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 HomeTopthema > Topthema vom Mai 2019

Topthema

Rauchen fügt der Umwelt erheblichen Schaden zu

Mai 2019

Sechs Billionen Zigaretten werden jährlich produziert. Ausgelaugte Ackerböden, fortschreitende Wasser- und Luftverschmutzung, zunehmende Entwaldung und ein immenser Energiebedarf sind die Folge. In einem Bericht warnt die Weltgesundheitsorganisation vor den erheblichen Umweltschäden, die durch die Tabak- und Zigarettenproduktion verursacht werden.

Ausgedrückte Zigarettenkippen am Straßenrand

Bild: ELLYderOLCH / photocase.de

Unsere Erde steht unter Stress. Die Menschheit hat einen steigenden Bedarf an Rohstoffen, verbraucht riesige Mengen an Energie, produziert dafür tonnenweise giftige Abfälle und klimaschädliche Gase. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mahnt an, dass die Konsumgewohnheiten der Menschen auf den Prüfstand gehören. Das Rauchen von Tabak mit all seinen Folgen gilt ohnehin als eine der größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken. Die WHO warnt nun in einem Bericht davor, dass der Anbau von Tabak und die Produktion von Zigaretten auch weitreichende Schäden an der Umwelt verursachen und die Lebensbedingungen der Menschen vor allem in Entwicklungsländern bedrohen.

„Raucherinnen und Raucher in den entwickelten Nationen verbrennen buchstäblich und metaphorisch die Ressourcen ärmerer Länder“, mahnt Nicholas Hopkinson vom Imperial College London und Mit-Autor des WHO-Berichts. Die Reduzierung des Rauchens und die Verringerung der Tabakproduktion seien aus Sicht der WHO daher wichtige Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Menschheit.

Hoher Verbrauch von Energie und Ressourcen

Um sich die Dimensionen zu vergegenwärtigen: Jährlich werden weltweit 32 Millionen Tonnen an grünen Tabakblättern produziert, aus denen sechs Billionen Zigaretten hergestellt werden. Die Produktion von Tabak verbraucht mehr als 22 Milliarden Tonnen Wasser, das an andere Stelle fehlt. Insbesondere die Trocknung der grünen Tabakblätter ist sehr energieintensiv. Die Energie hierfür wird meist aus der Verbrennung von Kohle oder Holz gewonnen und heizt damit nicht nur das Weltklima an, sondern fördert auch die Luftverschmutzung in den produzierenden Ländern.

Anhand von Fallbeispielen illustriert der WHO-Bericht, welche Folgen der Tabakanbau für einzelne Länder hat. In China werden beispielsweise jährlich drei Millionen Tonnen grüner Tabakblätter produziert, um den Bedarf der etwa 300 Millionen Raucherinnen und Raucher zu decken. Für den Tabakanbau werden mehr als 1,5 Millionen Hektar ackerbares Land bewirtschaftet. Land, das nicht für die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung steht. Gleichzeitig leiden aber etwa 134 Millionen Menschen in China unter Mangelernährung.

Wasser- und Luftverschmutzung

Die Tabakproduktion in China benötigt über 11 Millionen Kubikmeter Wasser. In vielen Gebieten Chinas herrscht jedoch eine gravierende Wasserknappheit. Da Landwirtschaft und Industrie mehr Wasser entnehmen als nachfließt, sinkt der Grundwasserspiegel immer weiter ab. Gleichzeitig ist Wasserverschmutzung ein großes Problem in China. Geschätzt wird, dass 31 Prozent des Wassers großer Flüsse nicht als Trinkwasser geeignet ist.

Hinzu kommt die Luftverschmutzung. Damit aus den grünen Tabakblättern Zigaretten hergestellt werden können, müssen die Blätter zunächst getrocknet werden. Dieser Vorgang erfolgt meist durch die Zuführung heißer Luft, wofür Kohle oder Holz verbrannt werden. Die Produktion von Zigaretten findet in zahlreichen Fabriken im ganzen Land statt und erfordert jährlich etwa 13.000 Gigawattstunden an Energie, die in China ebenfalls vorwiegend durch die Verbrennung von Kohle produziert wird. Dies hat neben den klimaschädlichen Folgen auch eine enorme Luftverschmutzung zur Folge, unter der viele Städte Chinas leiden.

