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Computerspielsucht

Die Computerspielsucht zählt zu den so genannten Verhaltenssüchten, die dadurch gekennzeichnet sind, dass nicht eine psychoaktive Substanz, sondern ein übermäßiges Verhalten suchtähnliche Anzeichen aufweist. In Fachkreisen wird allerdings noch darüber diskutiert, ob es sich bei der Computerspielsucht tatsächlich um eine eigenständige Abhängigkeitserkrankung handelt oder diese nur Kennzeichen anderer ursächlicher Probleme ist. Eine anerkannte Diagnose „Computerspielsucht“ gibt es bislang nicht.

Dennoch gibt es vermehrt Berichte, dass manche Jugendliche und junge Erwachsene ein exzessives Spielverhalten zeigen, dass suchtähnliche Merkmale aufweist. Aufgrund der Neuartigkeit des Phänomens liegen bislang nur wenige Zahlen über die Verbreitung der Computerspielsucht vor. Die Zahlen reichen von 6% bis 20% bei Kindern und Jugendlichen, die eine pathologische Computerspielnutzung zeigen. In einer Untersuchung unter Berliner Schülerinnen und Schülern der 8. Klasse fand ein Forschungsteam unter den aktiv Spielenden rund 10 %, die Kennzeichen einer Abhängigkeit aufweisen. Besonders hoch war die Quote unter Hauptschülerinnen und Hauptschülern.

Attraktivität von Computerspielen

Insbesondere die Verbreitung von so genannten Massive Multiplayer Online Games (MMOGs) oder Massive Multiplayer Online Role Play Games (MMORPGs) haben zu dem Phänomen des exzessiven Computerspielverhalten unter Kindern und Jugendlichen beigetragen. Bekannte Vertreter dieser Art von Computerspielen sind „World of Warcraft“, „Final Fantasy“ oder „Everquest“. Die über das Internet verfügbaren Computerspiele haben eine weltweite Fangemeinde, die sich rund um die Uhr in den virtuellen Spiel-Welten aufhalten kann.

Die Spielerinnen und Spieler organisieren sich in den Online-Rollenspielen zu so genannten Gilden, das sind soziale Gruppen, die sich im Internet zum gemeinsamen Spielen verabreden. Das Suchtpotenzial dieser Art von Spielen liegt unter anderem in dem hohen Zeitaufwand begründet, der zum Fortkommen im Spiel notwendig ist. Der Aufwand wird aber durch ein steigendes soziales Prestige innerhalb der Spielergemeinschaft und durch vertiefte soziale Bindungen innerhalb der Gilde belohnt. Die sozialen Bindungen innerhalb der virtuellen Computerspielwelt gewinnen an Bedeutung, erzeugen damit aber auch Verpflichtungen und Versäumnisängste. Manche Spielerinnen und Spieler sollen sich sogar den Wecker stellen, damit sie nachts Verabredungen mit anderen Gildemitgliedern nachkommen können.

Darüber hinaus gibt es so genannte MUDs (Multi User Dimensions oder Multi User Dungeons), in denen sich Spielerinnen und Spieler in überwiegend textbasierten virtuellen Welten miteinander in Kontakt treten. Die Einbindung von grafischen Elementen ist aber ebenso möglich. Ein bekannter Vertreter von MUDs ist beispielsweise die virtuelle Welt „Second Life“. Der Sinn von MUDs besteht in erster Linie im Aufbau und Pflege sozialer Kontakte.

Folgen der Abhängigkeit

Online-Rollenspiele wie „World of Warcraft“ entwickeln eine hohe Bindungskraft an das Medium Computer, da hier eine Art virtuelle Parallelwelt aufgebaut wird, in der die Spielerinnen und Spieler immer stärker „abtauchen“ und in der ihr virtueller sozialer Status mit ansteigender Geschicklichkeit wächst. Der in der Online-Community erworbene Status steht demgegenüber oftmals im Kontrast zu den realen sozialen Problemen dieser jungen Menschen. Daher sind insbesondere jene Personen gefährdet ein suchtähnliches Computerspielverhalten zu entwickeln, die Selbstwertprobleme und wenige befriedigende soziale Kontakte in der realen Welt haben.

Ein wichtiges Kennzeichen einer Abhängigkeitserkrankung ist der Kontrollverlust. Dieses wird auch bei Computerspielerinnen und -spielern beobachtet. Sie haben die Dauer des Spielens nicht mehr voll im Griff und spielen oft die meiste Zeit ihrer Freizeit. Extremfälle, in denen sogar länger als 24 Stunden gespielt wird, können vorkommen. Die Folgen sind Leistungseinbußen im schulischen oder beruflichen Bereich, Unruhe und Verschiebungen im Schlaf-Wach-Rhythmus. Andere Interessen und soziale Kontakte werden vernachlässigt, so dass sich das Freizeitverhalten immer stärker auf die virtuelle Welt fokussiert.

Kennzeichen einer Computerspielsucht

Forschungen konnten zeigen, dass sich die Kriterien für eine Abhängigkeitsentwicklung wie sie auf psychoaktive Substanzen angewendet werden, auch bei Computerspielsüchtigen anwenden lassen. Folgende Kennzeichen lassen sich beschreiben (zit. nach Grüsser-Sinopoli, 2008):

  • starker, fast zwanghafter Druck bzw. das Verlangen, am Computer zu spielen
  • mehrere vergebliche Versuche, das Verhalten einzuschränken (Kontrollverlust)
  • Entzugserscheinungen bei verhinderter Computerspielnutzung (Nervosität, Unruhe, Schlafstörungen)
  • Steigerung der Häufigkeit oder Intensität/Dauer des Computerspielens (Toleranzentwicklung)
  • fortschreitenden Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessen
  • anhaltendes exzessives Computerspielen trotz eindeutiger schädlicher Folgen (z. B. Übermüdung, Leistungsabfall in der Schule oder im Beruf, Mangelernährung)

Weitere Informationen siehe Verhaltenssucht.

Literatur:
Grüsser-Sinopoli, S. (2008). Exzessive Computernutzung - Ergebnisse verschiedener Studien. Mainz.