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Topthema

Den Cannabisausstieg richtig angehen

Januar 2016

Mehr Sport treiben, nicht so viel Ungesundes essen, weniger kiffen … Das neue Jahr startet bei vielen Menschen mit guten Vorsätzen. Doch der innere Schweinehund gewinnt - wie so oft - mit der Zeit die Oberhand. Viele unterschätzen die Macht der Gewohnheit oder überschätzen ihren Durchhaltewillen. Denn Wille allein reicht meist nicht aus. Doch die gute Nachricht ist: Es gibt wirksame Tricks, die dabei helfen, das Kiffen einzustellen oder zu reduzieren.

Wand mit aufgemaltem Schriftzug "Morgen ist auch noch ein Tag"

Bild: zettberlin / photocase.com

Jedes Jahr dasselbe Spiel. Motiviert bis in die Haarspitzen und mit guten Vorsätzen gewappnet beginnen wir das neue Jahr. Manche sagen sich: „Jetzt will ich endlich weniger kiffen. Also bald. Warum noch nicht heute? Och, heute ist ungünstig. Der Tag war so anstrengend, da muss ich erst mal chillen. Aber bald höre ich wirklich auf.“

Wem das nicht ganz unbekannt vorkommt, der ist nicht allein. Die Aufschieberitis ist ein nur allzu menschliches Phänomen. Wir sind gut darin, Pläne für die eigene Zukunft zu schmieden. Nur bei der Umsetzung mangelt es häufig an konsequentem Handeln. Aber das ist normal. Die Wissenschaft hat sogar ein Fachwort dafür: Prokrastination. Der Mensch ist ein Prokrastinator. Das gilt für Cannabis-Liebhaber ganz besonders.

Cannabisabhängigkeit gibt es wirklich

Oftmals merken Konsumierende erst, wenn sie das Kiffen einschränken, dass das gar nicht so einfach ist. Denn Cannabis kann abhängig machen. Manche können sich das nicht vorstellen oder wollen es nicht wahrhaben. Im drugcom-Video erklärt Patrick, dass auch er die Droge anfangs unterschätzt hatte. „Es ist ja nur Gras“, hatte er sich früher eingeredet. „Es ist ja nicht chemisch, es ist ja nicht sowas wie Heroin oder Kokain. Ich habe immer gedacht, ich hab‘s unter Kontrolle.“ Als er dann aufhören wollte zu kiffen, kamen die Entzugserscheinungen. Er kriegte schwitzige Hände, konnte nicht mehr schlafen und wurde aggressiv. Da musste er sich eingestehen, dass er tatsächlich abhängig war.

Natürlich betrifft das nicht alle Cannabiskonsumierenden. Die meisten von ihnen haben keine Probleme damit, nicht mehr zu kiffen, wenn die Umstände es erfordern. Oft verliert das Kiffen auch einfach an Bedeutung, weil andere Dinge in den Vordergrund treten. Manche Menschen wollen aber nicht auf das Gefühl verzichten, dass sie beim Kiffen verspüren.

Viele langjährige Kiffer haben Cannabis anfangs nur im Freundeskreis konsumiert. Mit der Zeit kiffen sie aber immer häufiger auch alleine und ziehen sich in die eigenen vier Wände zurück. Während der Spaßfaktor abnimmt, übernimmt das Kiffen immer mehr die Funktion, mit unangenehmen Gefühlen wie Angst, Einschlafschwierigkeiten oder anderen Problemen umzugehen. Doch irgendwann dämmert es den meisten der Betroffenen, dass es so nicht weiter geht. Oder wie es ein ehemaliger Teilnehmer des Ausstiegsprogramm Quit the Shit ausdrückte: „Irgendwann hab ich mich selbst dafür gehasst, nicht mal ein paar Tage aufhören zu können.“

Reduzieren oder Ausstieg?

Ist der Entschluss gefällt, etwas ändern zu wollen, gilt es, ein Ziel zu definieren, das mit der Frage beginnt: Ganz aufhören oder reduzieren? Das Reduzieren erscheint manchen Konsumierenden ein guter Kompromiss zu sein, um die negativen Effekte des Konsums zu verringern, ohne ganz auf die angenehme Wirkung verzichten zu müssen. Das kann auch klappen - wenn die entsprechende Selbstkontrolle vorhanden ist.

Gerade bei langjährigen Kiffern ist das mit der Selbstkontrolle aber so eine Sache. Jeder Konsum birgt in sich das Risiko, wieder in das alte Konsummuster zurückzufallen. Im Programm Quit the Shit haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, zunächst das Reduzieren auszuprobieren. Manche der Teilnehmenden stellen nach einer Weile aber fest, dass sie damit nicht klar kommen. Andere haben schon vor der Anmeldung vergebliche Reduzierungsversuche hinter sich und wollen das Programm dazu nutzen, endlich ganz vom Kiffen loszukommen.

So paradox es sich auch anhört, aber der Ausstieg ist oft einfacher als das Reduzieren. Das Reduzieren erfordert mehr Willenskraft und Disziplin, als das Kiffen ganz einzustellen. Denn die Entscheidung, nicht mehr kiffen zu wollen, wird nur einmal gefällt. Beim Reduzieren muss die Entscheidung, Konsum ja oder nein, immer wieder aufs Neue getroffen werden.