Flächenverbrauch auf Kosten der Nahrungsmittelproduktion

Nach Angaben der WHO würde nicht nur die Umwelt, sondern auch die Wirtschaft Chinas davon profitieren, wenn die Ressourcen, die bislang in die Tabakproduktion fließen, stattdessen beispielsweise der Nahrungsmittelproduktion zugutekämen. Allerdings würden die Investitionen, die das chinesische Staatsunternehmen China National Tobacco Corporation erst kürzlich in Afrika getätigt habe, vermuten lassen, dass sich die schädlichen Folgen der Tabakproduktion womöglich auf ärmere Länder verlagern werden.

Davon betroffen sind beispielsweise die im südlichen Afrika gelegenen Länder Malawi, Tansania und Simbabwe. Diese Länder zählen zu den ärmsten der Welt und werden im Bericht der WHO als besonderes Beispiel für die schädlichen Folgen des Tabakanbaus in Entwicklungsländern hervorgehoben. Während immer mehr Flächen in diesen Ländern zur Tabakproduktion herangezogen werden, leiden Schätzungen zufolge bis zu 45 Prozent der Bevölkerung an Unterernährung.

Waldrodung und Grüne Tabakkrankheit

Der Tabakanbau in Malawi, Tansania und Simbabwe gilt als Ursache für die zunehmende Entwaldung in diesen Ländern. Ein Grund ist der hohe Nährstoffbedarf der Tabakpflanze, die zu einer schnellen Erschöpfung der Böden führt. Der Tabakanbau erfolgt überwiegend in kleinen Farmen, denen oftmals der Zugang zu fortschrittlichen Anbaumethoden fehlt. Um die Tabakproduktion aufrechtzuerhalten, bleibt diesen Farmern oft nichts anderes übrig als Waldflächen zu roden und in neues Ackerland umzuwandeln. In Tansania würden beispielsweise nur 25 Prozent der Farmer denselben Acker in zwei aufeinanderfolgenden Jahren für den Tabakanbau nutzen. Im Gegenzug roden sie jedes Jahr mehr Wald.

Nutzpflanzen hätten hingegen einen deutlich höheren Ertrag, erklären die Autorinnen und Autoren des WHO-Berichts. Beispielsweise könne Simbabwe 19-mal mehr Kartoffeln kultivieren, wenn es auf Tabakanbau verzichten würde. Dies wäre auch deutlich gesünder für die Menschen, die auf Tabakfarmen arbeiten. Denn viele Arbeiterinnen und Arbeiter leiden an der so genannten Grünen Tabakkrankheit. Dabei handelt es sich um eine Nikotinvergiftung infolge des ungeschützten Hautkontakts mit grünen Tabakblättern. Viele Betroffene wissen schlicht nicht, dass der direkte Kontakt gesundheitsschädlich ist. Hinzu kommt der Kontakt mit Pestiziden, die ebenfalls häufig mangels Wissen ohne Schutzkleidung von den Arbeiterinnen und Arbeitern auf den Tabakfeldern ausgebracht werden.

Kinderarbeit und Klimawandel

Zusätzlich zu den gesundheitlichen Folgen und Umweltschäden nennt die WHO auch das Problem der Kinderarbeit in den südlichen afrikanischen Ländern. Geschätzt wird, dass 30 Prozent der Arbeiterinnen und Arbeiter auf Tabakfarmen Kinder sind, manche sogar erst fünf Jahre alt. Sie sind es auch, die besonders unter der Nikotinvergiftung leiden. Der Abhängigkeit dieser Länder vom Tabakanbau sei nach Einschätzung der WHO aber nur schwer beizukommen. So stelle der Anbau von Tabak für afrikanische Länder wie Malawi, Tansania und Simbabwe eine zu wichtige Einkommensquelle dar, als dass sie den Verlockungen der Tabakindustrie widerstehen könnten.

