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Drugcom: Topthema: Früher Einstieg in das Kiffen und die Folgen

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Topthema

Früher Einstieg in das Kiffen und die Folgen

September/Oktober 2009

Querschnitt eines Gehirns in der Magnet-Resonanz-Tomographie

Querschnitt eines Gehirns in der Magnet-Resonanz-Tomographie
Bild: Monika Torloxen / www.pixelio.de

Cannabis ist weltweit die am weitesten verbreitete Droge neben Alkohol und Tabak. In Deutschland wird der erste Joint im Schnitt mit rund 16 Jahren geraucht. Das bedeutet auch, dass etwa die Hälfte der Konsumierenden mit 15 oder 14 Jahren oder noch früher ihre ersten Erfahrungen mit Cannabis machen. Die Forschung der letzten Jahre hat allerdings Belege dafür erbringen können, dass der frühe Einstieg mit höheren Risiken verbunden ist. Möglicherweise wird das Gehirn in einer empfindlichen Entwicklungsphase dauerhaft durch das Kiffen geprägt. Was genau passiert dabei im Gehirn? Und mit welchen Folgen haben Jugendliche zu rechnen?

Jugendliche ticken anders

Nicht nur äußerlich befinden sich Teenager in einer wichtigen Umbruchzeit. Auch ihr Gehirn macht in der Pubertät eine entscheidende Umbauphase durch. Nach einer Studie am Max-Planck-Institut für Hirnforschung findet vor allem zwischen 15 und 17 Jahren ein radikaler Umbau statt. Anhand von Messungen der Hirnströme mit Hilfe des Elektroenzephalogramms (EEG) konnte das Forschungsteam nachweisen, dass sich die Hirnaktivität in diesem Altersbereich sowohl von Erwachsenen als auch von jüngeren Jugendlichen unterscheidet.

Bekannt ist, dass sich Nervenbahnen in der so genannten weißen Substanz des Gehirns in der Pubertät erst noch ausbilden. In der weißen Substanz befinden sind gewissermaßen die „Verbindungskabel“ zwischen den Nervenzellen der Großhirnrinde. Verschaltungen, die in den frühen Lebensphasen angelegt werden, prägen das Gehirn womöglich ein Leben lang. Man nimmt an, dass das so genannte Endocannabinoid-System hierbei eine wichtige Rolle spielt. Endocannabinoide sind körpereigene Substanzen, die an denselben Rezeptoren im Gehirn andocken, wie pflanzliche Cannabinoide, zu denen auch das bekannte delta-9-THC zu zählen ist. Unser Gehirn hat also seine eigenen Cannabinoide. Allerdings nur so viel wie es zur Reifung benötigt. Wenn ein Jugendlicher kifft, wird das Gehirn jedoch regelrecht mit Cannabinoiden geflutet. Die Forschung hat aufzeigen können, dass dies nicht ohne Folgen bleibt.

Strukturelle Veränderungen durch Kiffen

Ein US-amerikanisches Forschungsteam um Studienleiter Manzar Ashtari hat mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) - ein Verfahren zum „Durchleuchten“ des Gehirns - die Struktur der weißen Substanz bei einer Gruppe von 14 Jugendlichen mit starkem Cannabiskonsum untersucht. Zum Vergleich wurde eine Gruppe gleichaltriger, aber abstinenter Kontrollpersonen herangezogen. Alle Versuchspersonen waren männlich und zum Zeitpunkt der Untersuchung zwischen 17 und 21 Jahre alt. Die Personen der Cannabisgruppe hatten im Schnitt mit 13 Jahren angefangen zu kiffen und waren cannabisabhängig.

Den Ergebnissen zufolge wurden strukturelle Veränderungen in bestimmten Bereichen der weißen Substanz bei den Cannabiskonsumenten festgestellt. So war ein wichtiger Reifungsprozess, die so genannte Myelinisierung, in bestimmten Regionen nicht oder nur unzureichend fortgeschritten. Bei der Myelinisierung entsteht eine Art Isolierung um die Nervenbahnen, die das Nervensignal elektrisch weiterleiten. Ohne eine vollständige Myelinscheide kommt es zu Störung bei der Impulsweiterleitung. Ob es sich bei dem Befund um eine verlangsamte Entwicklung handelt oder es sogar zu einem Stillstand gekommen ist, lässt sich noch nicht sagen. Die betroffenen Nervenbahnen verbinden Regionen, die unter anderem für Emotionen und das Gedächtnis zuständig sind.

