Synthetische Cannabinoide
Wichtige Erkenntnisse auf einen Blick
- In den 1960er Jahren sind synthetische Cannabinoide erstmals entwickelt worden.
- Im Jahr 2008 ist bekannt geworden, dass synthetische Cannabinoide als Kräutermischung getarnt vermarktet werden.
- Es gibt auch Fälle, in denen synthetische Cannabinoide auf wirkstoffarmen Industriehanf gesprüht wurde, um normales Marihuana vorzutäuschen.
- Synthetische Cannabinoide können um ein Vielfaches stärker wirken als pflanzliche Cannabinoide. Die Wirkung kann jedoch von Produkt zu Produkt sehr unterschiedlich und unvorhersehbar sein.
- Synthetische Cannabinoide können schwerwiegende körperliche Effekte wie Krampfanfälle oder Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzinfarkt auslösen.
- Aufgrund ihrer stärkeren Wirkung haben synthetische Cannabinoide ein höheres Abhängigkeitspotential und ein größeres Psychose-Risiko als pflanzlicher Cannabis.
- Synthetische Cannabinoide unterliegen dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG). Der Umgang mit diesen Stoffen ist verboten.
Was sind synthetische Cannabinoide?
Synthetische Cannabinoide sind künstlich hergestellte Substanzen, die eine ähnliche Wirkung haben wie pflanzlicher Cannabis. Die ersten synthetischen Cannabinoide wurden in den 1960er Jahren entwickelt, kurz nachdem die chemische Struktur des Cannabiswirkstoffs THC entschlüsselt wurde. Ursprünglich wurden synthetische Cannabinoide in der medizinischen Forschung benutzt. Synthetische Cannabinoide werden allerdings auch zu Rauschzwecken konsumiert.
In Deutschland hatte 2008 ein als Kräutermischung getarntes Produkt, das unter dem Namen Spice vermarktet wurde, für Aufsehen gesorgt. Konsumierende berichteten von Wirkungen, die denen von Cannabis ähnlich sind. Analysen des Produkts haben schließlich ergeben, dass die Wirkung nicht von den in Spice enthaltenen Kräutern, sondern von den darauf aufgebrachten synthetischen Cannabinoiden ausgeht. 2009 wurden die Inhaltsstoffe verboten.
Wie werden synthetische Cannabinoide konsumiert?
Der Konsum von synthetischen Cannabinoiden zu Rauschzwecken erfolgt meist über das Rauchen von Kräutermischungen. Das sind getrocknete Blüten und Blätter exotisch klingender Kräuter. Die Produzenten nutzen diese Kräuter aber lediglich als Träger für synthetische Cannabinoide, die vermutlich drauf gesprüht werden.
Davon zu unterscheiden ist „Fake-Hanf“. Dabei handelt es sich um Industrie-Hanf oder CBD-Hanf, der nur geringe Mengen THC enthält und in der Regel nicht berauschend wirkt. Illegale Produzenten besprühen diesen Cannabis mit synthetischen Cannabinoiden, um „normales“ Marihuana vorzutäuschen.
Eine weitere Variante sind E-Zigaretten, auch bekannt als Vapes, die mit „Baller-Liquids“ befüllt werden. Diese Liquids enthalten synthetische Cannabinoide, was für Konsumierende aber nicht immer ersichtlich ist, da es sich nicht um ein reguliertes Produkt handelt.
Wie wirken synthetische Cannabinoide?
Sowohl synthetische Cannabinoide als auch der natürliche Wirkstoff THC aktivieren die Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems in unserem Nervensystem. Die Wirkung von synthetischen Cannabinoiden ist allerdings nicht identisch mit der von pflanzlichem Cannabis. Konsumierende berichten, dass sich die Wirkung von synthetischen Cannabinoiden manchmal anfühlt wie Cannabis, ein anderes Mal allerdings völlig anders.
Ein Grund für die unterschiedliche Wirkung ist darauf zurückzuführen, dass es sich bei den Kräutermischungen, die synthetische Cannabinoide enthalten, um unkontrollierte und oftmals illegale Produkte handelt und sowohl die Menge als auch die Qualität der enthaltenen Wirkstoffe unbekannt sind.
Tests haben ergeben, dass die enthaltenen Wirkstoffkonzentrationen von Produkt zu Produkt sehr unterschiedlich sein können. Sogar Kräutermischungen derselben Marke können unterschiedlich dosiert sein. Hinzu kommt, dass die Wirkstoffe bei der Produktion nicht immer gleichmäßig aufgetragen werden. Die aufgenommene Wirkstoff-Dosis ist so kaum vorhersehbar.
Darüber hinaus ist nicht klar, welche Wirkstoffe enthalten sind und ob es sich um synthetische Cannabinoide oder um ganz andere Substanzen handelt. Es gibt zudem eine kaum noch überschaubare Anzahl unterschiedlicher synthetischer Cannabinoide, die sich in ihrer Wirkstärke teils deutlich voneinander unterscheiden. Im Vergleich zu natürlichem THC kann die Wirkung der synthetischen Cannabinoide um ein Vielfaches stärker sein.
Welche akuten Risiken hat der Konsum von synthetischen Cannabinoiden?
