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Drugcom: Topthema: Wenn Eltern süchtig sind

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Topthema

Wenn Eltern süchtig sind

August 2017

Sucht beeinträchtigt nicht nur Konsumierende, manchmal sind ganze Familien betroffen. Insbesondere Kinder leiden, wenn ihre Eltern von Alkohol oder anderen Drogen abhängig sind. Alleine in Deutschland sind etwa drei Millionen Kinder und Jugendliche betroffen.

Spiegelung von Eltern-Kind-Silhouette und Riesenrad in Pfütze

Bild: Freancecsa Schellhaas / photocase.de

Eines Tages war es Nathalie einfach zu viel. Zu viel Verantwortung, zu viel Aggression, zu viel Angst. Als ihre alleinerziehende Mutter im Alkoholrausch wieder gewalttätig wird, hält sie es zu Hause nicht länger aus und ruft die Polizei. Zusammen mit ihren beiden kleinen Geschwistern kommt die damals 12-Jährige zunächst in einem Heim unter. Heute, fünf Jahre später, lebt sie in einer betreuten Wohngemeinschaft in Hamburg. Das Verhältnis zu ihrer Mutter hat sich wieder entspannt. Um sie zu schützen, möchte Nathalie in der Öffentlichkeit nicht ihren richtigen Namen nutzen.

Nathalie ist eine von vielen Jugendlichen und Kindern, die mit suchtkranken Eltern aufwachsen. Annähernd drei Millionen Minderjährige sind in Deutschland betroffen. In den meisten Familien ist der übermäßige Alkoholkonsum das zentrale Problem. Etwa 2,65 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben mit mindestens einem alkoholabhängigen Elternteil zusammen. Dazu kommen nach Einschätzung von Expertinnen und Experten etwa 60.000 Kinder, die mit opiatabhängigen Eltern aufwachsen. Bis zu 150.000 weitere Kinder sind von der Glücksspielsucht eines Elternteils betroffen.

Problematisches Elternverhalten

„Das Hauptproblem für die Kinder und für die Familien ist das veränderte Elternverhalten, das sich durch die Suchtstörung ergibt“, erklärt Michael Klein, Professor für Klinische Psychologie und Suchtforschung an der Katholischen Fachhochschule Köln. Süchtige Eltern verhalten sich anders, wenn sie einen Rausch haben oder Entzugserscheinungen erleben. Typisch für eine Abhängigkeit ist auch, dass sich das Denken und Handeln der Betroffenen ständig um das Suchtmittel dreht.

In der Folge vernachlässigen suchtkranke Eltern häufig die Versorgung ihrer Kinder. Nicht selten bleibt der Kühlschrank leer. Mitunter fehlt das Geld für Nahrungsmittel, Kleidung oder Klassenfahrten. Betroffene Kinder und Jugendliche leiden vor allem unter der Unzuverlässigkeit ihrer Eltern, die sich inkonsequent, impulsiv oder aggressiv gegenüber den Kindern verhalten. „Das Problem für die Kinder in den Familien ist die sogenannte psychische Dysfunktionalität der Familie. Das heißt, die Familien funktionieren deutlich anders, als sie funktionieren sollten“, erläutert Michael Klein.

Problematisches Lebensumfeld

Durch die Vernachlässigung werden die Rollen in der Familie oftmals neu verteilt. Wie Nathalie übernehmen ältere Kinder und Jugendliche beispielsweise die Versorgung und die Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister oder kümmern sich um ihre betrunkenen Eltern. Die betroffenen Kinder übernehmen somit Aufgaben, die nicht ihrem Alter entsprechen. Meist überfordert die Kinder dies jedoch. Hinzu kommen häufig familiäre Konflikte und häusliche Gewalt.

Süchtige Eltern sind auch öfter arbeitslos. Häufig leben betroffene Kinder und Jugendliche in ungünstigen Wohnverhältnissen und in einem schwierigen nachbarschaftlichen Umfeld. In der Schule erleben sie häufiger Konflikte oder werden ausgegrenzt.

Belastung hat gravierende Folgen

Bereits in der Kindheit zeigen sich die Folgen dieser Belastung. „In der späten Kindheit sehen wir eine Häufung von Verhaltensproblemen, Depressivität, Ängstlichkeit, Hyperaktivität, Selbstwertproblematiken und Schulproblemen“, erläutert Rainer Thomasius, ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragten des Kinder und Jugendalters in Hamburg.