Depressiver durch Cannabis?

Ob und wie die Emotionen junger Menschen durch Kiffen später beeinflusst werden, ist noch unklar. Es gibt bislang nur Hinweise darauf, dass der Einstieg vor dem 16. Lebensjahr mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Depressionen und Angststörungen in späteren Jahren zusammenhängen könnte. Allerdings gibt es auch Studien, die keine Belege für eine ursächliche Verbindung finden konnten. Denkbar ist, dass sowohl das Kiffen als auch spätere psychische Probleme nur eine Folge von anderen Lebensumständen sind.

Gedächtnis leidet

Eindeutiger ist der Forschungsstand zu den Auswirkungen auf der Ebene der kognitiven Funktionen wie Lernen und Gedächtnis. Vor allem das Gedächtnis scheint durch intensiven Cannabiskonsum in jungen Jahren zu leiden. Während sich bei Erwachsenen auch bei langjährigem Kiffen nur leichte Gedächtnisprobleme nachweisen lassen, sind die Folgen bei Jugendlichen wohl ausgeprägter. Dies mag mit der sensiblen Phase der Hirnentwicklung zusammenhängen, die durch einen Überfluss an Cannabinoiden negativ beeinflusst wird. Allerdings ist noch wenig über die neuronalen Prozesse bekannt, die dem zugrunde liegen. Aus Tierversuchen gibt es zumindest Hinweise, dass junge Ratten, denen THC verabreicht wurde, eine geringere Verschaltungsdichte im Hippocampus aufweisen, einer Hirnregion, die für das Gedächtnis eine wichtige Rolle spielt.

Cannabis als Wegbereiter für andere Drogen?

Der Mythos von der Einstiegsdroge Cannabis als einer Art Wegbereiter für „härtere“ Drogen wie Kokain oder Heroin schien bereits ausreichend durch wissenschaftliche Belege widerlegt. Doch die Hirnforschung hat mit Hilfe tierexperimenteller Studien neue Indizien erbringen können, dass sich durch Cannabis tatsächlich Veränderungen im Gehirn abspielen, die mit weiterem Substanzkonsum in Zusammenhang stehen können. Demzufolge würden junge Ratten eine erhöhte Konzentration von Opiatrezeptoren im Belohnungszentrum des Gehirns aufweisen, wenn sie zuvor mit THC behandelt wurden. Dies sei verbunden mit einer verstärkten Vorliebe für Heroin. Ob das vereinfachte Tiermodell sich auf die komplexeren Lebensumstände von Menschen übertragen lassen ist allerdings fraglich. So ist bekannt, dass vor allem der Einfluss von Freunden einen entscheidenden Beitrag dazu leistet, mit welchen Substanzen Jugendliche experimentieren. Dass Cannabis oft die erste illegale Droge ist, liegt vermutlich auch daran, dass sie sozial akzeptierter ist als andere illegale Drogen.

Abhängigkeit

Im Vergleich zu den vorher genannten Bereichen ist die Studienlage bei der Frage des Abhängigkeitsrisikos vergleichsweise klar. Der Cannabisforscher Wayne Hall hat in einem kürzlich veröffentlichten Übersichtsartikel die Faktenlage zusammengetragen. Demnach würde in den USA etwa eine von zehn Personen, die jemals Cannabis konsumiert haben, eine Cannabisabhängigkeit entwickeln. Ist der Einstieg aber bereits im Jugendalter erfolgt, so verschiebt sich das Verhältnis in Richtung einer höheren Wahrscheinlichkeit. Dann würde etwa eine von sechs Personen mit Cannabiserfahrung abhängig werden.

Fazit

Die Erforschung des Cannabiskonsums und seine Folgen für Früheinsteiger ist noch lange nicht abgeschlossen. Vieles deutet darauf hin, dass sich kiffende Jugendliche im Vergleich zu konsumierenden Erwachsenen einem höheren gesundheitlichen Risiko aussetzen. Die Hirnforschung unterstreicht dies, indem sie aufzeigt, dass Cannabis strukturelle Veränderungen im jugendlichen Gehirn verursachen kann. In welchem Maße sich dies im Alltag für den einzelnen bemerkbar macht, hängt auch von der Intensität des Konsums ab. Genaue Grenzen ab welcher Konsumintensität mit Hirnveränderungen zu rechnen ist, lassen sich jedoch nicht ableiten.


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