich, ab welcher Menge ein Blackout eintritt. Hierzu kann die Wissenschaft allerdings keine definitive Antwort geben. Denn die Trinkmengen, die zu einem Blackout führen, sind sehr unterschiedlich. Man nimmt daher an, dass auch genetische Faktoren eine Rolle spielen. Bekannt ist aber, dass besonders das schnelle Trinken von hohen Mengen häufiger einen Blackout zur Folge hat. Generell gelten häufige Blackouts aber auch als Zeichen für problematischen Alkoholkonsum. Denn gesunde Menschen stellen nach einem Blackout ihr Trinkverhalten um bzw. vermeiden es möglichst, wieder einen Blackout zu provozieren.

Mischkonsum besonders riskant

Dann ist da noch die Sache mit dem Mischen von Drogen. Wenn auf Partys illegale Drogen im Spiel sind, ist meist auch Alkohol mit dabei. Alkohol und Ecstasy beispielsweise vertragen sich aber nicht besonders. Studien haben nachweisen können, dass Alkohol und Ecstasy zusammen konsumiert die Leber wesentlicher stärker schädigen, als beide Substanzen einzeln. Dies gilt insbesondere unter erhöhten Temperaturbedingungen, wie es in heißen stickigen Clubs nicht selten der Fall ist. In Experimenten mit präparierten Leberzellen konnte bei erhöhter Temperatur eine dramatische Zunahme des Zelltods beobachtet werden.

Wer nicht gleich zu illegalen Drogen greift, darf sich allerdings auch nicht auf der sicheren Seite wähnen. So genannte Energydrinks, die angeblich Flügel verleihen sollen, werden zum Beispiel gerne mit Alkohol gemischt. Dadurch wird die berauschende Wirkung des Alkohols mit dem stimulierenden Effekt einer Extraportion Koffein kombiniert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hatte bereits 2008 vor dem Mischkonsum gewarnt. Herzrhythmusstörungen, Nierenversagen und Krampfanfälle wurden in diesem Zusammenhang beobachtet. Es kam auch schon zu Todesfällen, wobei die Ursache nicht immer zweifelsfrei geklärt werden konnte.

Fazit

Die Liste der Risiken, die Alkoholräusche nach sich ziehen, könnte noch beliebig verlängert werden: Gedächtnisprobleme, eine geschwächte Immunabwehr oder eine verringerte Knochendichte beispielsweise, um nur ein paar zu nennen. Wer also auf der sicheren Seite sein und nach der Party nicht mit Gedächtnislücken aufwachen will, der sollte es beim Feiern besser nicht zu sehr krachen lassen.

Quellen:


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