Home > News > Aktuelle Meldungen > Weniger MDMA, aber mehr Ketamin und Kokain im Abwasser
25.03.2026
Die europäische Drogenagentur EUDA hat neue Abwasserdaten vorgelegt. Die Analysen deuten auf eine leichte Verschiebung der Konsumgewohnheiten in Europa hin.

Bild: Vladimir Zapletin / iStock.com
Wie Konfetti liegen die bunten Kreise auf der Europäischen Landkarte verteilt. Jeder Kreis markiert eine Stadt, in der Drogen im Abwasser gefunden wurden. Die Größe der Kreise markiert das Ausmaß der Drogenfunde. Die Grafiken im Bericht der Europäischen Drogenagentur EUDA machen deutlich: Fast alle untersuchten Drogen werden überall in Europa konsumiert.
Seit 2011 entnehmen Forschende Proben aus unserem Abwasser und analysieren es auf Drogenrückstände. Die aktuellen Ergebnisse der EUDA mit Abwasserdaten aus 25 Ländern und 115 Städten deuten auf eine leichte Verschiebung der Drogenkonsumgewohnheiten hin.
Eine auffällige Entwicklung ist der starke Rückgang von MDMA, auch bekannt als Ecstasy. Zwischen 2024 und 2025 sanken die gemessenen MDMA‑Rückstände im Abwasser im Durchschnitt um 16 Prozent. Besonders stark war der Rückgang in Deutschland, Österreich und Slowenien.
Interessant ist, dass dieser Einbruch sogar deutlicher ausfällt als während der Corona-Pandemie im Jahr 2020, als in den meisten Städten Europas Clubs schließen und Festivals abgesagt werden mussten.
Während MDMA im Abwasser deutlich rückläufig war, sind Kokain und Ketamin umso stärker angestiegen. So ist der Anteil das Kokain-Abbauprodukts Benzoylecgonin, das unser Körper produziert, im Zeitraum von 2024 bis 2025 um 22 Prozent gestiegen. Besonders hohe Werte wurden in Belgien, den Niederlanden und Spanien registriert. Auch in Deutschland wurden in 6 von 8 Städten, die Daten zu Kokain für die Jahre 2024 und 2025 geliefert haben, ansteigende Werte registriert.
Eine besonders starke Zunahme war für Ketamin zu verzeichnen. Das Narkosemittel wird auch als Rauschdroge im Partykontext missbraucht. Den Abwasserdaten zufolge hat es eine Zunahme um 41 Prozent gegeben. 40 von 66 Städte, in denen Messwerte erhoben wurden, verzeichneten einen Anstieg, 14 Städte meldeten gleichbleibende Werte und 12 einen Rückgang. Die höchsten Werte fanden sich in den Städten von Belgien, den Niederlanden und Deutschland.
Während sich für Cannabis, Amphetamin und Methamphetamin europaweit ein uneinheitliches Bild abzeichnet, kommen alle drei Drogen in Deutschland in relevanten Mengen vor. Insbesondere für Cannabis ließen sich vergleichsweise hohe Werte des Abbauprodukts THC-COOH im Abwasser deutscher Städte nachweisen.
Einschränkend muss erwähnt werden, dass Abwasseranalysen keine Aussage darüber machen können, wie viele und welche Menschen Drogen konsumieren. Auch ergeben sich methodische Unschärfen aufgrund unterschiedlicher Reinheitsgrade von illegalen Drogen.
Abwasseranalysen haben sich aber als zuverlässige Methode dafür etabliert, die Menge an konsumierten Drogen auf Ebene der Bevölkerung zu messen.
„Europas Abwasser erzählt die Geschichte eines Drogenphänomens, das weit verbreitet, vielfältig und einem ständigen Wandel unterworfen ist“ (Lorraine Nolan, Direktorin der EUDA)
Quellen:
Webanalyse / Datenerfassung
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