Viele betroffene Kinder greifen als Jugendliche selbst zu Alkohol und Drogen. Daher haben Kinder mit suchtkranken Eltern ein erhöhtes Risiko, eine Abhängigkeitserkrankung oder eine andere psychische Störung zu entwickeln. „Wenn beide Elternteile ein Alkoholproblem haben, dann ist insbesondere bei Töchtern das Risiko selber eine Abhängigkeit zu entwickeln um den Faktor 28 erhöht. Eine enorme Steigerung des Risikos“, so Thomasius.

Widerstandsfähigkeit stärken

Etwa ein Drittel der betroffenen Kinder entwickelt ernsthafte psychische Störungen im weiteren Leben, ein weiteres Drittel leichte bis mittelschwere Probleme, erläutert Thomasius. Lediglich ein Drittel der Kinder schaffe es, mehr oder weniger unbeschadet, die starke Belastung durch die Suchterkrankung der Eltern zu überstehen.

Die Fähigkeit, trotz starker psychischer Belastung gesund zu bleiben, bezeichnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Resilienz. Resilienz ist eine Art Widerstandskraft, zu der eine Vielzahl an positiven Eigenschaften und Fähigkeiten gehören, wie die Überzeugung, selbst etwas bewirken zu können und Einfluss auf das eigene Leben zu haben. Auch die Fähigkeit, über sich selbst nachzudenken und Probleme zu lösen, zählen dazu. Diese Fähigkeiten zu fördern ist auch das Ziel von speziellen Hilfeangeboten für Kinder suchtkranker Eltern.

Manchmal sind sich die betroffenen Kinder jedoch nicht bewusst, dass sich ihre Eltern nicht normal verhalten, weiß Henning Mielke, Journalist und Gründer von NACOA e.V., einer Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien. „Die Idee ‚Ich brauche Hilfe‘, die kommt vielen Kindern überhaupt nicht. Deshalb ist es so ungemein wichtig, dass es im Umfeld sensible Menschen gibt, die mitkriegen, das hier etwas nicht stimmt.“

Sucht der Eltern darf kein Tabu sein

Neben den individuellen Kompetenzen spielt die soziale und emotionale Unterstützung durch das persönliche Umfeld eine wichtige Rolle für betroffene Kinder. „Das war für mich in meiner eigenen Kindheit ungemein wichtig, dass ich andere Familien hatte, bei denen ich gemerkt habe, irgendwie geht es bei denen anders zu“, sagt NACOA Gründer Mielke. Er ist selbst in einer suchtbelasteten Familie aufgewachsen. Das Wichtigste was Menschen im Umfeld tun könnten, sei einfach für betroffene Kinder da zu sein.

Doch häufig ist die Suchterkrankung der Eltern ein Tabuthema, über das sowohl Eltern als auch Kinder schweigen. Und nicht selten sind andere Personen aus dem Umfeld unsicher, wie sie den betroffenen Kindern und Familien helfen können. „Ich hab mit unzähligen Vertrauenslehrern geredet und manchen auch meine Geschichte angedeutet. Aber da ist nie etwas passiert“, erzählt Nathalie von ihren Erfahrungen.

Erst nach langer Zeit findet sie in einer Lehrerin eine Vertrauensperson, der gegenüber sie sich öffnet. Das lag nicht nur an den vielen gemeinsamen Unterrichtsstunden, sondern vor allem daran, dass diese Lehrerin ihr wirklich zugehört habe. „Und zwar nicht, weil sie in dem Moment bei mir steht, meine Lehrerin ist und mir zuhören muss - sondern weil sie es will. Und das war das erste Mal, dass ich wirklich das Gefühl hatte, dass jemand daran interessiert ist, was ich sage.“

Fazit

Kinder suchtkranker Eltern leiden unter ungünstigen Lebensumständen. Meist sind sie selbst gefährdet, süchtig zu werden oder an einer anderen psychischen Störung zu erkranken. Gesunde Elternteile sowie Menschen im sozialen Umfeld können für betroffene Kinder und Jugendliche eine wichtige Hilfe sein. Zudem existieren spezielle Hilfs- und Beratungsangebote. Damit betroffene Kinder und Jugendliche sich trauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist es wichtig, das Thema Sucht in der Familie zu enttabuisieren.

Hilfs- und Beratungsangebote für betroffene Kinder und Jugendliche:

Auch die Online-Beratung von drugcom.de kann von Angehörigen suchtkranker oder suchtgefährdeter Menschen genutzt werden.

Quellen:

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