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Drugcom: Topthema: Warum manche Käufer von Drogen übers Ohr gehauen werden

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Topthema

Warum manche Käufer von Drogen übers Ohr gehauen werden

September 2015

Drogen zu kaufen ist in der Regel illegal. Das nur vorweg. Cannabis, Kokain und Co. werden aber nichtsdestotrotz auf einem gigantischen Schwarzmarkt gehandelt. Weltweit wird der Umsatz im Drogengeschäft auf 320 Milliarden US-Dollar geschätzt. Drogen sind teilweise extrem teuer und buchstäblich ihr Gewicht in Gold wert. Doch manche Käufer von Drogen zahlen mehr als andere.

Zwei Personen tauschen Geld und Drogen aus - nur Hände sind zu sehen.

Bild: © istock.com / selimaksan

Der Preis einer Ware wird für gewöhnlich durch Angebot und Nachfrage geregelt. Illegale Drogen sind jedoch keine normale Ware und die Preisbildung folgt nicht dem gleichen Muster wie bei legalen Handelswaren. Der Kriminologe Rémi Boivin von der Universität Montreal in Kanada hat ein Modell entwickelt, demzufolge der Preis einer illegalen Droge stark vom Ort des Handels und den dortigen Marktgegebenheiten beeinflusst wird. So steige der Preis vor allem dann, wenn Drogen von den meist eher armen Produktionsländern in wohlhabende Industrieländer wandern.

Risikoaufschlag

Anders als bei legalen Waren gehen Personen, die mit Drogen handeln, immer ein zusätzliches Risiko ein, erwischt oder durch rivalisierende Banden oder verärgerte Kunden bedroht zu werden. Dieses Risiko wird im Modell von Boivin wie eine Steuer behandelt, die auf den Preis aufgeschlagen wird. Je riskanter der Handel desto höher der Aufschlag.

Für Kriminelle ist der Drogenhandel dadurch ein höchst lukratives Geschäft, vor allem für diejenigen, die in der Hierarchie der Dealer ganz oben stehen. Auf der untersten Etage im Drogenbusiness scheinen Verdienste hingegen deutlich niedriger zu sein, als gemeinhin angenommen. In dem Buch „Freakonomics“ aus dem Jahr 2005 errechnen der Wirtschaftswissenschaftler Steven Levitt und der Journalist Stephen Dubner einen erstaunlich niedrigen Stundenlohn von nur 3,30 Dollar für die so genannten „Fußsoldaten“, die an unterster Stelle der Dealer-Pyramide in den USA stehen. Sogar der Mindestlohn lag 2005 in den USA mit etwa 5 Dollar höher.

Die Berechnungen von Levitt und Dubner basieren auf akribisch geführten Geschäftsbüchern einer Drogenbande in Chicago. Wie in einer normalen Firma wurden darin alle Transaktionen festgehalten. Durch einen Kontakt zu dem Soziologen Sudhir Venkatesh hatte Steven Levitt die Gelegenheit, Einsicht in die Bücher zu bekommen. Venkatesh hatte eine Dealer-Bande über mehrere Jahre begleitet und ist schließlich in den Besitz ihrer Geschäftsbücher gekommen, als ihr Schatzmeister ins Gefängnis musste.

Unklar ist zwar, wie repräsentativ diese Werte für Dealer in anderen Ländern als den USA sind. Deutlich wird jedoch, dass Straßendealer meist nur eine Möglichkeit haben, ihren persönlichen Profit zu erhöhen: Sie müssen ihren Kunden mehr Geld abknöpfen als üblich. Tatsächlich zocken Dealer aber nicht jeden Kunden ab. Stellt sich die Frage, welche Kunden eher Opfer von Abzocke werden?

Abzocke - eine rationale Entscheidung

Um Antworten auf diese Frage zu bekommen, hat ein Forschungsteam um Studienleiter Scott Jacques 25 Drogendealer in einem sozial benachteiligten Viertel von St. Louis im Bundesstaat Missouri in den USA persönlich befragt. Der Kontakt wurde über Streetworker hergestellt, die sich in dem Milieu gut auskannten und das Vertrauen der Dealer hatten.

Generell seien Drogendealer berüchtigt, Käufer übers Ohr zu hauen, schreibt das Forschungsteam. Denn es liege in der Natur des illegalen Marktes, dass Kunden keine Möglichkeit haben, zur Polizei zu gehen, wenn sie der Meinung sind, betrogen worden zu sein. Unter Abwägung der Vor- und Nachteile sei es nach Ansicht des Forschungsteams sogar eine durchaus rationale, also eine vernünftige Entscheidung, Käufer abzuzocken. Oder wie ein Dealer es ausdrückt: „Ich meine, was willst du tun? Willst du etwa zur Polizei gehen und denen sagen ‚Hey Mann, der hat mich um eine Unze beschissen‘? Natürlich nicht.“

Das Forschungsteam nennt verschiedene Sorten der Abzocke: Kunden zahlen höhere Preise als üblich, bekommen weniger Ware ausgehändigt oder erhalten eine schlechtere Qualität als vereinbart. Wenn Dealer versuchen, einen Kunden übers Ohr zu hauen, gehen sie allerdings das Risiko ein, dass der Käufer es merkt. Damit geht möglicherweise ein zukünftiger Stammkunde verloren. Dem Forschungsteam ging es daher gezielt um die Frage, wie ein Dealer entscheidet, welcher Käufer abgezockt wird und welcher nicht. „Letztlich handeln Dealer wie jede andere Geschäftsperson, in dem Sinne, dass sie ein Interesse an wiederholten Geschäftskontakten haben, die jedoch verloren gehen können, wenn Kunden das Gefühl haben, nicht fair behandelt worden zu sein“, schreiben Jacques und sein Team.

