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Risiken durch Crystal

Oktober 2005

>> Es liegt eine aktualisierte Version zum Thema Crystal/Methamphetamin vor.

Crystal ist wegen seiner ausgesprochen hohen Giftigkeit für die Nervenzellen vermutlich die gefährlichste unter den aktivierenden illegalen Drogen. Wenn Crystal außerdem mit anderen Drogen konsumiert wird, zum Beispiel, um wieder „runter“ zu kommen, dann ist dies mit hoher Wahrscheinlich eine besonders riskante Belastung für den Organismus.

Substanz

Crystal ist der Szenename für Methamphetamin, einem Stimulantium, das schon 1934 entwickelt und unter dem Handelsnamen „Pervitin“ auf den Markt gebracht wurde. Seinen Szenenamen verdankt Methamphetamin vermutlich der kristallinen Form, weshalb Crystal auch „Ice“ genannt wird.

Wirkung und Risiken

Crystal wirkt ähnlich wie Amphetamin (Speed), nur wesentlich länger und stärker. Eine übliche Einmaldosis Amphetamin dauert beispielsweise ungefähr sechs bis acht Stunden. Bei Crystal reicht eine „Line“ dagegen aus, um bis zu 20 Stunden „drauf zu sein“. Wird die Dosis erhöht, hält die Wirkung entsprechend länger an, was jedoch nicht selten von heftigen und immer wieder kehrenden Halluzinationen begleitet wird.

Durch die Ausschüttung der körpereigenen Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin kommt es zu einer körperlichen Leistungssteigerung, verbunden mit einer Erhöhung des Pulses, der Herzfrequenz und des Blutdrucks. Hunger und das Schlafbedürfnis werden unterdrückt. Ein gehobenes Selbstwertgefühl, erhöhte Risikobereitschaft, Euphorie, extreme Nervosität sowie ein gesteigerter Rededrang („Laberflash“) sind weitere typische Symptome.

Häufiger Konsum von Crystal führt zu massiven Schlaf- und Kreislaufstörungen. Magenschmerzen und sogar Magendurchbruch sind ebenso möglich wie Zahnausfall, Paranoia, Entzündungen der Haut („Speedpickel“) und Organblutungen. Der chronische Konsum kann außerdem Hirnblutungen und Schlaganfälle mit plötzlichen Lähmungen verursachen. Tierexperimentelle Untersuchungen haben gezeigt, dass Methamphetamin eine hohe neurotoxische Wirkung hat, also das Gehirn nachhaltig schädigen kann. Forscherinnen und Forscher gehen sogar davon aus, dass Methamphetamin die toxischste (giftigste) Substanz unter den Amphetaminabkömmlingen ist. Die Droge besitzt außerdem ein enorm hohes Abhängigkeitspotential.

Verbreitung in Deutschland

Aussagekräftige Zahlen über die Verbreitung von Crystal in Deutschland gibt es nicht. In den repräsentativen Untersuchungen zum Drogenkonsum in Deutschland wird nicht speziell nach Crystal gefragt, da es bislang keine verbreitete illegale Substanz in Deutschland war.

Hinweise über die Verbreitung gibt es aus regionalen Untersuchungen oder Polizeistatistiken. Nennenswert ist ein Drogenfund im März 2000. Damals wurde an einem deutsch-tschechischen Grenzübergang eine größere Menge (ein Kilogramm) Methamphetamin sichergestellt. In diesem Jahr waren die Ermittler ebenfalls fündig geworden: Allein bis Mai 2005 haben Polizei und Zoll bereits mehr Methamphetamin (2.436 Gramm) sichergestellt als im gesamten letzten Jahr (2.378 Gramm). Im April dieses Jahres stießen Berliner Beamte zudem bei Wohnungsdurchsuchungen auf 59 Kilogramm Ephedrin, das zur Crystal-Herstellung verwendet wird. Aus 60 Kilogramm Ephedrin lassen sich etwa 45 Kilogramm Methamphetamin herstellen - das entspricht einem Marktwert von 2,25 Millionen Euro.

Nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamts wird Crystal vor allem in Tschechien hergestellt. In Sachsen, das an Tschechien angrenzt, scheint Crystal eine nicht unbedeutende Rolle zu spielen. Einer Untersuchung unter sächsischen Drogenkonsumenten zufolge werden aber Cannabis, Ecstasy und Biodrogen erheblich häufiger als Crystal konsumiert.

Die Verbreitung von Crystal scheint sich überwiegend auf die Grenzregion zu beschränken, aus anderen Bundesländern sind derartige Meldungen nicht zu verzeichnen. Rüdiger Engler vom Berliner Landeskriminalamt äußerte sich dazu in der „Welt“: „Diese synthetische Droge ist im Berliner Straßenhandel noch nicht aufgetaucht, aber trotzdem sehr gefährlich.“

Quellen

1. www.zollkriminalamt.de
2. Drogenstudie in Sachsen
3. Schweizerisches Toxikologisches Informationszentrum
4. Rommelspacher, H. (1999). Amphetamine und Entaktogene. In M. Gastpar, K. Mann & H. Rommelspacher (Hrsg.), Lehrbuch der Suchterkrankungen. Stuttgart: Thieme.

Pressestimmen

1. www.welt.de
2. www.taz.de

 


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