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Drugcom: Topthema: "Wenn da nicht diese Entzugserscheinungen wären"

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Topthema

"Wenn da nicht diese Entzugserscheinungen wären"

Januar 2009

Dreieckige Schilder mit Cannabisblatt

Bild: www.pixelio.de / Gerd Altmann

In der Drogenforschung war lange Zeit umstritten, ob es bei der Cannabisabhängigkeit neben der psychischen auch eine körperliche Komponente gibt. Eine körperliche Abhängigkeit wird in der Regel dann angenommen, wenn es nach dem Absetzen der Droge zu körperlichen Entzugserscheinungen kommt. Studien der letzten Jahre lassen jedoch kaum noch Zweifel: Bei dauerhaftem Cannabiskonsum zeigen sich meist typische Anzeichen eines körperlichen Entzugs, wenn das Kiffen eingestellt wird. Was für Entzugserscheinungen sind das? Sind die schlimm? Und was kann man dagegen tun?

Thomas* hatte es nicht leicht. Er hatte den festen Willen, mal vier Wochen am Stück nicht zu rauchen. Als 13-Jähriger hatte er angefangen mit dem Kiffen. Mit 21 Jahren fühlte er sich nur noch schlapp und antriebslos und es wurmte ihn, dass er nicht annähernd das aus sich rausholen konnte, was in ihm steckte. Sein Studium lief mehr schlecht als recht. Vor seiner Anmeldung bei „quit the shit“ hatte er deshalb versucht, das Kiffen zu reduzieren. Doch schon bald zeigten sich massive Schlafprobleme. Und wenn er trotz seiner Appetitlosigkeit versuchte, sich ein paar Schnitten Brot „reinzuwürgen“, musste er die später meist wieder erbrechen.

Anja* war schon fünf Tage konsumfrei, als sie sich bei „quit the shit“ angemeldet hatte. In den letzten 10 Jahren ihres Konsums habe sie noch nie so „lange“ durchgehalten, sagte sie. Das motiviere sie, weiter zu machen, „wenn da nicht diese Entzugserscheinungen wären“. Schüttelfrost, Unruhe und Angst vor dem Einschlafen habe sie. Teilweise bekomme sie sogar regelrecht Panikattacken, wenn sie allein ist.

Unterschiedlicher Schweregrad

Nicht jeden Cannabisabhängigen erwischt es so hart wie Thomas und Anja. Aber Entzugssymptome nach langjährigem Kiffen sind sehr verbreitet. Eine Forschungsgruppe um Alan Budney hat 2004 einen Übersichtartikel zu Entzugserscheinungen bei Cannabiskonsum veröffentlicht. Die Autoren stellen fest, dass etwa zwei Drittel aller Cannabisabhängigen, die eine Behandlung aufsuchen, vier oder mehr Entzugssymptome von zumindest mittlerer Intensität aufweisen. Der Schweregrad der Entzugssymptome ist dabei in etwa vergleichbar mit dem Entzug bei einer Nikotinabhängigkeit. Allerdings können Entzugssymptome individuell sehr unterschiedlich erlebt werden. Sowohl wissenschaftliche Studien als auch unsere Erfahrungen im Rahmen von „quit the shit“ machen deutlich, dass die Art und Intensität der Symptome nicht unbedingt mit dem Konsummuster zusammen hängen. Wer über Jahre täglich ein paar Gramm in der Bong weggeraucht hat, erlebt unter Umständen weniger quälende Entzugsymptome als Personen, die noch nicht so lange und deutlich weniger kiffen.

Die häufigsten Entzugserscheinungen

Fast alle Klientinnen und Klienten von „quit the shit“ erleben Entzugssymptome, was bei der einen oder dem anderen möglicherweise auch ein Grund für die Teilnahme ist. Folgende Entzugssymptome sind hier zu nennen:

Zudem verspüren viele den starken Wunsch, wieder zu kiffen (Craving), einerseits wegen der Entzugsymptome, aber auch, weil es ihnen fehlt, „breit“ zu sein. Die Symptome treten meist in den ersten 48 Stunden nach dem letzten Konsum auf, erreichen nach 4-6 Tagen ihren Höhepunkt und verschwinden in der Regel nach ein bis drei Wochen. In Einzelfällen können die Symptome auch länger als einen Monat andauern.