Wer dennoch reduzieren möchte, sollte sich ein eindeutiges und messbares Ziel setzen. Das Ziel „Ich will weniger kiffen“ hilft nicht weiter. Wie viel ist weniger? Da ist der Selbstbetrug vorprogrammiert. „Ich will nur noch zu besonderen Anlässen kiffen“, ist ebenfalls zu vage. Denn wenn nicht klar definiert ist, was ein besonderer Anlass ist, dann könnte jede Situation zu einem besonderen Anlass werden. Eindeutig messbar ist hingegen ein Ziel wie beispielsweise: „Ich will nur noch freitags und samstags je maximal einen Joint rauchen.“ Tag und Menge sind eindeutig definiert. So kann man auch stolz sein, wenn man es eine Woche lang geschafft hat.

Auf schwierige Situationen gefasst machen

Ist das Ziel definiert, sollten Konsumierende nicht allein auf ihre Willenskraft vertrauen. Sie dürfen sich bewusst machen, dass Verhaltensänderungen selten über Nacht erfolgen. Es dauert mindestens ein paar Wochen, bis alte Gewohnheiten halbwegs verdrängt und neue an ihrer Stelle gerückt sind. Und selbst dann müssen ehemalige Kiffer immer wieder aufpassen.

Noch bevor man zur Tat schreitet und den Konsum beendet oder reduziert, sollte man sich Zeit nehmen und sich gründlich mit den persönlichen Risikosituationen auseinandersetzen: In welchen Situationen und unter welchen Umständen kiffe ich? Welche Motive verbinde ich mit dem kiffen? Wann fällt es mir besonders schwer, aufs Kiffen zu verzichten? Diese Fragen sollte man im Vorfeld für sich klären. Am besten ist, man schreibt alles auf.

Der nächste Schritt besteht darin, sich Kontrollstrategien zu überlegen. Das sind alternative Handlungen oder Gedanken, die helfen könnten, schwierige Situationen zu meistern. Wer üblicherweise abends vor dem Einschlafen kifft, sollte sich andere Einschlafrituale zulegen. Manchen Personen helfen Entspannungstechniken, andere können sich mit einem Buch in Schlummerstimmung bringen. Hier gibt es keine Patentrezepte. Wichtig ist, die für sich nützlichen Tricks zu finden - ohne bei Drogen oder Medikamenten Zuflucht zu suchen - und es auch eine Weile auszuhalten, wenn es mit dem Einschlafen nicht sofort klappt.

Trotz guter Vorbereitung kann die Gefahr eines Rückfalls besonders in den ersten Wochen dennoch hoch sein. Nicht selten erleben die Betroffenen anfangs auch Entzugssymptome. Rückfälle sind aber normal und sollten niemals zum Anlass genommen werden, das persönliche Ziel ganz aufzugeben. Vielmehr bieten Rückfälle auch eine Chance, für die Zukunft zu lernen und seine Kontrollstrategien zu verfeinern.

Alternativen finden

Für das Gelingen des Ausstiegs oder des Reduzierens sind nicht nur Strategien für Risikosituationen wichtig, auch darüber hinaus sollten sich Aussteiger und Aussteigerinnen Gedanken über die Gestaltung ihres Alltags machen. Denn jahrelanges Kiffen hat meist einen großen Raum im Alltag von Konsumierenden eingenommen. Den gilt es neu zu füllen.

Alternative Aktivitäten sollten möglichst viel Aufmerksamkeit erfordern, um die Betroffenen davon abzulenken, an das Kiffen zu denken. Sport ist besonders gut geeignet. Wer sich tagsüber sportlich betätigt, ist ausgeglichener und kann abends besser einschlafen. Die Wirksamkeit von Sport im Cannabisentzug ist sogar wissenschaftlich belegt. Es gibt aber auch weniger schweißtreibende Aktivitäten, die geeignet sind, vom Kiffen abzulenken. Vielleicht gibt es Hobbys, die man aufgrund des Kiffens vernachlässigt hat und wieder aufnehmen kann. Oder man sucht sich gezielt eine neue Tätigkeit, die einem Spaß macht und ausfüllt.

Hilfsmöglichkeiten nutzen

Den Ausstieg aus dem Kiffen schaffen viele Konsumierende in Eigenregie. Auf Quit the Shit gibt es eine Menge nützlicher Informationen hierzu. Quit the Shit bietet darüber hinaus auch die Möglichkeit, die Unterstützung eines professionellen Beratungsteams zu nutzen. Das geht weitestgehend anonym und ist kostenfrei.

Wer sich lieber von Angesicht zu Angesicht beraten lassen möchte, kann sich auch an eine Beratungsstelle vor Ort wenden. Im Verzeichnis der Suchtberatungsstellen kann man eine Einrichtung in der Nähe des eigenen Wohnorts suchen.

Fazit

Wer sich gute Vorsätze nicht nur vornimmt, sondern diese auch in die Tat umsetzen will, darf sich einen Plan zurechtlegen. Dazu gehört, sich ein messbares Ziel sowie ein festes Datum zu setzen, an dem man mit der Umsetzung beginnt. Zur Vorbereitung gehören auch die Auseinandersetzung mit den eigenen Risikosituationen und das Entwickeln von Kontrollstrategien. Besonders hilfreich ist es, sich neuen Aktivitäten zuzuwenden. Auf Quit the Shit gibt es weitere Tipps für den Konsumausstieg oder die Reduktion sowie die Möglichkeit, sich von einem professionellen Beratungsteam kostenfrei unterstützen zu lassen.

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