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 HomeTopthema > Topthema vom November 2008

Topthema

Was beim Kiffen im Körper passiert

November 2008

Querschnitt eines Gehirns in der Magnet-Resonanz-Tomographie

Bild: Monika Torloxen / www.pixelio.de

Kiffen oder Kekse? Die Wirkung von Cannabis kann ganz entscheidend davon abhängen, wie es in den Körper gelangt, ob geraucht oder gegessen. Was passiert dabei im Körper? Ist hochpotentes Cannabis schädlicher? Wie kommt es wieder raus? Und wie lange dauert das? Denn die langen Nachweiszeiten von Cannabis haben dem einen oder der anderen schon den Führerschein gekostet.

Verwandlung in der Glutzone

Cannabis enthält Substanzen, die bislang nur in der Hanfpflanze gefunden wurden. Es sind die so genannten Cannabinoide, von denen einige psychoaktive Wirkungen haben. Das bekannteste Cannabinoid ist das Delta-9-Tetrahydrocannabinol, das der Einfachheit halber als THC bezeichnet wird. Weniger bekannt ist vielleicht die Tatsache, dass in der Pflanze nur wenig aktives THC enthalten ist. In der Hanfpflanze liegt THC überwiegend in seiner inaktiven Form, der Tetrahydrocannabinolsäure (THCA) vor. THCA selber hat keine psychoaktive Wirkung. Die Cannabis Wirkung entfaltet sich erst durch Erhitzung - erst dann wird THCA in das wirksame THC umgewandelt. Dies geschieht etwa beim Rauchen von Marihuana in der mehrere Hundert Grad heißen Glutzone. Dieser chemische Prozess kann auch - allerdings in einem etwas geringeren Maße - beim Backen beispielsweise von Cannabis-Plätzchen erzielt werden.

Rauchen oder Essen?

Der Eintritt der Cannabis-Wirkung und der Wirkungsverlauf hängen nun unter anderem von Art der Aufnahme ab. Wird Haschisch oder Mariuhana geraucht, wird der Wirkstoff THC sehr rasch über die Atemwege aufgenommen. Erste Anzeichen eines Rausches treten nach wenigen Sekunden bis Minuten auf. Nach etwa 15 bis 30 Minuten erreicht die Cannabis-Wirkung ihr Maximum, um dann innerhalb von 2 bis 3 Stunden wieder abzuklingen. Damit es zu einer Wirkung kommt, sind zwischen 2 und 22 Milligramm THC notwendig. Davon wird nur ein Bruchteil, etwa 2 bis 44 Mikrogramm (tausendstel Gramm), tatsächlich die Blut-Hirn-Schranke passieren.

Bei der oralen Aufnahme - durch das Essen oder Trinken von Cannabiszubereitungen - wird das THC hingegen sehr viel langsamer vom Organismus aufgenommen. Zudem ist weniger aktives THC enthalten. Die Wirkung unterliegt bei der oralen Aufnahme zwar einer zeitlichen Verzögerung, der Rausch kann aber sehr plötzlich eintreten und eine andere Qualität aufweisen. Manche Konsumierende können durch den plötzlich und intensiv eintretenden Rausch psychisch überfordert werden. Im Extremfall erleben sie das, was umgangssprachlich als „Absturz“ bezeichnet wird. Allerdings unterliegt der Cannabisrausch ohnehin einer hohen Variabilität, die von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst wird.