Die gesamte Produktionskette vom Tabakanbau bis zur Zigarettenherstellung fördere letztlich auch den Klimawandel, mahnt die WHO. So werden durch die Herstellung von Zigaretten jährlich etwa 84 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) produziert. Die jährliche CO2-Bilanz dieses Industriesektors sei damit etwa so hoch wie der Treibhausgasausstoß ganzer Länder wie Peru oder Israel. Der Klimawandel bedroht jedoch vor allem die Wirtschaft und das Leben der Menschen in Entwicklungsländern. Somit würde der Tabakanbau die weltweite Ungleichheit zwischen den Menschen nur noch weiter vorantreiben, warnt die WHO.

Vermüllung der Ozeane

Schließlich dürfen auch die weggeworfenen Zigaretten nicht unerwähnt bleiben. Die Summe der oftmals achtlos in den Sand gedrückten oder auf dem Fußweg ausgetretenen Kippen nimmt den Spitzenplatz in der Rangliste aller gefundenen Müllgegenstände ein. Laut Angaben der WHO stehen Zigarettenstummel für 30 bis 40 Prozent aller eingesammelten Müllgegenstände, die bei jährlichen Küsten- und Stadtreinigungen eingesammelt werden. Geht man davon aus, dass ein Zigarettenfilter 3,4 Gramm wiegt, könne die Masse der weggeworfenen Kippen weltweit irgendwo zwischen 340 und 680 Millionen Kilogramm liegen. Darin eingeschlossen seien noch nicht die Abfallprodukte, die in der Verpackung von Tabakprodukten verwendet werden wie beispielsweise Papier, Plastikfolie oder Klebstoff.

Die weggeworfenen Zigarettenstummel enthalten nicht nur eine hohe Konzentration giftiger Stoffe, sondern sind zudem auch noch schwer abbaubar. Die Filter basieren zwar auf Zellulose, werden aber mit Kunststoffen behandelt. Diese können letztlich zu Mikroplastik zerfallen, das sich in den Weltmeeren ansammelt und das Leben unter Wasser bedroht. Einem Medienbericht zufolge gehören Zigarettenkippen zu den am häufigsten gefundenen Müllarten im Meer.

Fazit

Der Anbau von Tabak, die Herstellung von Zigaretten und schließlich die schiere Menge der oftmals achtlos weggeworfenen Kippen stellen eine ernstzunehmende Gefahr für die Umwelt dar. Der Tabakanbau findet großflächig auf Ackerböden statt, der nicht für die Nahrungsmittelherstellung zur Verfügung steht, während viele Menschen in den Anbauländern unter Mangelernährung leiden. Zusätzlich fördert der Tabakanbau die fortschreitende Entwaldung des Planeten und verbraucht große Mengen an Wasser und Energie. Die Folgen sind eine zunehmende Luft- und Wasserverschmutzung und Vermüllung der Ozeane. Die gesamte Produktionskette belastet das Weltklima jährlich mit 84 Millionen Tonnen C02 und ist damit ein bedeutsamer Faktor, der zur Klimaerwärmung beiträgt.

Die Weltgesundheitsorganisation weist in ihrem Bericht darauf hin, dass vor allem Entwicklungsländer unter den Umweltschäden leiden. Etwa 90 Prozent der Tabakproduktion konzentriert sich auf Entwicklungsländer. Den größten Anteil des weltweiten Konsums findet man jedoch in den reichen Nationen. Die Raucherinnen und Raucher in den entwickelten Ländern würden somit vor allem die Ressourcen der armen Weltbevölkerung verbrauchen. Um das Rauchen einzuschränken fordert die WHO daher eine Reihe von Maßnahmen wie dem Verbot jeglicher Werbung, Promotion oder Sponsoring für Tabakprodukte oder einem totalen Rauchverbot in allen öffentlichen Innen- und Außenbereichen und Arbeitsplätzen.

Quellen:

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