Sechs Käufer-Typen, die abgezockt werden

Aus den Gesprächen mit den Dealern konnte das Forschungsteam sechs unterschiedliche Typen von Käufern herausfiltern, die häufig von Dealern abgezockt werden. Die erste Sorte sind unbekannte Erstkäufer. Wie jeder Händler sind auch Drogendealer auf Stammkunden angewiesen, weil sie für geschäftliche Stabilität sorgen. Jeder Erstkäufer könnte möglicherweise ein Stammkunde werden. Unbekannte Käufer bergen aber ein gewisses Risiko. Sie könnten versuchen, den Dealer auszurauben oder sie arbeiten in Wirklichkeit mit der Polizei zusammen. Der erhöhte Preis sei insofern eine Art Risikoaufschlag, wie Remí Boivin es formuliert hat.

Ein bekannter Käufer zu sein, schützt allerdings auch nicht davor, vom Dealer reingelegt zu werden. Die Dealer berichten davon, dass Käufer manchmal nicht genug Geld für eine bestimmte Menge mitbringen würden. Käufer, die zu wenig Geld mitbringen, würden daher für ihr unzuverlässiges Verhalten von den Dealern abgestraft, indem sie ihnen weniger Ware aushändigen - ohne, dass der Kunde dies erfährt.

Uninformierte Kunden seien hingegen völlig ahnungslos, was die üblichen Preise und Mengen betrifft, also wie wieviel beispielsweise ein Gramm Marihuana kostet und welches Volumen ein Gramm etwa haben sollte. Der Dealer Dirty erklärte: „Ich hatte da diesen jungen Typen, der mir 10 Dollar gab. Aber ich gab ihm nur für 5 Dollar Marihuana. Er hatte kein Problem damit. Er kam häufiger wieder und hat es nicht mal gemerkt.“

Um herauszufinden, ob ein Kunde sich mit den Gepflogenheiten auskennt, würden Dealer sie testen. Der Dealer überreicht zunächst eine geringere Menge, als vereinbart und wartet die Reaktion des Kunden ab. So könne er testen, ob der Käufer korrekte von nicht korrekten Mengen unterscheiden kann. Wenn es klappt, erhöht er seinen Profit ohne Risiko. Wird der Kunde misstrauisch, habe der Dealer immer noch die Möglichkeit, etwas nachzulegen. Da habe er sich dann eben nur ein bisschen geirrt.

Ängstliche Käufer sind ebenfalls gefährdet, von den Dealern ausgenutzt zu werden. Wenn der Dealer merkt, dass ein Kunde sich nicht traut, zu reklamieren, dann ist das für den Dealer ein risikofreies Zusatzgeschäft. Hingegen werden so genannte lästige Käufer durch einen Aufschlag gewissermaßen bestraft, weil sie nerven. Käufer werden beispielsweise dann als lästig bezeichnet, wenn sie sich immer wieder darüber beklagen, dass sie zu wenig Ware für ihr Geld bekommen haben, obwohl das nicht stimmt. Ihnen dann tatsächlich zu wenig zu geben, empfinden Dealer als eine Art ausgleichende Gerechtigkeit für das ewige Genörgel.

Schließlich gibt es noch die Gruppe der Abhängigen. Sie haben die schlechteste Verhandlungsposition, weil sie die Drogen am dringendsten brauchen. Die Dealer haben in den Interviews allerdings auch moralische Gründe genannt. Abhängige, die andere beklauen, um ihre Abhängigkeit zu finanzieren, hätten es in ihren Augen verdient, betrogen zu werden. Der Dealer Big Mike hat es so beschrieben: „Wenn du einen Job hast und arbeiten gehst, um deinen Bedarf zu decken, dann nenne ich dich nicht Crack Head, dann hast du einfach nur ein Drogenproblem. Aber wenn du da draußen bist und raubst und stiehlst und den ganzen Scheiß, das ist ein Crack Head. Ich behandele sie unterschiedlich.“

Wie man Abzocke vermeidet

Vermutlich ist der Drogenhandel in den Armenvierteln von St. Louis in den USA nicht eins zu eins auf deutsche Verhältnisse übertragbar. Doch die grundsätzlichen Prinzipien des Handelns mit illegalen Drogen dürften weltweit gelten. Abzocke beim Drogenkauf dürfte auch hierzulande keine Seltenheit sein. Die einfachste Methode wäre, auf den Kauf illegaler Drogen gänzlich zu verzichten, zumal der Besitz von illegalen Drogen nach dem Betäubungsmittelgesetz mit Strafen von bis zu fünf Jahren geahndet werden kann.

Personen, für die dies keine Option ist, können sich zumindest an den sechs Typen orientieren, die Scott Jacques und sein Team beschrieben haben. Es wäre also empfehlenswert, in keine der genannten Kategorien zu fallen.

Quellen:

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