Cannabis-Wirkung: Das endogene Cannabinoidsystem

Warum hat THC nun überhaupt eine Wirkung? Dies liegt daran, dass es im Gehirn an bestimmten Bindungsstellen andockt, den so genannten Cannabinoid-Rezeptoren. Von diesen Rezeptoren existieren zwei Haupttypen, die CB1- und CB2-Rezeptoren. Letztere wurden im Körper bislang nur außerhalb des Gehirns gefunden und haben eine wichtige Funktion für das Immunsystem. Der Cannabisrausch wird über CB1-Rezeptoren im Gehirn vermittelt. Normalerweise docken daran körpereigene Substanzen, so genannte Endocannabinoide. Die bekanntesten dieser Bindungsstoffe sind die Anandamide, von denen man annimmt, dass sie eine natürliche Rolle bei einer Vielzahl von Funktionen des menschlichen Organismus spielen, wie etwa beim Gedächtnis und der Schmerzverarbeitung, bei Immunfunktionen und bei der Fortpflanzung.

Kein CBD in hochpotentem Cannabis

Eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielt ein weiteres Cannabinoid, das Cannabidiol, abgekürzt CBD. Cannabidiol ist ein Abbauprodukt, das entsteht, wenn Cannabis längere Zeit gelagert oder erhitzt wird. Cannabidiol selber hat keine psychoaktive Wirkung, es kann aber den Rausch, der durch THC erzeugt wird, abmildern. Konsumierende fühlen sich dann eher entspannt bis schläfrig. Hat Cannabis einen besonders geringen CBD-Anteil, kann der Rausch stärker halluzinogen sein. Analysen von Marihuana, das in so genannten Indoor-Anlagen gezüchtet wurde, haben zeigen können, dass der THC-Anteil tatsächlich deutlich höher ist. Hingegen enthält das hochpotente Cannabis nur geringe, teilweise sogar gar kein CBD. Dabei ist nicht auszuschließen, dass durch die deutlich intensivierte Rauschqualität das Risiko erhöht wird, eine Psychose zu entwickeln. Denn Studien haben zeigen können, dass das Risiko einer Psychose mit der Intensität des Cannabiskonsums in Zusammenhang steht.

Lange Nachweisdauer

Der Abbau von THC dauert Tage bis Wochen. Da das THC fettlöslich ist, lagert es sich leicht in fettstoffreichem Gewebe - wie dem Gehirn - an und wird dort nur langsam abgebaut. Die Dauer des „High“-Gefühls deckt sich aus diesem Grund nicht mit dem Nachweis von THC und seinen Abbauprodukten in Blut und Urin. Während der Cannabis-Rausch längst vorbei ist, kann Cannabiskonsum so noch nachgewiesen werden, mit möglichen Konsequenzen im Rahmen von polizeilichen Verkehrskontrollen.

Der Nachweis eines Cannabiskonsums kann durch die Untersuchung von Urin, Blut, Speichel oder Haaren geführt werden. Im Speichel kann der relativ kurz zurückliegende Konsum möglicherweise bis zu 24 Stunden nachgewiesen werden. Im Blut oder Urin kann man die Substanz etwa bis zu einem Monat nachweisen. Eine genaue Angabe ist kaum möglich, da der Abbau individuellen Schwankungen unterliegt und vor allem von der Konsumintensität abhängt. Bei regelmäßigem Konsum kommt es wegen der Anlagerung im Fettgewebe zu deutlich längeren Nachweiszeiten, als beim seltenen Konsum. Eine Nachweisdauer von über drei Monate im Urin ist möglich.

Hanfprodukte als Nahrungsmittel

Theoretisch möglich ist auch ein Nachweis bei Menschen, die Hanf nicht mit der Absicht konsumieren, sich zu berauschen, sondern Hanfprodukte wie Hanföl oder anderer auf Hanfbasis basierender Lebensmittel regelmäßig zu sich nehmen. Dies beruht darauf, dass einige dieser Lebensmittel zwar geringe, aber bei Untersuchungen durchaus relevante Mengen an THC enthalten, da moderne Nachweisverfahren schon geringste Mengen nachweisen können. Durch die Untersuchungen ist es allerdings nicht möglich zu bewerten, ob ein Konsum mit dem Ziel eines Rausches oder ausschließlich aufgrund von Nahrungsaufnahme stattgefunden hat.

 

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