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Drugcom: Topthema: Im Ketaminrausch - Nahtoderlebnis inklusive

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Topthema

Im Ketaminrausch - Nahtoderlebnis inklusive

Februar 2014

Ketamin ist ein Narkosemittel. Aufgrund seiner halluzinogenen Nebenwirkungen ist der medizinische Einsatz beim Menschen allerdings eher selten. Gerade wegen seiner Nebenwirkungen wird Ketamin auch als Rauschmittel missbraucht. Laut aktuellen Studien kann der Konsum allerdings zu gravierenden körperlichen Schäden führen, die mitunter irreversibel sind.

WC-Schild an einem Haken vor dunkler alter Holzwand

Bild: beimer / photocase.com

Den eigenen Körper verlassen und Eins werden mit dem Universum. Musik anfassen und Farben hören. In den Berichten zur Wirkung von Ketamin erzählen Konsumierende von übersinnlichen, spirituellen Erlebnissen. Bei höheren Dosierungen kann Ketamin auch extreme Zustände mit Nahtoderfahrungen hervorrufen. Die Person fühlt sich losgelöst vom eigenen Körper oder hat den Eindruck durch einen Tunnel und auf ein helles Licht zuzugehen. Dieser drogeninduzierte Dämmerzustand wird auch als „K-Hole“ bezeichnet.

Doch der Konsum von Ketamin birgt zahlreiche Risiken. Obwohl das Arzneimittel bereits in den 1960er Jahren entwickelt wurde, sind einige Gefahren erst in der letzten Dekade bekannt geworden, nicht zuletzt im Zuge des zunehmenden Missbrauchs von Ketamin als Rauschmittel, wie eine Übersichtsarbeit der britischen Forscherinnen Celia Morgan und Valerie Curran zeigt. Aufgrund des zunehmenden Konsums hat ein Beratungsgremium der britischen Regierung, das Advisory Council on the Misuse of Drugs (ACMD), die möglichen Gefahren des Ketaminmissbrauchs ebenfalls neu bewertet.

Unkontrolliertes Einnässen

Ein bislang unbekanntes, aber ernsthaftes Risiko des chronischen Konsums, sind Schäden am Harntrakt. Dazu gehören in erster Linie Erkrankungen der Blase und der Nieren. Warum der regelmäßige Ketaminkonsum den Harntrakt schädigt ist bisher unklar, allerdings haben alle Betroffenen sehr ähnliche und für sie stark belastende Symptome.

Dazu zählen der Drang, häufig Urinieren zu müssen. Betroffene haben zudem Schmerzen beim Wasserlassen und Blut im Urin. Manche leiden unter Inkontinenz, das heißt, sie nässen sich unkontrolliert ein. Während die Symptome in den meisten Fällen nach dem Absetzen des Konsums nachlassen, kann der Harntrakt auch irreversibel geschädigt werden. Selbst bei sehr jungen Patientinnen und Patienten musste in Einzelfällen die Blase operativ entfernt werden.

Schäden im Gehirn

Der häufige Konsum von Ketamin geht auch am Gehirn nicht spurlos vorüber, warnen die Expertinnen und Experten. In mehreren Studien wurde eine Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit, vor allem des Erinnerungsvermögens, nachgewiesen. Auch leichte psychotische Symptome, ähnlich denen, die einer Schizophrenie vorausgehen, wurden bei den Konsumierenden beobachtet. So zeigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Studie ungewöhnliche Überzeugungen bis hin zu Wahnvorstellungen. Manche glaubten an Telepathie oder neigten zu Verschwörungstheorien.

Erst kürzlich berichtete ein chinesisches Forschungsteam über Schäden, die der langjährige Konsum von Ketamin im Gehirn anrichtet. Bei Ketaminabhängigen, die bis zu 12 Jahre konsumiert hatten, hatte sich Gehirnmasse in allen Teilen des Gehirns zurückgebildet. Vor allem die diffuse Verteilung der Schäden sei ungewöhnlich, schreibt das Autorenteam. Bei Schäden durch Kokain oder Methamphetamin seien die Schäden meist regional auf bestimmte Hirnareale begrenzt.