Schlafprobleme besonders quälend

Was vielen Klientinnen und Klienten von „quit the shit“ besonders zu schaffen macht sind Schlafprobleme, oder genauer gesagt: Einschlafprobleme. Denn bei Cannabisabhängigen gehört der Joint oder die Bong oftmals zum festen Ritual vor dem Einschlafen. Ohne die übliche Dosis THC fehlt der cerebrale „Ausschalter“. Das Einschlafen ohne psychoaktives Hilfsmittel muss erst wieder mühsam erlernt werden. Hinzu kommt, dass die Betroffenen im nun ungewohnt nüchternen Zustand ihre Probleme, die sich womöglich schon aufgetürmt haben, eben nicht einfach „wegrauchen“ können, sondern ihnen nun mit klarem Kopf entgegentreten müssen.

Entzug nur von kurzer Dauer

An medikamentösen Unterstützungsmaßnahmen wird zwar geforscht, bislang werden aber in der Regel keine Medikamente zur Behandlung von Entzugssymptomen bei Cannabiskonsum eingesetzt. Denn auch wenn die plötzliche Abstinenz von Cannabis unangenehm sein kann, verglichen mit dem Entzugssyndrom bei Opiaten oder Alkohol ist das von Cannabis aber eher als mild einzustufen. In der Regel ergeben sich auch keine ernsthaften medizinischen oder psychiatrischen Komplikationen. Das bedeutet schlicht und einfach: Da muss man durch!

Wichtig zu wissen ist, dass die Entzugssymptome meist nur ein paar Tage andauern und oftmals schon nach einer Woche auf ein erträgliches Maß zurückgehen. Viele Klientinnen und Klienten sehen den Entzug auch durchaus als positives Signal. Denn sie merken, dass ihr Organismus sich umstellt und entgiftet. Oftmals erleben sie schon nach kurzer Zeit positive Veränderungen in ihrem Alltag, weil sie sich wieder besser konzentrieren können und mehr „auf die Reihe kriegen“. Da wird der Entzug als notwendiges, aber erträgliches Übel in Kauf genommen.

Aktivitäten und Ablenkungen helfen

Es gibt aber Möglichkeiten, Entzugssymptome zu lindern oder ein wenig auszublenden. Tagsüber Sport treiben beispielsweise ist zu empfehlen. Nach körperlicher Beanspruchung fällt es den meisten leichter, sich zu entspannen, was auch das Einschlafen fördert. Nur kurz von dem Schlafengehen sollte auf Sport verzichtet werden, weil dadurch der Kreislauf zu sehr angeregt wird. Ein Tipp vom Beratungsteam: Schaffe dir ein neues Einschlafritual. Womit, das muss jeder selber für sich überlegen. Wichtig ist, dass es eine ruhige bzw. beruhigende Aktivität ist wie beispielsweise lesen, ein warmes Bad nehmen oder beruhigende Tees trinken (weitere Tipps zur Schlafhygiene siehe unten).

Ausstieg einfacher als Reduzieren

Thomas und Anja ging es auch bald schon besser, nachdem sie die erste Zeit überwunden haben und standhaft geblieben sind. Beide haben nach Empfehlung der Beraterin den Konsum ganz eingestellt, anstatt nur zu Reduzieren. Denn das Reduzieren kann unter bestimmten Umständen schwieriger sein als der Ausstieg aus dem Cannabiskonsum. Reduzieren heißt, die Menge des Konsums ständig unter Kontrolle zu halten. Entzugserscheinungen können dann immer mal wieder auftreten.

*Namen geändert

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