Die unerwünschten Effekte der künstlich hergestellten Cannabinoide ähneln denen von THC, aufgrund der zum Teil stark erhöhten Potenz synthetischer Wirkstoffe hat der Konsum dieser Substanzen allerdings häufiger schwere Nebenwirkungen zur Folge.
Manche synthetische Wirkstoffe haben eine kürzere Wirkung als THC, bei anderen kann die Wirkung mehrere Stunden länger sein, als man es von THC kennt. Die häufigsten unerwünschten Nebeneffekte sind Herzrasen, starke Unruhe und Halluzinationen. Es gibt Berichte, in denen Konsumierende starke Brechanfälle bekommen haben. Bei manchen von ihnen waren die Effekte so stark, dass sie ein Fall für die Notaufnahme waren. Auch sind Todesfälle in Zusammenhang mit dem Konsum von synthetischen Cannabinoiden dokumentiert.
Viele der akuten Folgen sind auch von THC bekannt, manche werden jedoch als eher untypisch für die Wirkung von Cannabis eingestuft. Dazu zählen insbesondere:
- Krampfanfälle
- Atemstillstand
- Akutes Nierenversagen
- Brustschmerzen, Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkt
Welches Psychose-Risiko ist mit dem Konsum von synthetischen Cannabinoiden verbunden?
Synthetische Cannabinoide haben im Gehirn eine stärkere Bindungskraft an Cannabinoidrezeptoren als THC pflanzlichen Ursprungs und enthalten im Gegensatz zu Cannabis kein Cannabidiol (CBD). CBD hat zwar keine psychoaktive Wirkung, kann aber den Rausch, der durch THC erzeugt wird, abmildern. CBD wird zudem eine gewisse Schutzfunktion gegen psychotische Effekte zugesprochen. Konsumierende fühlen sich dann eher entspannt bis schläfrig. Fehlt CBD, wie bei bestimmten hochpotenten Cannabissorten, wird der Rausch deutlich intensiver und halluzinogener.
Durch das Fehlen von CBD in synthetischen Cannabinoiden fehlt auch dessen Schutzfunktion vor psychotischen Effekten. In Kombination mit der stärkeren Rezeptoraktivierung kann dies psychotische Episoden bei hierfür empfänglichen Personen auslösen. Zwar ist der Zusammenhang zwischen Cannabis und Psychose noch nicht abschließend geklärt, Studien weisen aber darauf hin, dass Konsumierende mit einer Vorliebe für hochpotenten Cannabis ein höheres Risiko für eine Psychose haben, als Personen, die noch nie gekifft haben.
Die bisher für synthetische Cannabinoide vorliegenden Berichte deuten darauf hin, dass eine so genannte drogeninduzierte Psychose beim Konsum synthetischer Cannabinoide tatsächlich öfter vorkommt als bei pflanzlichem Cannabis. Meist lösen Psychosen starke Ängste aus. Konsumierende sprechen dann gelegentlich auch von einem Horror-Trip. Es gibt eine Reihe von Fällen, in denen sich Konsumierende in der Psychose selbst verletzt haben und ums Leben gekommen sind.
Welches Abhängigkeitspotential haben synthetische Cannabinoide im Vergleich zu pflanzlichem Cannabis?
Häufiger Konsum von Cannabis kann eine Abhängigkeit nach sich ziehen. Dies gilt auch für synthetische Cannabinoide. So wurde beobachtet, dass nach dem Beenden des chronischen Konsums synthetischer Cannabinoide Entzugssymptome auftreten wie Bluthochdruck, Übelkeit, Zittern, Schwitzen, Albträume und ein starkes Verlangen nach der Drogen, auch Craving genannt.
Im Vergleich zu pflanzlichem Cannabis entwickelt sich bei synthetischen Cannabinoiden schneller eine Toleranz gegenüber den Wirkstoffen. Das bedeutet, es muss schneller mehr konsumiert werden, um noch die gleiche Wirkung zu erzielen. In der Konsequenz erzeugen synthetische Cannabinoide auch stärkere Entzugssymptome als pflanzlicher Cannabis.
Wie sind synthetischen Cannabinoide rechtlich einzuordnen?
Synthetische Cannabinoide sind unter dem Begriff Legal Highs bekannt geworden. Drogenhersteller hatten mit der Produktion neuer Substanzen eine Zeit lang eine rechtliche Lücke ausgenutzt, da es meist eine Weile dauert, bis der Gesetzgeber diese Stoffe in das Betäubungsmittelgesetz aufnimmt. Um die Lücke zu schließen, wurde im Jahr 2016 das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz, kurz NpSG, eingeführt. Das NpSG umfasst nicht einzelne Substanzen, sondern ganze Stoffgruppen. Das bedeutet: Auch neue Abwandlungen von synthetischen Cannabinoiden unterliegen automatisch dem NpSG.
Das Verbot umfasst den Handel, das Inverkehrbringen, die Herstellung, die Ein-, Aus- und Durchfuhr, den Erwerb, den Besitz und das Verabreichen von neuen psychoaktiven Substanzen.
Quellen:
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Stand der Information: Oktober 2026
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