Akute Risiken des Konsums

Abgesehen von den langfristigen Folgen warnen die Experten auch vor den akuten Risiken des Missbrauchs von Ketamin. Denn die Eigenschaften von Ketamin, die im medizinischen Einsatz als Narkosemittel zu einer erwünschten Kreislaufstabilisierung führen, könnten beim Missbrauch zu Herz-Kreislaufproblemen führen. Insbesondere der Mischkonsum mit anderen Substanzen, wie Alkohol oder Speed, kann zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.

Da Ketamin meist als kristallines Pulver mit unklarem Wirkstoffgehalt konsumiert wird, bestehe zudem immer die Gefahr einer Überdosierung. Eine hohe Dosis kann nicht nur in ein „K-Hole“ führen, sondern Muskelzuckungen und Krämpfe, Sprachstörungen und Lähmungserscheinungen sowie Bewusstlosigkeit nach sich ziehen. Entsprechend besteht eine deutlich erhöhte Gefahr für Unfälle. Vereinzelt kam es bereits zu Todesfällen durch Ertrinken oder Unterkühlung.

Abhängigkeitspotential

In den von Morgan und Curran zusammengetragenen Studien äußerte etwa die Hälfte der Konsumierenden die Sorge, dass sie von Ketamin abhängig werden könnten. Viele hätten ihren Konsumverhalten nicht unter Kontrolle und konsumierten vorhandenes Ketamin meist so lange, bis ihr Vorrat aufgebraucht sei. Ausgeprägtes Craving und Entzugssymptome wie Ängstlichkeit und Zittern führt dann häufig zu erneutem Konsum.

Da es bei dem Konsum von Ketamin schnell zu einer Toleranzentwicklung kommt, ist bei wiederholtem Konsum zudem eine Dosiserhöhung notwendig, damit der gewünschte Effekt einsetzt. Daher gehen Expertinnen und Experten davon aus, dass Ketamin ein durchaus relevantes Abhängigkeitspotential hat, wenn es als Rauschmittel eingesetzt wird.

Forderung nach strengeren Strafen

Aufgrund der Risiken durch den Missbrauch von Ketamin empfiehlt das britische Beratungsgremium ACMD aktuell eine strengere rechtliche Einordnung von Ketamin. Der zunehmende Missbrauch von Ketamin in Großbritannien hatte bereits 2006 dazu geführt, dass Ketamin als Substanz der Kategorie C eingestuft wurde. Die nun von der ACMD empfohlene Heraufstufung von Ketamin als Substanz der Kategorie B würde strengere Haftstrafen für den Besitz und den Handel bedeuten. Cannabis und Amphetamine sind in Großbritannien ebenfalls in Kategorie B eingruppiert.

Verschreibungspflichtig in Deutschland

Während in Großbritannien bereits jetzt Haftstrafen bis zu zwei Jahren allein für den Besitz von Ketamin drohen, gilt die Substanz in Deutschland lediglich als verschreibungspflichtiges Medikament. Für Ketamin gelten nicht die strengen Maßgaben des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG), der Besitzt ist somit nicht strafbar. Allerdings unterliegt der illegale Handel den Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes. Verstöße können mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Fazit

Das Narkosemittel Ketamin wird aufgrund seiner halluzinogenen Nebenwirkungen auch als Rauschdroge konsumiert. Je nach Dosierung können Konsumierende dabei Erfahrungen machen, die auch als Nahtoderlebnisse beschrieben werden. Unter anderem ergeben sich akute Risiken durch eine erhöhte Unfallgefahr - teils mit fatalen Folgen.

Der chronische Missbrauch von Ketamin als Rauschmittel kann teils irreparable körperliche Schäden im Harntrakt nach sich ziehen. In Einzelfällen musste die Blase operativ entfernt werden. Der häufige Konsum kann zudem zu Schäden im Gehirn führen und birgt das Risiko einer Abhängigkeit.

Quellen:

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